Hallo,


ich habe ein Problem, ich habe mir ein Leben lang Kinder gewünscht.
Seit 4 Jahren habe ich nun einen Partner, mit dem ich mir das vorstellen konnte, auch er wollte es von Anfang an.


Nur es kamen keine Kinder.


Inzwischen waren wir bei Ärzten, inzwischen wissen wir, daß seine Sperma qualität unter 20% ist, also im Prinzig unfruchtbar.


Und:


Inzwischen bin ich 39 Jahre.


Meine Frauenärztin sagt, ich habe noch 2 Jahre, dann ist Schluss.


Ich bin total verzweifelt: einerseits will ich mit meinem Freund zusammen sein, andererseits ist mein Lebensthema so wichtig, daß es echt zur Belastung wird.


Aber ich kann mir doch nicht nur aus Spermagründen einen neuen Partner suchen...


Andererseits, irgendwo verzeihe ich ihm die Sache nicht, manchmal habe ich die Fantasie, das muß doch was mit ihm und seinem Unterbewußtsein zu tun haben, daß er so blockt - ich betrachte es als psychisch. Ich wünsche mir einen Partner, dessen Unterbewußtsein mit dem Bewußten authentisch passt...


Ich weiß nicht was ich tun soll und habe das Gefühl, das werfe ich mir in 10 Jahren vor, daß ich nicht einfach doch dem Kinderwunsch nachgegeben habe...


Was würdet ihr tun?


:-(

Also,
ich denke, wenn Du Deinen Freund wirklich und AUFRICHTIG liebst, dann dürfte Dir der Gedanke einer Trennung aus dem genannten Grund gar nicht kommen...


Dein Freund kann nichts dafür, dass er unfruchtbar ist; er würde wahrscheinlich vieles dafür geben, Kinder in die Welt setzen zu können.


Meinst Du nicht, er ist mit dieser Sache "genug gestraft"? Ihn aus diesem Grund zu verlassen, fände ich ziemlich heftig...


Ich kann nachvollziehen, dass Du gern ein Kind hättest, aber was ist Dir wichtiger??


Willst Du wirklich Deine große Liebe gehen lassen, weil er keine Kinder zeugen kann (sonst aber scheinbar alles prima zwischen Euch läuft)??
Kannst Du da nicht lieber auf ein Kind verzichten? (ich weiß, dass klingt hart und ist auch einfach dahergesagt, wenn ein Kinderwunsch besteht)...


Vielleicht könnt Ihr Euch mit dem Gedanken an ein Pflegekind anfreunden?



Jedenfalls finde ich es ziemlich heavy, in dieser Situation von "nicht verzeihen" zu sprechen - Dein Freund hat sich seine Situation schließlich nicht freiwillig ausgesucht!


Wenn ich Du wäre - ich würde mir NICHT aus "Spermagründen einen neuen Partner suchen"...


Die Kinderlosigkeit ist dann vielleicht ein Schicksal, dass Euch verbindet und dass Ihr Beide teilen müsst...
Kinder sind nicht alles im Leben - wenn es nicht sein soll, dann setzt Euch andere Ziele; macht andere Dinge zum Mittelpunkt Eurer Beziehung, Eures Lebens...


Überlege Dir die Sache ganz genau - kann zwar nachvollziehen, dass Du hin und hergerissen bist, aber irgendwie... ich glaube, mir würde der Partner vorgehen...
Du solltest ihm helfen, mit der Situation klarzukommen, denn er wird sicher auch darunter leiden und sich heimlich "Vorwürfe" machen...


Weiß er von Deinen Trennungsgedanken??


Hoffentlich nicht...


LG
Sha

Ich denke...
Du hast dich eigentlich schon entschieden.


Aber deinen Satz : Ich wünsche mir einen Partner, dessen Unterbewußtsein mit dem Bewußten authentisch passt...


finde ich ziemlich befremdlich. Damit unterstellst du quasi, dass dein Freund es absichtlich verhindert, dass du (d-)ein Kind bekommst !


Das Unterbewusstsein ist eine sehr feinstoffliche Materie und die passt in den seltensten Fällen *authentisch* mit dem Bewusstsein zusammen.


