mascha11> Ich kann nicht verstehen, warum wir Waffen, Munition
> und Panzer zur ukrainischen Armee liefern. Was haben
> die Politiker nur für Berater in ihrem Ministerium?
Um die Abgründe hinter solchen Entscheidungen zu durchschauen, ist es oft hilfreich, sich zu überlegen, wem es dient bzw welchen Interessen es nützt und bei welchen Entscheidungsträger/inne/n bzw bei wem von denen, die auf Entscheidungsträger/innen Druck ausüben können, von wem welche Knöpfchen der menschlichen Natur gedrückt worden sind.
Es gibt auf der Welt etliche, die eine neue Ära einläuten wollen (und das teilweise auch laut verkündet haben). Mindestes einer von ihnen ist schon lange dabei, auf der wirtschaftlichen Schiene große Teile der Welt einzusacken und könnte, wenn NATO und Russland einander immer mehr in die wirtschaftliche Rezession treiben, der lachende Dritte sein.
Ich skizziere mal recht plakativ und bis zur Polemik vereinfacht, welches Bild sich vor meinem inneren Auge zusammensetzt - mehr als zehn Minuten kann ich mir im Moment nicht dafür nehmen, denn danach muss ich zu einem Meeting und da einen netten Vortrag halten:
Die weltweiten Schulden sind so hoch wie noch nie. Die führenden Notenbanken der Industrieländer haben so viel frisches Geld gedruckt wie meines Wissens seit dem Börsencrash im Oktober 1929 und der darauf folgenden Weltwirtschaftskrise bis 1933 nicht mehr. Und damit Schecks auf einen zukünftigen wirtschaftlichen Aufschwug gezogen, die alles andere als gedeckt sind. Und damit Damoklesschwerter über den Genicken aller von der Weltwirtschaft Abhängigen aufgehängt, die immer schwerer werden während die dünnen Fäden, an denen sie hängen, immer mehr verrotten.
Wie kam es zu diesen hohen Schulden?
Seit den 1980er Jahren fährt man in Europa die Strategie, die reichen Unternehmen und Konzerne, die die Wirtschaft am Laufen halten, steuerlich zu entlasten. Damit sie mehr investieren und die Wirtschaft besser am laufen halten können, auf dass das Wirtschaftswachstum steige. Das hat auch funktioniert. Die Wirtschaft ist gewachsen. Aber die Armen und der Mittelstand hatten dabei nur sehr schlechte Möglichkeiten, auch zu Kapital zu kommen. Die Schere zwischen Arm (Leuten mit wenig Kapital bzw vielen Schulden) und Reich (Leuten mit viel Kapital) ist trotz Wirtschaftswachstum immer größer geworden. Es gibt immer mehr Arme und immer weniger unso reichere Reiche.
Damit eine Wirtschaft wachsen kann, muss aber das Volk, die breite Masse, Produkte kaufen können. Stichwort "Kaufkraft der Massen". Die Löhne der kleinen Leute sind aber nicht in dem Maße gestiegen wie sie hätten steigen müssen, damit auch der kleine Mann unbeschwert einkaufen und zB als Kleinaktionär auftreten kann und auch Geld hat, das er bei einer Bank anlegen kann. Also hat man die kleinen Leute, den Mittelstand, künstlich kaufkräftig gemacht. Durch Kredite. Die weltweiten Schulden sind derzeit bei 297 Billionen Dollar, das entspricht 353 Prozent der globalen Wirtschaftskraft.
Seit den 1980er Jahren konzentriert sich das durch Gewinne aus Investitionen eingenommmene Geld bzw Kapital bei einer kleinen/immer kleiner werdenden Gruppe an reichen/immer reicher werdenden Investoren, die das durch Gewinne aus Investitionen eingenommmene Geld bzw Kapital wieder gewinnmaximierend in neue Investitionen stecken. Gewinnmaximierend heisst, dass diese Leute das eingenommene Geld bzw Kapital in Dinge investieren, mit denen sie für sich gewinnbringende Geschäfte machen können. Geschäfte mit wem? Mit den kleinen Leuten. Das klappt aber nur, wenn die kleinen Leute auch Geld haben. Die Löhne der kleinen Leute sind aber nicht in dem Maße gestiegen. Also gab man Kredite. Durch Kredite hat man die Nachfrage durch die Massen ermöglicht. Hat man den Massen ermöglicht Geschäfte zu tätigen. Und zwar die ihnen angebotenen Geschäfte, die für die Investoren gewinnbringend waren.
