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Hallo,
ich möchte ein wenig zu mir erzählen, damit man meine Meinung vielleicht besser einschätzen kann.
Ich bin männlich und 52 Jahre alt. Ich war von 30 bis 49 in einer festen Beziehung und 15 Jahre davon verheiratet.
Ich bin also jetzt seit gut 5 Jahren Single. Eine erschreckend lange Zeit.
Für mich ist das Single-Dasein ein einziger K(r)ampf. Ich bin gerne in einer festen Beziehung. Ich mag das Vertrauen, die Stabilität und die Möglichkeiten, die eine feste Partnerschaft bietet. Die vermeintliche Flexibilität eines Single-Daseins bietet mir gar nichts.
Meine Ex-Frau und ich haben uns einvernehmlich getrennt und sind immer noch freundschaftlich miteinander verbunden. Wir unterstützen uns weiterhin gegenseitig, da keiner von uns eine neue Beziehung eingegangen ist.
Und da spätestens jetzt immer die Frage aufkommt: „Warum versucht ihr es nicht noch einmal?“, kann ich nur entgegnen, dass unsere Beziehung eine ausgezeichnete Basis für eine tiefe Freundschaft ist, aber nicht mehr für eine Liebe. Und das wird sie auch nie wieder sein. Meine Ex-Frau und ich sind damit im Reinen.
Ich erwähne das, weil es meine absolute Ratlosigkeit im Hinblick auf Partnersuche begründet. Denn scheinbar haben alle anderen Paare gegenteilige Erfahrungen gesammelt.
Ca. 1 Jahr nach der Trennung, als ich meine Wunden geleckt hatte, wollte ich wieder aufs Pferd steigen, denn, wie bereits erwähnt: Ein Leben ohne Partnerschaft ist für mich nicht sehr verlockend - zumindest nicht auf Dauer. Auch ich hatte nach 19 Jahren Treue meine diversen One-Night-Stands und lockeren Affären. Allerdings war mir das schnell (s.o.) nicht genug.
Also versuchte ich es auf - gefühlt - allen bekannten Portalen und mit allen bekannten Mitteln: Tinder, Bumble, Parship, Elitepartner, LoveScout, Finya, neu.de, Speed-Dating und (demnächst) auch Kennenlern-Partys.
Und ich musste dabei erstaunliche Dinge erfahren.
- Frauen haben keinerlei Probleme damit, mit mir ins Bett zu steigen, nicht einmal bei der ersten Verabredung. Zumindest, wenn ich es darauf ankommen lasse, was am Beginn meiner Single-Zeit oft der Fall war.
- Aber sobald der Kontakt in Richtung beiderseitiger Exklusivität und Beziehung ging, war beinahe augenblicklich Schluss. Aber nicht von mir, sondern vonseiten der Frauen.
Es ist ein Fluch geworden. Ich bekomme mehr Dates für Sex als für einen gemeinsamen Kino-Abend. Das letzte Mal im Kino war ich mit meiner Ex-Frau, um den letzten Bond zu sehen.
Ich bin gesund, habe eine Wohnung, ein gutes Einkommen und würde mich alles andere als arm oder hässlich nennen. Ich kann kochen, meine Wohnung sauber halten und Knöpfe annähen. Und Frauen mögen Sex mit mir. Aber ich habe das Gefühl, dass sie sich lieber eine Glatze schneiden lassen würden, als mit mir eine exklusive Beziehung einzugehen. Von einem gemeinsamen Haushalt oder gar Heirat spreche ich schon gar nicht mehr. Obwohl ich sehr gerne wieder ein Haus mit Garten hätte. Aber das kann ich mir in meiner Gegend leider allein nicht leisten, da ich zu alt für eine gute Finanzierung bin. Ich müsste also z.B. in den Norden ziehen. Da könnte ich mir direkt ein schönes, altes Haus mit Garten cash leisten. Aber was will ich da allein? Meine Freunde sind hier (Rheinland). Und wenn die Frauen im Norden genau so ... schwierig ... sind? Dann sitze ich da allein in meinem Wintergarten, die Katze auf dem Schoß, und habe auch nichts davon gewonnen.