Ein Kind ist oftmals ein Gottesgeschenk einer glücklichen Beziehung, aber ein Kind kann auch als ein *Lückenbüsser* missbraucht werden. Und ich habe die Befürchtung, dass dein Kinderwunsch für etwas anderes anderes *herhalten* muss.


Dass du deinem Partner nicht *verzeihen* kannst/willst, finde ich persönlich ziemlich anmaßend und es wäre wirklich besser, wenn du dir einen *Zuchthengst* anlachen würdest.


Ist dir eigentlich schon einmal der Gedanke gekommen, dass du mit diesen *Argumenten* deinem Freund ziemlich vor den Kopf stösst ?


Kannst du dir vorstellen wie es einem Mann geht, der *unfähig* ist Kinder zu zeugen ?


Die Sichtweise

Megabeispiel für subjektiven Beitrag...
OHja, Imandra, da macht dir deine Sterilität aber schwer zu schaffen. Ob es für den Freund besser ist, ob sie sich trennt, war nicht die Frage.
Sie will Kinder und sucht nach Möglichkeiten. Und das kann mit etwas über 40 die Beziehung schwer belasten, wenn halt keine Kinder kommen. Versteh dich auch, aber finde deinen Beitrag wie gesagt, sehr persönlich gefärbt und hart reagiert.

Nach Möglichkeiten suchen..
Adoption scheidet wahrscheinlich aus, zu alt. Ein Pflegekind?
Lass bloss die Schuldzuweisungen. Er kann nix dafür und du auch nicht. Es sieht manchmal im Leben vordergründig so aus, als ob ne klare Schuldzuweisung die Dinge vereinfachen täten. Tun sie aber nicht. Lass dir deine Beziehung durch solche Gedanken nicht kaputt machen. Du musst echt nach Möglichkeiten suchen und wissen, dass selbst leibliche Kinder nur geliehen sind. Die gehen ganz schnell ihren eigenen Weg. Warum also nicht mit einem Pflegekind probieren? Menschen gehören einem definitiv nie..
Versteh dich schon, obwohl ich selbst Mutter bin.
Alles Liebe für euch!

Wie würde
Frau wohl reagieren, wenn Mann soooo dächte im umgekehrten Fall? "Nicht verzeihen blocken Unterbewußtsein authentisch mit dem Bewusstsein (was für eine schwachsinnige Wortwahl - gemeint ist wohl eher "identisch")" in diesem Zusammenhang deutet entweder auf totale Ahnungslosigkeit biologisch-physiologischer Sachverhalte hin oder auf unakzeptable Respektlosigkeit gegenüber eines Menschen, den man (frau) vorgibt zu lieben. Das entwertet den Begriff der Liebe völlig.
Wenn du danach fragst, was wir tun würden, hier meine Antwort: deinem Freund empfehlen, sich so schnell wie möglich von dir zu trennen!!!! oder schlicht, die vergangenen 10 Jahre mal neu überdenken.
ahnungslos7

In Krankheiten deuten
Guten Morgen,


hier wurde des öfteren meine Haltung angesprochen: aber ganz im Ernst, findet ihr denn die Idee so abwegig, daß hinter "Krankheiten" und anderen körperlichen "Erscheinungen" nicht etwas Tieferes steckt?


Vielleicht bin ich ja wegen dem Thema echt langsam völlig neben der Spur geraten und danke Euch, wenn ihr mir den Kopf wieder richtig dreht, aber...


Nach meiner Erfahrung, sind tatsächlich solche Dinge oft nicht nur "Zufall", auch andere "Krankheiten", z.B. von mir selber auch, wo ich oft im Nachhinein wußte, woher immer wieder meine Bauchbeschwerden kamen.


Selber mein Hausarzt, der sagt, daß oft hinter körperlichen Symtomen steckt:
"auf die körperebene verschobene Probleme, die zu psychosomatischen Erscheinungen führen"
und daß zwar Medikamente helfen, aber eine Bewußtmachung des Eigentlichen besser, aber seltener wäre


Ich weiß auch nicht, vielleicht habe ich mich einfach völlig verrannt mit der Ansicht.


Ich bin nur einfach von der Fantasie, daß es tatsächlich so etwas wäre und die Möglichkeit da wäre erschrocken und unversöhnlich.


