Das schwache Gemächt


Unsicher, ängstlich, desorientiert: Der deutsche Mann trägt schwer an der sozialen und wirtschaftlichen Lage. Für Frauenmagazine ein Grund zur Freude: Sie inszenieren seine Misere als Chance.


Der deutsche Mann steckt in der Krise, daran konnten auch teutonischer WM-Taumel und stramme Fußballerwaden nichts ändern. Mag die Klinsmann-Elf das Land mit Zuversicht befeuert haben, den XY-Chromosomenträger aus seiner sozialen, kulturellen und psychologischen Misere befreit hat sie nicht. Männer begehen immer noch dreimal so oft Selbstmord wie Frauen, stellen den Großteil an Obdachlosen, Alkohol- und Drogenabhängigen und sterben im Schnitt sechs Jahre früher.


Die Lage spitzt sich zu, die Gründe liegen auf der Hand: Aus dem Schwitzkasten veränderter Arbeitsbedingungen kann sich der traditionelle Mann weder mit Muskelkraft noch mit Stoizismus befreien. Beim Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft sind Kommunikationstalent und Teamgeist gefragt; Integration statt Aggression ist die Devise im flexiblen Kapitalismus. Die so genannten soft skills, also Sozialkompetenz, sind nicht mehr nur Schlagwort schwammiger Zeitgeistdebatten, sondern ein konkreter Mehrwert, den vorzugsweise Frauen anzubieten haben.


Natürlich ist der "alte" Mann nicht abserviert, im Gegenteil: Der Sportschaugucker und Biertrinker, Muskelpumper und Wenig-Worte-Macher geistert weiter durchs mentale Terrain des Landes und hat sich vor allem in Frauenzeitschriften als gut sichtbare Klischeeformation abgelagert, vor dem die popkulturelle Phantasie ihre metro-, omni- und ultrasexuellen Utopien ins Szene setzen kann.


Die Ontologie des Mannes zu klären gehört zu den ersten Pflichten des Frauenmagazins; immer wieder wird sein Mythos enthüllt, sein Geheimnis gelüftet, sein Nimbus aufgelöst. In Erscheinung tritt dann meist ein Wesen, das mit der passenden emotionalen Bedienungsanleitung begriffen und in den Bereich sozialer Verträglichkeit gesteuert werden kann.


Pechvogel als Glücksbringer


Der zwischen Macho-Autorität und Softie-Solidarität hin und her geworfene Mann, wie er aktuell in der gut gebildeten Mittelschicht anzutreffen ist, entspricht dabei ziemlich genau jener Figur, die Blätter wie "Glamour", "Cosmopolitan" oder "Petra" als Hoffnungsträger für die Frau entwerfen. Ganz derangierter Sinn- und Selbstsucher, der mit wirtschaftlichen und kulturellen Umbrüchen zurechtkommen muss, ist er der vom eigenen Rollenklischee gegängelte Pechvogel, von dem man immer gewünscht hat, dass er sich im machistischen Glücksjäger verbirgt.


Wenn zum Beispiel "Cosmopolitan" in seinem aktuellen Special "Mythos Mann" erklärt, Männer stünden nicht auf einen bestimmten Typ und könnten keinesfalls Sex und Gefühle trennen, dann ist das narzisstische Raubtier mit Freiheitsdrang und Vorliebe für eine bestimmte Sorte Fleisch durch den flexiblen Pragmatiker ersetzt. Tatsächlich ahnt der "neue" Mann, dass er die hedonistischen Spiele der Eroberung womöglich nicht mehr lange wird finanzieren können - weder emotional noch pekuniär. Libido-Konzentration statt Vielheits-Option lautet deshalb die Devise. Und ist erotisches Multitasking passé, wird auch die Leib-Seele-Spaltung überflüssig; gefühlsmäßige Verhärtungen ergaben in Macho-Land nur einen Sinn, weil ihr körperliche vorausgingen.


