sisterontheflyDanke, das ist sehr interessant!
Es ist schon richtig, dass der erste Teil meine Bedürfnisse und Erwartungen widerspiegelt. Aber eben nicht nur meine, das sind Dinge die allgemein von so ziemlich der Mehrheit der Menschen in unserem Kulturkreis erwartet werden. Somit hat jemand, der diese Dinge nicht erfüllt, nicht nur mit mir, sondern mit gefühlt 99 % aller Europäer und Nordamerikaner ein Problem, wahrscheinlich auch noch mit vielen Menschen aus anderen Kontinenten. Daher eben die Frage: wann geht eine Erwartung über das Bedürfnis einer Einzelperson (nämlich des Beziehungspartners) hinaus? Meiner Ansicht nach ab dem Zeitpunkt, ab dem es einen mehr oder weniger stillschweigenden gesellschaftlichen Konsens gibt, was erwartet wird.
Natürlich steht es in Deutschland und vielen anderen Ländern jedem frei, sich gesellschaftlichen Erwartungen nicht zu beugen, nur wird man es in allen Bereichen des Lebens schwer haben, wenn man das nicht tut.
Denkst du wirklich, dass Suchterkrankungen immer eine tiefere Ursache haben? Ich denke das nicht, meine Erfahrungen zeigen, dass aus Spaß und Genuss ohne tiefere Hintergründe sehr wohl auch eine Suchterkrankung entstehen kann. Was harmlos mit einem Feierabendbier beginnt, kann in Alkoholismus enden, wenn man es übertreibt. Das Übertreiben muss aber nicht unbedingt darin begründet liegen, dass man seine Wahrnehmungen und Empfindungen nicht thematisieren kann. Nicht jeder greift zu Suchtmitteln, weil er sich nicht artikulieren kann oder weil er mit seinem Leben unglücklich ist. Rausch macht einfach auch Spaß, das ist nicht zu leugnen. Leider hat dieser Spaß aber auch seinen Preis.