Übrigens bei einem befreundeten Paar war es ähnlich, die haben dann eine Familienaufstellung gemacht, Unbewußtes hervorgeholt und Lösungen gefunden.


Bei manchen Paaren, die unfruchtbar waren ist nämlich nach Lösung von tieferebn Konflikten oder nach dem Loslassen von dem Wunsch o.ä. plötzlich doch Kinder gekommen


Nur z.B. Familienstellen lehnt mein Fraund total ab.


Ach vielleicht ist es wirklich einfach Schicksal und ich muß es akzeptieren?

    an0N_1213134199z

    Guten Morgen,
    ich bin mit Dir völlig eins, wenn es um die These geht, dass jede Krankheit seine psychische Ursachen hat. Allerdings ist das ein sehr spezielles Feld, dass sehr behutsam angegangen werden muss. Wenn man den Krankheiten nachgeht, so können sich da *Abgründe* auftun, die unvohersehbare Dinge zum Vorschein bringen können, deren Behebung einen unglaublichen Willen und immense Kraft erfordert.


    Ich denke, dass es nicht nur ein *Segen*, sondern zu unglaublichen Zereissprobe im einer Beziehung werden kann, wenn man diesen Dingen auf den Grund gehen möchte. Das ist ohne fachliche Hilfe überhaupt nicht machbar und erfordert eine jahrelange therapeutische Hilfe.


    Ich war *unfruchtbar* und habe Jahrelang durch diesen Umstand gelitten, habe mehrere Operationen und Hormontherapien hinter mir gehabt. Dazu hatte ich einen Partner dessen Kinderwunsch so immens war und immer nur seine *Position* sah, mich hingegen überhaupt nicht wahrnahm.


    Irgendwann hatte ich Beklemmungen, wenn ich einen Kinderwagen sah. Der psychischen Belastung hielt ich nicht mehr stand. Eines Tages platze mir der Kragen und warf den Gedanken an ein Kind völlig über Bord, sagte sämtliche Termine ab und lebte MEIN Leben. Meinem Partner habe ich das auch vermittelt, dass ich ihm diesen Wunsch nicht erfüllen *kann* und nachdem sich alles wieder eingespielt hatte, wurde ich plötzlich schwanger. Und sogar das 2.mal kurz nach der Geburt meiner Tochter.


    Vor einigen Jahren war ich soweit und habe die *Konfrontation mit mir selber* gesucht. Ich analysierte alles im Selbststudium und weiß, dass meine *ungewollte Kinderlosigkeit* etwas mit meiner Herkunft zu tun hatte. Dieses habe ich auf verschiedenen Wegen herausgefunden. Aber es war nicht nur das ersehnte AHA-Erlebnis, sondern es war als allererstes eine derartige Belastung, sodas es mich so aus der Bahn geworfen hat, weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Gottseidank hatte ich damals eine sehr gute Therapeutin, die mich so aufgefangen hat, dass ich mein Leben wieder in den Griff bekam.


    All das führte dazu, dass ich und mein Partner keine Ebene mehr hatten und wir uns vor einiger Zeit getrennt haben.


    Weißt du, das was dir vorschwebt, ist sicherlich *legitim* aber die Folgen sind nicht kalkulierbar und einige haben es bedauert, dass sie so tief *gegraben* haben.


    Ich habe es im nachhinein nicht bedauert, weil ich es für mich so entschieden habe. Aber ich wüsste nicht, wie ich reagiert hätte, wenn mich ein Partner dazu gedrängt hätte.
    Du bist der Meinung, dass du weißt, was für euch richtig ist. Vielleicht ist es richtig, dass du weißt, was für dich richtig ist. Aber du kannst es gar wissen, was für ihn richtig ist, weil du nicht in seiner Haut steckst und weil du ihm nicht in seinen Kopf schauen kannst.


    Eine Entscheidung zu treffen, die euch beide betrifft, kann nur dann getroffen werden, wenn beide es wollen. Wenn du jedoch alleine bestimmst, was für euch richtig ist, so entmündigst du deinen Partner und setzt in auf die Stufe eines *hilfsbedürftigen* Menschen. Und das wird er sicher nicht sein. Du hast einfach kein Recht darauf, anderen so in dessen Leben und Persönlichkeit einzugreifen und das musst du akzeptieren. Man kann und darf andere nicht in etwas hineinzwängen. Jeder hat seinen persönlichen Zeitpunkt in der er Dinge klärt, die für ihn wichtig sind.