Auch "Glamour" entdeckt den Bedenken- im Spendierhosenträger. Männer, so freut sich das Magazin, mögen Sex im Dunkeln, fürchten, dass die Partnerin fremdgeht, wollen doch nicht immer Sex und kommen auch nicht jedes Mal. Kein Wunder: Wer in immer kurzfristigeren Arbeitsverhältnissen immer mehr Instabilität aushalten und sich immer öfter fortbilden und beweisen muss, hat wenig Zeit für die körperliche Mobilmachung. Die Angst vor Verknappung emotionaler Ressourcen wächst entsprechend; Entladung wird als Verausgabung umgewertet. Starkes Geschlecht und schwaches Gemächt schließen sich nicht mehr aus.


Modell-Mann mit Schwächen


"Woman" sekundiert unter dem Titel "Elf Wahrheiten über Männer und Sex" mit Einsichten wie jener, dass Männer gern ihre schlafende Geliebte betrachten, sich im Zweifelsfall für eine Frau mit Köpfchen entscheiden und gekränkt sind, wenn eine Frau nur Sex will. So spricht der neue Mann, der sich, wie Männer-Forscher Paul Zulehner erklärt, nicht davor scheut "in Kontakt mit seiner Innenwelt zu treten". Und dem schwant, dass vielleicht seine Frau bald als Ernährerin fungiert, während er Bewerbungen ins Blaue schreibt.


Dass Frauen, die nur Sex wollen, suspekt sind, ist übrigens nur die Kehrseite jener Medaille, auf der männliche Dauergeilheit geschrieben steht. Sie zu verurteilen haben vor allem die Söhne allein erziehender Mütter gelernt, die - so eine Studie des Männerforschers Sven Kluth - oft ein negatives Männerbild eingeimpft bekommen und als so verständnisvolle wie bedürfnislose Ersatzpartner herhalten müssen.


Der vaterlose Problemmann hat den Mann mit Vaterschaftsproblemen im Schlepptau. "Petra" stellt deshalb die programmatische Frage "Wollen Männer Kinder?" und beantwortet sie mit einer Reihe Mut machender Fakten: 21 Prozent der Männer sind nur kinderlos, weil sie keine feste Partnerin haben; 70 Prozent der Väter empfinden ihr Leben mit Kindern als glücklicher; 39 Prozent der Stiefväter wollen ein gemeinsames Kind mit der Mutter. Dass sich die postadoleszente Phase zunehmend verlängert, Männer immer später von zu Hause ausziehen und überhaupt das Patriarchat immer weniger attraktiv ist, weil es zuviel Verantwortung und zu wenig Abwechslung bietet, diese Tatsachen sind damit noch lange nicht aus der Welt. Aber auch hier ist der Mann nur die bessere Hälfte des Problems: Letztlich sind es die Frauen, die die veränderte Männerolle torpedieren, erklärt Walter Hollstein, Professor am Institut für Generationenforschung in Bremen, in "Petra". "Für sie ist der traditionelle, gut verdienende Mann mit hohem Prestige einfach attraktiver als einer, der gut spült."


Deshalb ist diese Männerkunde so wichtig: Sie ist das avantgardistische Korrektiv, das letztlich nur die Geschlechter-Images dem status quo anpasst. Wenn sich Frauenzeitschriften eine neue Virilität ausmalen, entdecken sie eigentlich nur die Wirklichkeit: einen Mann, angestrengt auf der Suche nach einem Platz in der neuen, verunsichernd flexiblen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.


Der Mann steckt in der Krise - na und? Sein Stressbewältigungs-Outfit - Selbstkritik, sexuelle Zurückhaltung, gesteigerte Emotionalität -, passt wie maßgeschneidert zur Wunsch-Anthropologie der Frauenmagazine.


Von Daniel Haas (Spiegel.de vom 19.07.2006)
**************************************************-*******************************

Zusatz
mir fällt da noch was ein, was ich tatsächlich mal in einer young miss/lady/girlie o.ä. (im arzt-wartezimmer) gelesen habe. es ging um tips, wie frau die "guten" von den "schlechten" aussortiert. einer der tips besagte, dass frau sofort den mann abschiessen sollte, wenn dieser beim ersten date anbietet (bzw. verlangt), die rechnung zu begleichen. das wäre ein indiz für einen unemanzipierten mann! seitdem lass ich mich immer einladen.. :fou:

    heng_12350867

    Go Go Gofella
    Hallo Gofella,


    ja ein wirklich interessanter Bericht. Naja für meinen Geschmack hat der gute Autor mal wieder tief tief tief in die Fremdwörterkiste gegriffen.

      paul_12124603

      Fortsetzung
      Leichte Gemüter würden ihn, ohne auf den Kern der Aussage zu achten, somit einfach als dämlichen Schwätzer bezeichnen.


