laerke_27098577

Ganz sicher hast Du recht, dass die "sittliche Norm" in der Gesellschaft, die wir vorfinden, nicht existiert. Mein Beispiel war daher lediglich eine Vereinfachung und ein plakatives Exempel für eine normative Möglichkeit von vielen, die aber in der heutigen Mehrheitsgesellschaft nicht mehr das gleiche Maß an moralischer Verachtung erzeugen würde (sondern allenfalls so eine Art von Sensationsvoyeurismus der Klatschpresse, gemischt mit einer Portion Neid) wie im Viktorianismus. Dass übrigens in der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts die gesellschaftliche Realität eine völlig andere war als in dem Roman exemplifiziert, steht ohnehin fest.


Interessant ist vielmehr das Spannungsverhältnis zwischen der gesellschaftlichen Realität (den vielen Hurenhäusern im London des 19. Jahrhunderts) und dem doch damaligen konventionell erzwungenen gesellschaftlichen Selbstverständnis (welches natürlich von bestimmten Bohémiens immer wieder durchbrochen wurde - aber mit welcher Schmach musste ein so bedeutender Dichter wie Oscar Wilde wegen seiner Homosexualität enden).


Ich gehe mal davon aus, dass Du das Exemplarische zur Darstellung eines krassen Gegensatzes durchaus gesehen hast, aber da Du ja gerne alle möglichen Details sezierst, auch mal gerne übersiehst. Da ist die Gefahr groß, dass die für das menschliche Verstehen so notwendige Darstellung von Idealtypischem an den Rand gedrängt wird (weil alles Idealtypische eben niemals im Detail "real" sein kann). Es löst sich alles nur noch in unendliche Details auf.


Mir ging es - jetzt ohne Beispiel darum -, dass unsere Vorstellungen von Sexualität immer nur eine gesellschaftliche Konstruktion sind. Dass es da irgendein biologisches Fundament geben mag, meinetwegen. Nur davon verstehe ich am wenigsten. Was weibliche Sexualität ist, verstehe ich noch weniger (manchmal glaube ich nicht einmal, dass es sie gibt).

    zauderer22

    Korrektur des letzten Satzes: "Manchmal glaube ich nicht einmal, dass es sie in einer für einen Mann überhaupt nur annähernd verständlichen Weise gibt" (bzw. dass sie etwas so völlig anderes ist als das, was ich mir als Mann überhaupt vorstellen kann, während erstaunlicherweise Frauen zu verstehen behaupten, was Männer so empfinden).

      zauderer22

      > Ich gehe mal davon aus, dass Du das Exemplarische zur Darstellung eines krassen Gegensatzes durchaus gesehen hast, aber da Du ja gerne alle möglichen Details sezierst, auch mal gerne übersiehst. Da ist die Gefahr groß, dass die für das menschliche Verstehen so notwendige Darstellung von Idealtypischem an den Rand gedrängt wird (weil alles Idealtypische eben niemals im Detail "real" sein kann). Es löst sich alles nur noch in unendliche Details auf.


      Beim Sezieren gibt es noch eine andere Gefahr: Man sieht die einzelnen Teile. Aber da man zerlegt hat, sieht man ihre Summe nicht. Ich denke grade an die Ideen des Kernphysikers Hans Peter Dürr.


      Mir geht es nicht darum, das Entwickeln von Vorstellungen von Idealtypen zu kritisieren. Vorstellungen von Idealtypen sind Voraussetzung für Begriffsbildung. Begriffsbildung und damit die Möglichkeit, Vorstellungen von Gegenständen der Erkenntnis zu bewirken/hervorzurufen, ist Voraussetzung für menschliche Kommunikation. Eine Vorgehensweise beim Erklären von Sachverhalten und Zusammenhängen besteht darin, von einem Idealtypus auszugehen, der sich mithilfe weniger Worte gut vorstellen lässt, und dann die Abweichungen von diesem Ausgangspunkt (die Ausnahmen von der Regel/die Besonderheiten/die Feinheiten/die Sonderfälle/die individuellen Ausprägungen...) abzuhandeln.


      Mir ging es darum, dass in unseren Medien zB im Bereich der Sexualiät Vorstellungen von Idealtsypen hervorgerufen werden, verbunden mit dem Zweck der Suggestion, diese Vorstellungen gäben den Mainstream wieder. Diese Suggestion hat mitunter fatale Auswirkungen auf Menschen, die aufgrund dieser nicht den Tatsachen entsprechenden suggerierten Vorstellungen vom Mainstream in den Glauben verfallen, mit dem Mainstream nicht mehr zu harmonieren.


      > Mir ging es - jetzt ohne Beispiel darum -, dass unsere Vorstellungen von Sexualität immer nur eine gesellschaftliche Konstruktion sind. Dass es da irgendein biologisches Fundament geben mag, meinetwegen. Nur davon verstehe ich am wenigsten.