    Wer weiß, ob du mit den Dingen zurecht kommen wirst, die da zum Vorscheim kommen werden.Du kannst nur für dich selber ergründen, warum du so einen starken Kinderwunsch hast. Warum er keine zeugen kann, ist sein Päckchen, dass du nicht zu tragen hast.


    Vielleicht ist es aber auch wirklich so, dass das Schicksal es so eingerichtet hat, dass ihr beide kein gemeinsames Kind haben sollt.


    Grüße


    Die Sichtweise

      an0N_1207955599z

      Unterbewusstsein...
      ich vermute mal, dass das durchaus sein kann: Unter der Oberfläche steckt ein Problem, wie bei den meisten von uns. Nur: Darfst du deshalb auf ihn sauer sein???? Das finde ich doch sehr unfair. Der Punkt an "unbewusst" ist doch gerade, dass er es nicht weiß. Man kann Dinge so tief vergraben, dass man gar nicht mehr weiß, dass sie noch da sind. Und mal angenommen, er spürt, dass da noch was ist: Er hat vermutlich große Angst, es hervorzuholen. Emotionales Arbeiten kostet sehr sehr viel Kraft, längere Phasen des emotionalen Schwimmens, also der Depression und so weiter. Bist du dir sicher, dass du das von ihm v e r l a n g e n kannst?
      Hast du denn überhaupt mit ihm darüber gesprochen? Was sagt er?


      LG

        an0N_1213134199z

        Also...
        Ich finde deine Einstellung total respektlos deinem Partnern gegenüber. Einfach unglaublich. Und du restdest von "unverzeihlich"? Ich finde dein Verhalten deinem Partner gegenüber unverzeihlich.


        Deine Vorstellung, dein Partner sei unfruchtbar, weil er psychische Probleme hätte, unbwusste nartürlich, finde ich einfach utopisch, völlig unrealistisch. Ich finde es völlig an den Haaren herbei gezogen zu glauben, dass inaktive Spermien etwas mit der Psyche zu tun hat und dass jeder Pups, der nicht nach deinen Vorstellungen von DEINEM Leben passt psychischer Natur zugrunde liegt.


        Und selbst wenn es so wäre, wenn es wirklich bei deinem Mann psycisch wäre, dann soll das unverzeihlich sein???? Warum?


        Was wäre, wenn du in den kommenden Jahren Arthrosen oder Hämorrhiden 4 Grades bekommst und du nicht mehr alles mitmachen kannst mit deinem Mann, ist das dann auch unverzeihlich? Solltest du dann auch mal zum Psychologen nach Ansicht deines Mannes. Vielleicht will er ja dann auch ne "funktionsfäige Frau" und keine die schon arthrotische Beschwerden hat.


        Ich kann deinem Mann gut verstehen, wenn er keine Familienaufstellung machen will. Wozu auch? Meiner Meinung nach hast du ein Problem mit dieser Situation. Warum gehtst du nicht zu einem Psychologen? Der kann die bestimmt helfen, dass du selbst verstehst, warum du so unbedingt Kinder möchtest, die weitaus wichtiger sind als deine Liebe zu deinem Mann.


        Ein Arbeitskollege von meinem Vater verließ seine Frau, weil sie keine Kinder bekommen konnte.
        Alle Kollegen waren schockiert. Nun ja, der gute Mann lernte ratzpatz eine neue Frau kennen, sie heirateten nach ein paar Monaten zusamen sein, sie wurde schwanger, so wie er es wollte und dann hatte sie einen so schweren Autounfall, dass sie ihr Kind verlor und erfuhr, dass sie nie wieder schwanger werden wird.


        Ich würde dir raten, die einen guten Psychologen zu suchen. Vielleicht findest du dann deine Lösung für dein leben.

        Ja eben,
        es sind immer noch 20% da!
        Wie wäre es mit einer künstlichen Befruchtung? Schonmal darüber geredet? Oder Adoption? Es gibt doch heutzutage wirklich genug Möglichkeiten.