      Die PR für den Bericht ist hierdurch wirklich schlecht.


      Ist auch son Ding was mir heute tierisch auf den Geist geht.


      Es began mit Cerialien und endete mit : nicht wirklich!


      Ich möchte hierzu nur eines sagen. Für mich ist es einfach immer wieder belustigend zu sehen, wie 25 jährige Hupfdohlen nen riesen Hals aufmachen weil sie plötzlich aus der Sklaverei befreit wurden.


      Für mich sind diese Schnepfen alles Trittbrettfahrerinnen. Einfach nur irgendwelche dummen Gören, die ohne etwas für die Emanzipation zu tun, einfach auf der Welle mitschwimmen und für sich alles beanspruchen.


      Besonders interessant finde ich dann immer wie schnell man sie auf den Boden der Tatsachen zurückholen kann, wenn man ihnen zu verstehen gibt, das dieses ganze geklaute Halbwissen für die Tonne ist.

        paul_12124603

        Fortsetzung 2
        Und schon befinden wir uns wieder in einer


        Ich will das aber
        Warum Darum
        Wir können mehreres gleichzeitig
        bla bla bla geschwaffel


        Kann mir hier bitte einer mal nen Grund geben warum man sich mit solchen Menschen überhaupt noch unterhalten soll?


        Da treffe ich mich lieber mit normalen Leuten die Familien gründen und aus meiner sicht auch Erwachsen sind.


        Das geht sogar soweit, das Frauen weit in die 40 so reagieren. Mein Mann ist ein ... ich geh jetzt. Genial finde ich auch immer wie das so von jetzt auf gleich kommt.

          paul_12124603

          Fortsetzung 3
          Dreißt hingegen finde ich dann den Versuch um Vergebung zu bitten. Da muß ich dann wirklich sagen, wer mit den Gefühlen (ja Männer haben gefühle) gleich mehrere Menschen pokert, der muß auch mal damit Rechnen, das es nach hinten losgeht.


          Frauen die meine Meinungen lesen und mich manchmal ansprechen, fragen immer.....darf ich das jetzt sagen? Oder manchmal sagen sie: Nach dem was Du schreibst traue ich mich garnichts mehr zu sagen.


          Tja vielleicht haben sie geglaubt, alle Männer würden sich jetzt wie der Typus im Artikel hinsetzen und heulend nach der Mami rufen....


          Sry aber von einer wohl behüteten Hupfdohle die nur bei Mami und Papi gelebt hat und jeden Tag Zückerchen im Arsch geblasen bekamm, da hab ich überhaupt keine Angst.


          Nein vielmehr beobachte ich gerne wie weit sie gehen und welche Dreistigkeit als nächstes kommt. Es ist faszinierend. Ohne jeglichen Gedanken darüber zu verschwenden, ob das was gerade zestört wurde eine langjährige Freundschaft, die Lebensgrundlage eines Menschen oder sonst was war, werde Intriegen gesponnen.


          Vor einigen Jahren hatte ich mal eine kurze Begegnung mit einem solchen Individuum. Wir waren damals auf der weiterführenden Schule in einer Klasse. Sie mußte die Klasse wiederholen.

            paul_12124603

            Tja der Witz ist
            Ich kann hier nicht nur immer in Posten wenn ich den Text in Stücke Schneide.


            Deshalb gibts keine Fortsetzung. Das Problem sind zwei Fehlermeldungen.


            Die erste kennt jeder: Zuviele Einträge hintereinander.


            Die Zweite lautet


            ERROR :-D ohne jeglichen Hinweis.


            Naja wer sich jetzt vielleicht schon auf ne Story gefreut hat, schade gibts leider nicht.