Auf diese Weise lief die Wirtschaft. Aber auf eine Weise, bei der sich das Kapital aus den gewinnbringenden Geschäften bei einigen wenigen angesammelt hat, während sich bei vielen anderen Schulden angesammelt haben. Das Wirtschaftswachstum ist gekoppelt an ein stärkeres Anwachsen des Kapitals bei einigen wenigen und der Schulden bei sehr vielen.
2007 lief das Schuldenfass über. Die Immobilienmärkte (und nicht nur die) brachen ein. Es kam zu einer Finanzkrise, die bis 2009 dauerte und das weltweite Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Wie wurde mit der Problematik umgegangen? Den Leuten noch mehr Schulden ermöglichen. Wie? Die Notenbanken in fast allen Industriestaaten haben zwei Dinge getan: Erstens: Die Zinsen auf Null oder fast auf Null runtergesetzt. Zweitens: Die Gelddruckmaschinerie angeworfen. Mehr Geld, indem man mehr Papier bedruckt und zur wertvollen Banknote erklärt. Zum Beispiel die amerikanische Zentralbank Fed hat die Zentralbankgeldmenge seit 2007 grob verelffacht, die Europäische Zentralbank EZB hat sie etwa verneunfacht.
Was für einen Salat haben wir also jetzt? Erstens: Schuldenberge, die sich nicht abtragen lassen. Zweitens: Einen riesen Haufen in die Welt geworfenes Geld, das nichts wert ist. Drittens: Stagnation - Kapital wurde in Produktionskapazitäten investiert, die nichts mehr einbringen, weil erstens die Leute zu verschuldet sind um noch nennenswerte Geschäfte machen zu können - durch Verschuldung entsteht keine Massenkaufkraft und verschuldetem Mittelstand leiht auch keiner auf eine Weise Kapital, bei der der verschuldete Mittelstand viel verdient und Schulden wieder los wird -, und zweitens ein Überangebot besteht, weil in der Annahme, damit mehr Profit machen zu können, auf der Welt immer mehr Produktionsstätten aufgebaut worden sind.
Auf welche Ideen kommen die Wirtschaftsmachtblöcke dieser Welt anbetrachts dieser Situation?
USA:
Für die USA ist Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, wirtschaftlich ein Konkurrent.
Die Bundesrepublik war im Jahr 2021 nach den USA, China und Japan immer noch die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Technik, Produktion, Produktivität, Effizienz sind (nicht unbedingt absolut, aber) _im_ _internationalen_ _Vergleich_ ausgezeichnet. Aber wenn die Wirtschaftslage schlecht ist, mag man Konkurrenz umso weniger, denn Konkurrenten sind dann keine netten Kollegen mehr, die einem halt das Leben interessant machen und das Geschäft beleben, sondern es sind Rivalen/Gegner.
Deutschland hat außerdem seit der Wiedervereinigung deutlich mehr Einwohner als Frankreich, Großbritannien oder Italien und damit ein größeres Potential, sich machtpolitisch geltend zu machen als diese Länder. Weder ein starkes Europa noch ein starkes Deutschland sind unter machtpolitischen Aspekten im Interesse der USA. Sie sind unangenehme Konkurrenten. Den USA könnte also durchaus daran gelegen sein, dass der Ukraine-Konflikt Wendungen nimmt, die zur Schwächung insbesondere Mitteleuropas und Deutschlands führen.
Russische Truppenbewegungen hinein nach Mitteleuropa und militärische Konflikte in Mitteleuropa, die auch die Industriezentren in Deutschland, Frankreich, Holland und Belgien zerstören und somit europäische Industriekapazitäten massiv verringern und Konkurrenz ausschalten und weltweite Überkapazitäten auf nicht-amerikanischem Boden verringern, könnten von den US-Amerikanern durchaus wirtschaftlich als für sie selbst vorteilhaft empfunden werden.
Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich derzeit recht gut dasteht, ist Deutschland im Vergleich zu früher doch ziemlich abgehalftert. Früher haben die USA Deutschland unterstützt, um sicherzustellen, dass der Keil zwischen Russland bzw der UDSSR und Westeuropa bestehen bleibt, denn eine Allianz des technischen, geistigen, ökonomischen Know-hows und der Effizienz Mitteleuropas mit der gewaltigen Landmasse Russlands und dessen vielen Menschen und dessen Know-How wäre machtpolitisch für die USA ein Alptraum gewesen. Seit bald 100 Jahren ein wichtiger Eckpfeiler US-amerikanischer Außenpolitik ist, einen Keil zwischen Russland und Deutschland zu erhalten.
Durch den Ukraine-Konflikt bietet sich den USA einerseits eine neue hervorragende Chance, einen Zwist zwischen Russland und Deutschland zu verstärken und zeitlich dauerhaft zu festigen. Andererseits ist es anbetrachts der Tatsache, dass auch Mitteleuropa und Deutschland immer mehr abgehalftert ist, für die USA machtpolitisch kein so großer Beinbruch mehr wenn Russland Europa schluckt und/oder platt macht.
China:
Machtpolitisch und wirtschaftlich wäre ein großer Konflikt zwischen der NATO und Russland auf europäischem Territorium für China ein nettes Geschenk:
Beide Blöcke wären wirtschaftlich geschwächt, ihre Produktionskapazitäten wären reduziert, aber trotzdem würde der Krieg die Nachfrage nach zivilem und für den Krieg benötigtem Material stark erhöhen und China könnte an der Belieferung unter gkeichzeitiger wirtschaftlicher Ausschaltung beider Blöcke profitieren.
China hat sich bis jetzt eher auf die Seite Russlands gestellt. Warum: Russland rechnet so weniger mit einem Zweifrontenkrieg. Was Russlands Bedenken, den Krieg auf die NATO auszuweiten, deutlich verringern dürfte.
Mitteleuropa:
Durch den Ukraine-Konflikt kann man sehr gut von eigenen Problemen ablenken. Und Putin zum Sündenbock für die ökonomischen Schwierigkeiten und Finanzproblemen in der Weltwirtschaft (Inflation, Stagnation, Stagflation) machen. Obwohl in wirtschaftlicher Hinsicht die Dinge anfingen, ihren Lauf zu nehmen, längst bevor Russland die Krim annektiert hat, und zwar mit dem Gelddrucken der Notenbanken und den Schuldenexzessen der letzten Jahrzehnte und dem rapide wachsenden Vermögen einiger weniger Milliardäre zu Ungunsten der Einkommen des Rests der Bevölkerung.
In Kriegszeiten gelten Notstandsgesetze. Die es erlauben, über den Willen der Bevölkerung hinweg in die Märkte und in die Preise einzugreifen. ZB Inflationen zu schüren bis die Inflation den Schuldenschnitt bringt weil das geschuldete Geld nichts mehr wert ist.
In Kriegszeiten sind die Leute verängstigter und abgestumpfter, was die -äh- Toleranzschwelle für alle möglichen Staatseingriffe in die Wirtschaft/in wirtschaftspolitische Maßnahmen erhöht.
Alle ausser denen, bei denen die Bomben fallen:
Die Zerstörung größerer Teile der Produktionsanlagen in Mittel- und Osteuropa durch einen Krieg würden für Länder, in denen keine Kampfhandlungen stattfinden, die durch weltweitr Produktionsüberkapazitäten bedingten Probleme verringern. Diese Länder könnten später am Wiederaufbau profitieren.
Jetzt schon:
Durch den Krieg steigen die Energie- und Lebensmittelpreise sowie die Preise einiger Rohstoffe stark an und die Börsenkurse schwanken stark. Während einige daran verdienen, bricht das vielen das Genick.
Meine Prognose:
Selbst wenn Deutschland bzw Mitteleuropa nicht in einen heissen Krieg hinein gerät:
Die Weltkapitalmärkte stehen vor großen Turbulenzen und ein Crash ist nicht ausgeschlossen.
Was zumindest mit sozialem Chaos einhergehen wird.
Es zieht ein übler Sturm auf.