So weit, so schlecht. Diese Suche, diese Sehnsucht, machen mir zu schaffen. Denn egal, wie sehr ich es mir auch einrede: Selbst die besten Freunde ersetzen keine gute Frau.
Und seit ca. 2 Monaten meine ich auch den Grund dafür zu kennen, warum die Partnersuche für mich so schwer ist: Frauen in meinem Alter sind beziehungsunfähig geworden. Und ich kann es ihnen nicht einmal verübeln. Ich erkläre den Grund.
Ich habe in den vergangenen Jahren ca. 50–70 Frauen real gedatet. Mit genau 36 (Ja, ich gebe zu, ich führe eine Strichliste) hatte ich Sex. In eine Frau habe ich mich leider unglücklich verliebt wie ein „Teenager in Love“, auch das passiert, ich wollte, sie nicht. Und ich hatte wohl an die 200 Matches online, mit denen ich mich auch austauschen konnte.
Alle diese Frauen, und zwar ohne Ausnahme, hatten schlechte (bestenfalls) oder gar katastrophale Langzeitbeziehungen hinter sich. Da war alles bei: Betrug, Fremdgehen, Lügen, finanzielle Benachteiligungen, physische Gewalt bis hin zu Krankenhausaufenthalten, Stalking (auch nach der Beziehung), parallel geführte Existenzen mit anderen Familien (zweimal), Kinder mit anderen Frauen (zweimal), Flucht in Frauenhäuser o.ä. (dreimal), Drogenmissbrauch, Verschuldungen.
Ich habe leider ein Talent dazu, mir diese Schicksale merken zu können.
Wirklich, ich habe in den letzten 4,5 Jahren nur zwei Frauen getroffen, die gut auf ihre Ex-Männer zu sprechen sind. Eine ist Witwe und eine ist meine eigene Ex-Frau.
Ich selbst bin auch schon indirekt durch eifersüchtige Ex-Ehemänner unter Stress geraten: Stalkin, nicht Einhalten von Absprachen, wenn gemeinsame Kinder involviert waren, anhaltende seelische Belastung der Frauen durch finanzielle Benachteiligungen etc.
Es ist schrecklich. Ich kann nicht verstehen, wie sehr Frauen, besonders wenn Kinder involviert sind, bereit sind, jahrelang durch eine Ehe-Hölle zu gehen.
Meine Ex-Frau und ich hatten nie Streit, selbst unsere Trennung verlief erstaunlich harmonisch. Wir hatten eine gemeinsame Anwältin. Und nach dem Scheidungsurteil sind wir noch gemeinsam frühstücken gegangen.
Wir hatten ein Haus finanziert und dieses mit Gewinn verkauft. Und obwohl ich die Finanzierung allein gestemmt habe, hat meine Ex-Frau selbstverständlich die Hälfte vom Gewinn bekommen. Wie hätte ich auch sonst einkalkulieren können, dass sie für ein Heim gesorgt hat und mir trotz eigener Belastung immer den Rück freigehalten hat? Wir standen auch selbstverständlich gemeinsam im Grundbruch. Diese, wie ich jetzt gelernt habe, nicht selbstverständliche Fairness kennen viele Frauen scheinbar gar nicht.
Und dann traf ich eine Frau, deren Worte mir bis heute in den Ohren hängen geblieben sind: „Wir (Frauen) haben alle unsere Leben gelebt und alle unsere Erfahrungen gemacht, mal besser, mal schlechter. Und heute, da wir endlich auf eigenen Beinen stehen, holen wir uns keinen (O-Ton) Typen mehr auf die Bude.“
Ist es das? Kann ich damit rechnen, dass 99 % der Frauen mit einem Misstrauensvorsprung in eine mögliche Beziehung gehen?
Sind alle Frauen so?
Haben alle Frauen ausnahmslos schlechte Erfahrungen mit ihren Ex-Partnern gesammelt?
Sind alle Frauen erst mal komplett misstrauisch?
Was denkt ihr? Und wie kann ich lernen, damit umzugehen? Ich will ehrlich sein, ich verliere langsam die Geduld und die Freude daran. Sollte ich das Daten ganz aufgeben?