      Die Vorstellungen von Sexualität werden mitgeprägt von der Art und Weise, wie die Gesellschaft, in die man eingebettet ist, Sexualität handhabt. Ich bezweifle aber, dass die in den Medien bezüglich Sexualität suggerierten Vorstellungen vom gesellschaftlichem Usus und beim Mainstream angeblich vorherrschenden Einstellungen und Sichtweisen und Gepflogenheiten den Tatsachen entsprechen. Schon deshalb, weil ich statt einer einheitlichen Gesellschaft eine Mischung aus vielen Parallelgesellschaften sehe, die in vielem keinen gemeinsamen Nenner haben, der tatsächlich einen echten "Mainstream" darstellen könnte.


      > Was weibliche Sexualität ist, verstehe ich noch weniger (manchmal glaube ich nicht einmal, dass es sie gibt).
      > Korrektur des letzten Satzes: "Manchmal glaube ich nicht einmal, dass es sie in einer für einen Mann überhaupt nur annähernd verständlichen Weise gibt" (bzw. dass sie etwas so völlig anderes ist als das, was ich mir als Mann überhaupt vorstellen kann, während erstaunlicherweise Frauen zu verstehen behaupten, was Männer so empfinden).


      Inwieweit kann einer überhaupt wissen was ein anderer empfindet? Ich weiss, es haben sich berufenere Geister als ich Gedanken dazu gemacht. Und dabei auch viel über Begriffe wie "Empathie" gestritten. In Dschuang Dsis Wahrem Buch vom Südlichen Blütenland gibt es zB einen Text "Die Freude der Fische" mit der Quintessenz, dass Dschuang Dsi die Freude der Fische aus seiner eigenen Freude beim Wandern am Fluss erkennt.


      Gibt es überhaupt "Weibliche Sexualität" zB als etwas von "Männlicher Sexualität" klar Abgrenzbares? Wir Frauen -- man könnte jetzt darüber streiten, wer alles zu "uns Frauen" dazugehört -- sind uns ja nicht mal untereinander darüber einig, wie der Begriff "Weiblichkeit" klarzulegen ist. Wie soll man von jemandem ernsthaft verlangen, "weibliche Sexualität" klarzulegen und/oder zu verstehen? Unter welchen Voraussetzungen wäre eine diesbezügliche Klarlegung für "Verständnis" hinreichend? Wäre dazu zB das Vermitteln "objektiver Wahrheiten" notwendig? Welche Formen von Gewissheit über die Richtigkeit wären mit dem Wissen über den Begriff "weibliche Sexualität" zu verknüpfen? Apodiktische Gewissheit? Glaubensgewissheit? Andere Formen der Gewissheit? Ich habe "Klarlegen" geschrieben, denn man müsste sich auch erst überlegen, um was für eine Art von Begriff es sich handelt und welche Klarlegungsmethoden (zB Explizieren, Exponieren, Deklarieren, Definieren) und damit einhergehend welche Formen der Gewissheit über das Verständnis überhaupt möglich sind und welche Merkmale (zB Präzision oder Wahrheit oder Richtigkeit oder Gültigkeit) die Klarlegungen überhaupt aufweisen können.


      Meiner Auffassung nach ist zB "Weibliche Sexualität" wegen des darin enthaltenen "weiblich" allenfalls explizierbar, was wiederum keine Garantie für die Möglichkeit apodiktischer Gewissheit darstellt. Wenn das stimmt, dann könnte es genau diesem Umstand des "Allenfalls-Explizierbar-Seins" geschuldet sein, dass viele Leute (irrtümlich) in dem Gefühl leben, diesen Begriff nicht hinreichend verstanden zu haben. Frei nach Loriots Frühstücks-Ei-Sketch: Mit deren Gefühl stimmt was nicht. Weil sie in ihren Annahmen darüber, an welche Form von Gewissheit über die Richtigkeit ein richtiges Verständnis für "Weibliche Sexualität" --Gibts da überhaupt ein "objektiv richtiges" Verständnis?-- geknüpft sein müsse, von nicht erfüllbaren Voraussetzungen ausgehen.


      Manche quälen sich mit dem Gefühl herum, etwas nicht zu verstehen. Eine Teilmenge dieser sich Quälenden versucht dem abzuhelfen, indem sie sich (und andere) damit quält, die beim Versuch, Verständnis zu erlangen, verwendeten Begriffe zu sezieren. Das macht zwar Spaß, läuft aber am Ende doch immer auf Sokrates hinaus, der da sagte "Ich weiss, dass ich nichts weiss".


      Es gibt Studien, die belegen, dass man unabhängig vom Geschlecht zB über Hormone regulieren kann, inwieweit bei einem Menschen die Amygdala die Entscheidungsbildung beeinflusst, also regulieren kann, ob dieser Mensch Entscheidungen eher rational oder eher emotional trifft. Aspekte, die häufig dem Männlichen bzw dem Weiblichen zugeschrieben werden.
      Wenn dies zB an Hormonspiegel geknüpft ist, könnte vielleicht schon deshalb nicht klar abgegrenzt werden, weil durch Regulation von Hormonpegeln "fliessende Übergänge" bewirkt werden können.