            Grüße


            Schwarz

              Fremdwörter im Text
              Ja, finde die Fremdwörter im Text auch kontraproduktiv - deshalb mal ne kurze Erläuterungsliste ((c) Langenscheidt) mit den weniger geläufigen Begriffen für alle nicht-Germanistik-Studenten ;)



              Stoizismus - unerschütterlicher Gleichmut, große Ruhe


              Ontologie - Lehre vom Sein, vom Wesen und den Eigenschaften des Seienden


              Nimbus - Hervorragender Ruf, Ruhm, Ansehen


              hedonistisch - auf Genuss und Lustgewinn gerichtet


              pekuniär - das Geld betreffend, geldlich, finanziell


              postadoleszent Phase nach Heranwachsen


              Patriarchat - Gesellschaftsform, in der der Mann eine Vorherrschaft gegenüber der Frau einnimmt


              Virilität - männliche Zeugungskraft, Manneskraft


              Anthropologie - Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklungsgeschichte

              paul_12124603

              Hmm..
              welche(r) browser/version?


              die errors bei den PN sind ja bekannt aber aber bei ganz normalen posts...?

              paul_12124603

              I-Explorer
              Einfach ne Seite und oben links steht dick


              ERROR


              so ungefair in der Punktgröße wie Error 404 Seite konnte...bla blub.


              Grüße


              Schwarz

              Ich hab jetzt
              nicht alles gelesen, aber ich weiß eines ganz genau: Die Frauen sind schuld!!!! *lach*


              Tekky

                paul_12124603

                Hättest dich ruhig trauen können,schwarz34!
                dass man dich immer fragt "darf ich das jetzt sagen?" und dass du eine weiterführende schule besucht hast,hättest du dem forum auch direkt mitteilen dürfen ohne dafür gofellas thread mit sechs sinnfreien fortsetzungen zuzutexten.

                  rina_12827934

                  Wie
                  bereits erwähnt, hätte ich gerne einen zusammenhängenden Text geschrieben, dies lies das Forum nicht zu.


                  Deíne Anspielungen kannst behalten, die passen einfach nicht zu meinem Hemd.


                  Grüße


                  Schwarz

                  nicol_12890212

                  Ps:
                  es geht hier um das bild, das durch die medien hervorgerufen und/oder unterstützt wird. es geht nicht um einen angriff gegen das weibliche geschlecht - auch wenn das einige muschiflüsterer gerne als profilierungsgelegenheit nutzen würden, um ihre geschlechtsgenossen zum frustrierten homo sapiens abzustempeln.


                  habe hier im forum nun oft genug betont, dass jeder mensch ein individuum ist und ein pauschalurteil weder über das eine noch das andere geschlecht sinn macht.


                  wenn nun tatsächlich nicht nur die kritik an einzelnen gruppen/ansichten, sondern auch allgemein dem femininem journalismus gegenüber als schwäche ausgelegt wird - dann gute nacht & viel spass beim mitschwimmen im trend.


                  lesen,nachdenken,schreiben - bitte in dieser reihenfolge.


                  & jetzt lach weiter..

                    Mich interessierts
                    weil ich z.b. dadurch erfahre, woher das verfälschte bild von "dem mann" entsteht, worunter viele dann letztendlich "leiden" - denn es lässt sich ja nicht von der hand weisen, dass viele (insbesondere junge) männer auf der suche nach einer eigenen identität sind. hilft ja letztendlich auch den frauen, manche handlungsweise zu verstehen.


                    ignorance is bliss - damit kann ich leben (keiner ist gezwunden, irgendwas zu lesen) - was ich nicht mag sind unpassende kommentare zu nicht gelesenen texten "auf verdacht".

                    Ist doch
                    schon mal ein ansatz, das "geschriebene wort" zu hinterfragen ;)


                    ob das jedoch auch die "miss young leserschaft" tut - das ist die andere frage..

                    heng_12350867

                    Pps:
                    wenn du's anders gemeint hast wie ich's jetzt interpretiert habe, dann entschuldige ich mich natürlich für meinen "frontalangriff"!


                    ansonsten: "kreuz die klingen, d'artagnan!" :)