        LG, koellegoerl

        Deine Kinderlosigkeit
        ist nicht alleine Sache deines Partners und seiner Unfruchtbarkeit, sondern auch deiner Lebensweise in den 35 Jahren vor ihm geschuldet. Du wirst deine Gründe haben, warum du in all den Jahren keine Kinder wolltest. Aber das sind eben DEINE Gründe, für die du ihm jetzt nicht die Generalschuld anlasten darfst. Wenn du schon nach psychosomatischen Ursachen suchen willst, dann denke mal darüber nach, was deine Torschlußpanik mit deinem Partner macht. Da ist es für mich auch kein Wunder, daß er dem von dir gemachten Vorschlag, dem Problem durch Familienstellen zuleibe zu rücken, ablehnend gegenübersteht. Wahrscheinlich hat er Angst, vorgeführt zu werden. Ich persönlich sehe wie viele andere auch deine mangelnde Achtung vor deinem Partner, den Egoismus, mit dem du ihn zum Werkzeug deines Lebensthemas machen willst, bzw. enttäuscht von ihm bist, wenn er dafür nicht taugt.
        Zum Thema Famlienstellen sei noch gesagt, daß der von mir sehr geschätzte Bert Hellinger zu deinem Problem eine klare Haltung einnimmt:
        "Wenn einer von den Partnern keine Kinder bekommen kann, aus welchen Gründen auch immer, dann darf er den anderen nicht festhalten. Er muß sagen: Das ist mein Schicksal, ich trage es alleine. Er muß also innerlich den Partner freigeben."
        *Zitat aus: 'Wie Liebe gelingt-Die Paartherapie Bert Hellingers'*
        Vielleicht wäre es für euch wirklich das Beste, einander loszulassen.

        Www.wunschkinder.de
        und dann den Link "Spermiogram" anklicken. Dort gint es einige interessante Beiträge zu Unfruchtbarkeit, Ursachen, Untersuchungen und mögliche Behandlungsmethoden.

        Jojobine, ich möchte Dir
        nur zwei Fragen stellen:


        1. was ist die Grundlage *Deiner* Beziehung??
        > Respekt vor dem Anderen ist die Grundlage einer Beziehung (Damaris Wieser)


        2. hast Du heute schon in den Spiegel geschaut??
        > Wenn Du mit Deinem Partner haderst, dann schau in den Spiegel und sieh durch seine Augen einmal neu Dein eigenes Sein (Christa Schyboll)


        Mehr kann ich dazu nicht schreiben, weil Deine Kälte meine Finger auf der Tastatur erstarren lässt.

        Also...
        ...erst mal "Hallo" zusammen und nun zum Thema:


        Wenn die Spermienqualität deines Freundes bei unter 20% liegt, bedeutet das doch noch lange nicht, dass er zeugungsunfähig ist. Wie wärs mit künstlicher Befruchtung? Aber warum kannst du ihm das nicht verzeihen, ich meine was kann er dafür? Sorry, aber ich bin vielleicht zu verbohrt, aber mit Unterbewusstsein und blocken, etc. kann ich nichts anfangen. Es kann viele Gründe für seine Situation geben, z.B. Krankheiten in der Kindheit.
        Wenn ich deinen Beitrag so lese, dann bin ich stolz auf meine Schwägerin, die trotz der zeugungsunfähigkeit meines Bruders (Klinefelter Syndrom = definitiv niemals zeugungsfähig aufgrund von Chromosomenfehlverteilung). Sie steht zu ihm und macht ihm nicht den geringsten Vorwurf. Die beiden versuchen ihr Leben in andere Bahnen zu lenken, den Lebensinhalt nicht am unerfüllten Kinderwunsch fest zu machen.
        Und das nenne ich Liebe...