      Es gibt mindestens so viele Arten zu leben, wie es Lebewesen gibt. Nicht alle kann man verstehen. Ich halte es im Grunde genommen für unnötig, sich damit zu plagen, abstrakte "idealtypische" Konstrukte wie "weibliche Sexualität", über deren Verständnis keine Einigkeit vorliegt, in allen Aspekten verstehen zu wollen. Verständnis für die Sexualität derjenigen, mit denen man Sexualität lebt, ist eine gute Sache. Auch der Versuch, ausgehend von idealtypischen Konstrukten wie "Weibliche Sexualität" oder "Männliche Sexualität" Besonderheiten in der individuellen Ausprägung oder Abweichungen oder dergleichen zu erfassen, kann da weiterhelfen. Aber ich glaube nicht, dass die Gewissheit über die Richtigkeit des Verständnisses für diese Idealtypen eine apodiktische sein kann.

      lauras1999

      Ihr habt sie nicht bemerkt, weil sie die Kinder nicht drauf aufmerksam machen wollen :shy:

      Sex im Freien ist nicht der Untergang der Zivilisation. Frag Goethe und seine Charlotte... Und hier in Deutschland sowieso nicht, da es das halbe Jahr zu kalt ist. Ein bisschen südlicher beispielsweise wird das mehr genossen...


      Wir wandern gern, und beim Zelten am Lagerfeuer kommt das gelegentlich mal vor. Unter dem Sternenhimmel, das knisternde und wärmende Feuer... Romantik kann sehr verführerisch sein. Und einmal lagen wir bei Mondlicht noch am warmen Seeufer, ach war das eine schöne Nacht. Nach dem Paarsport nochmal schön baden gehen...

      Erwischt zu werden soll ja für die einen oder anderen auch einen gewissen Reiz bedeuten.

      Wir sind drmächat auf mallorca und wolle mal abends am strand etwas spaß haben.bin schon gespannt wollen erst msl mit fingern unterm kleid anfangen und wenn wir uns mehr trauen einen blowjob und mal gucken was dann noch so kommt

        Sex am Strand wird mE massiv überberwertet. Spätestens wenn Sannd im Getriebe ist, versteht ihr, was ich meine 🤣
        Ein Blowjob geht aber natürlich immer.

        22stefan

        Am Strand empfehle ich eine große Decke als Unterlage. Oder im Stehen. Aber nicht direkt im Sand oder auf den pieksigen Kieselsteinchen wälzen.

        Outdoor Sex ist eine tolle Bereicherung, gerne versteckt im Wald oder abseits am See 😁 erwischt werden muss ich jetzt nicht, darauf achte ich dann schon.

          22stefan

          Klingt nach einem soliden Plan!
          nur keinen Sand in das Getriebe kommen lassen ...

          wir mögen es auch sehr draußen sex machen! muss auch nicht immer sapontan sein weil so mit Ameisen oder Zekcen finde ich nicht so gemütlich! Eine Decke hilft wunder! Haben wir am Wochenende gemacht: mit dem Fahrrad ins grüne und dann schönes Plätzchen gesucht (ohne Zuschauer!!!) dann gabs Picnic und mich zum Nachtisch!

            @lovely: Ja Dreier hatten wir auch schon mal draußen. mit unserem Hausfreund. war aber etwas schwieriger für sandwich ist ein bett doch besser. also das ging nicht,sondern abwechselnd und blasen. ist schon etwas her und ich hatte nachher ziemlich sonnenbrand!

            danska

            Ohja, das stimmt, habe mal beim Blasen eine Zecke am Penis entdeckt. Nicht sehr appetittlich 🤣

            Der Reiz des Verbotenen erhöht die Libido ähnlich wie der Reiz, an bekannt geduldeten Plätzen andere zu animieren.

            Ich liebe es draußen und würde dies auch schon als kleinen Fetisch ansehen.
            Der Reiz an gewagten Orten, die sich doch schon recht häufig bieten.
            Aber nicht nur im Sommer;-)

            Also die Lust auf Outdoorsex ist schon da. Habe ich bzw. wir früher auch schon mal gemacht - Punkt ist halt dass halt das heute an jeder ein Handy lauert und seien wir ehrlich - man will sich doch i.d.R. nicht auf einer dubiosen Seite im Netz wiederfinden. Außerdem sind viele Plätze wo früher mal was ging (z.B. Baggersee) mittlerweile so voll das es weder Spaß macht und auch teilweise unangemessen ist weil halt z.B. Familen dort unterwegs sind. Ist vielleicht nicht ganz Outdoor aber im Auto kann es halt auch ganz nett sein