        Gruß, borntobe

        Zunächst einmal sei klargestellt
        daß nicht ich das Familienstellen ins Spiel gebracht habe, sondern 'jojojbine' selbst. Weil es eine von ihr offensichtlich bevorzugte Problemlösungstechnik ist, finde ich es auch legitim, über dieses Thema mit ihr zu reden.
        Was Bert Hellinger angeht, so habe ich mich schon länger mit ihm und seiner Lehre auseinandergesetzt. Ich habe Workshops besucht, ich habe als Stellvertreter selbst an Aufstellungen teilgenommen und ich hatte sogar die Gelegenheit, zweimal persönlich mit ihm zu sprechen. Man kann also sagen, daß mein Eindruck von dem, worüber wir reden, nicht nur auf Hörensagen basiert. Wie ist es bei dir?
        Natürlich ist es immer einfach, aus den im Verlauf einer Aufstellung gemachten, individuell motivierten Aussagen Hellingers durch Verkürzung und "aus-dem-Zusammenhang-reißen" das Herauslesen zu lassen, was man ihm gerne unterstellen würde.
        Sehr beliebt ist z.B. darauf zu verweisen, daß er mal gesagt hat: "Die Frau soll dem Mann folgen." Was dabei dann im Zuge des allgemeinen feministischen Aufschreis ein bischen untergeht, ist der zweite Halbsatz: "...und der Mann soll die Frau ehren."
        Was ebenfalls keiner hören will, ist der Zusammenhang. Hellinger spricht darüber, was sich im Laufe der letzten 30 Jahre in den Aufstellungen immer wieder gezeigt hat: Es ist für ein Paar einfacher, wenn die Frau dem Mann in seine Kultur folgt als umgekehrt. Wenn man dann an die vielen gescheiterten Existenzen von Männern denkt, die in der Firma ihres Schwiegervaters Karriere machen wollten, weiß man doch, was er meint. Im Gegensatz zu seinen Kritikern wertet Hellinger das nicht ideologisch, sondern erkennt es als Erfahrungswert an.
        Wenn er ein Kind sagen läßt: "Für dich tue ich es gerne." dann deshalb, weil es zu den tragischen Aspekten des Mißbrauchs gehört, daß genau das häufig das Motiv des Kindes ist, zu schweigen oder sogar aktiv daran mitzuwirken. Sie erfüllen eine Rolle, von der sie spüren, daß sie fehlt. Natürlich ist das Kind dabei unschuldig, aber durch das Bekennntnis zu dem heimlichen Motiv seines Handelns wird es oft aus seiner Doublebind-Situation erlöst.
        Der Respekt vor den Eltern hat mit dem Geschenk des Lebens zu tun, das für Hellinger das größte überhaupt darstellt und durch nichts auszugleichen ist. Das Leben fließt durch die Generationen und wird von den Eltern an die Kinder und von denen wiederum an ihre Kinder weitergegeben. Und weil ein Kind immer beide Eltern ist, kann es das nur sehr schwer, wenn es seine Eltern oder einen von beiden ablehnt. Es lehnt dann eben auch einen Teil von sich selbst ab und kann nicht wirklich authentisch und für die eigenen Kinder nachvollziebar sein. Die spüren dann etwas, was bspw. der Vater verleugnet.
        Noch ein Wort zu Hellinger selbst.
        Ich habe selten einen bescheideneren und zugleich großzügigeren Menschen getroffen.
        Das was du ihm als Motiv unterstellst, ist vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung einfach lächerlich.
        Nix für ungut, das mußte mal gesagt werden.
        Trotzdem liebe Grüße

        Volle Unterstützung
        Hellinger ist in jedem Falle sehr fragwürdig. Dieser "Wodoo-Zauber" ähnliche Humbuck ist nicht seriös. Das kommt gleich nach den "Stille-Seminaren", die Seinerzeit in den 70ern in Freiburg/i.Br. stattgefunden haben und werden nur noch durch die Heilwasser-Vorstellungen einer berühmt-berüchtigten Schweizerin getoppt.
        Also Finger davon weg, und selber mal ein wenig nachdenken und in den vergangenen Lebensabschnitten genauer nachsehen, weshalb, warum und wieso es jetzt so ist, wie es ist. Die "Schuldfrage" kann es nicht geben, bei keinem von Beiden, aber auf die Ursachen kann man mit ein wenig Aufmerksamkeit ohne laienhafte Psychologisierung mit normalem Menschenverstand selber kommen.
        Viel Erfolg bei der Ursachen-Findung.
        dorotee