Hallo liebe Forengemeinde!


Ich wende mich an Euch, weil ich meine atuellen Gefühle nicht einordnen kann, vielleicht hat ein Aussenstehender ein wenig mehr Durchblick als ich...


Zu mir: Ich (w, noch 36) bin bereits seit 17 Jahren verheiratet, seit fast 19 Jahren mit meinem Mann zusammen. Wir haben 2 Kinder im Teenager-Alter.


Mein Mann war nicht mein erster "Mann", vor ihm hatte ich 6 andere Beziehungen (bei mir kommt nur Sex infrage wenn ich zumindest verliebt bin).... aber als ich ihn kennenlernte, machte es *klick* "das ist der Mann, mit dem ich mein Leben verbringen möchte...."


Bisher hatten wir wirklich eine gute Zeit zusammen (klar, es gibt in jeder Beziehung Höhen und Tiefen), auch das Sexleben kommt nach so langer gemeinsamer Zeit nicht zu kurz, daran liegt es also nicht...


Allerdings hat sich mein Mann in den Jahren verändert, ich nicht wirklich.
Er ist mehr und mehr zu einem "Arbeitsbienchen" mutiert, Spontanintät kennt er nicht, alles muss gut durchdacht werden vorher. (und kann es noch so banal sein, zb wenn unsere Tochter fragt, ob ihre Freundin bei uns übernachten will).
Ich bin und war immer ein spontaner Mensch.
Ich kann auch keine Freundin spntan zu mir einladen, er fühlt sich damit unwohl und gibt mir das deutlich zu verstehen...


Wie gesagt, das Sexleben ist vollkommen intakt, mehr als gut sogar...
Aaaaber: mir fehlt alles Andere mittlerweile:
wenn er von der Arbeit kommt (und er kommt nie "pünktlich" weil er sich mit den Kollegen verquatscht oder noch ein Feierabendbierchen mit ihnen trinkt - alles kein Thema für mich, wir geben uns gerne Freiräume), dann geht er duschen, ggf ißt er noch was... und dann geht er direkt ins Bett (er muss früh raus morgens).


Das heisst, unser gemeinsamer Alltag beschränkt sich auf kurze Gespräche betreffend der Kids, Haushalt, Finanzen (welche Rechnung muss bezahlt werden usw) und dann ist FEIERABEND! Er geht schlafen....


Wenn ich intensivere Gespräche führen will, werde ich meist abgewimmelt: er ist zu müde, es ist nicht "sein Thema" oder aber aus einem simplen Gespräch entwickelt sich ein Streit.


Das geht bestimmt seit einem Jahr so, ich werde immer frustrierter!
Ich kann auch seine Sicht nachvollziehen, klar sind die "Grundstrukturen" auch wichtig und man muss darüber reden, aber wo bleibt die Zweisamkein?


Mir fehlen die Gespräche die wir früher nächtelang führen konnten, mir fehlen Zärtlichkeiten im Alltag, nette Worte.... er gibt mir das Gefühl, alles was gut läuft ist sein Verdienst, alles was schlecht läuft ist meine Schuld.


Soooo und nun kommt's: ich habe Jemanden kennenelernt.... (nein, es läuft NICHTS)
Er ist neu in Deutschland und ich helfe dort, wo ER sich aufhält ehrenamtlich.
Er war mir schnell symphatisch und ich bot ihm an, die tägliche Abendrunde mit mir und meinem Hund zu drehen, so können wir deutsch üben beim Spaziergang.


Seitdem (knapp 1 Monat) gehen wir fast täglich zusammen spazieren am Abend, kein Spaziergang unter 2 Stunden, weil wir so viele Themen haben, über die wir sprechen können - wir sind meist gleicher Meinung und debattiren oft über Themen, über die ich mit sonst keinem aus meinem Freundeskreis sprechen kann.


Ich habe ihm von Anfang an gesagt, er ist wie der kleine Bruder für mich den ich immer wollte aber nie bekam (er ist 30).


Naja, wenn man sich täglich sieht und über seine Gedanken sprechen kann, kommen mehr und mehr Gefühle auf, ich bin 100% sicher, daß er genauso empfindet (ich bin ein Herzmensch und nehme die Schwingungen gut wahr).


Sobald ich morgens wachwerde, freue ich mich bereits auf meine abendlche Gassirunde, schaue direkt ob eine Nachricht von ihm kam usw...
Mein Appetit ist weg, kann kaum schlafen oder aufhören an ihn zu denken, ich hab Schmetterlinge im Bauch und meine Phantasie macht mich irre. ;-)


Er ist gläubig und sehr zielstrebig, wenn er ein Zel hat,blendet er alles links und rechts aus.... (ich bin das komplette Gegenteil, aber gerade das finden wir beide so gut an uns gegenseitig, wir zeigen uns "die andere Denkweise") - nungut, er hat in seinem Land studiert....nur studiert....also....noch keine Freundin gehabt, geschweigedenn war er jemals verliebt.
"es hat mich damals nicht interessiert, ich hatte auch keine Zeit, ich wollte mein Studium mit gutem Ergebnis beenden"


Seitdem ich das weiß, ist er noch mehr "besonders" für mich, ich wünsche ihm eine besondere Frau die ihn glücklichmacht...


Aber nach dem gestrigen Geschreibe mit ihm weiß ich definitiv, daß er etwas für mich empfindet - obwohl er "um den heissen Brei" schrieb (ich wollte wissen, wie er unsere Freundschaft sieht).


Ich weiß, solange ich keinen Schritt in seine Richtung wage, wird NIE etwas passieren und wir können hoffenlich ewig "beste Freunde" bleiben, er ist einfach ein zu guter Mensch der auch sehr viel Respekt hat (daß ich verheiratet bin zb), es hängt alles von mir ab, das gab er mir "durch die Blume" zu verstehen.


Da ich ein treuer und ehrlicher Mensch bin, könnte ich meinen Mann niemals betrügen, ich würde ihn VORHER aufklären, wie mein Herz gerade fühlt.


Aber ganz ehrlich? Ich kann meine Gefühle gerade nicht einordnen:
Schon länger überlege ich ob ich meinen Mann noch liebe (und er mich) oder ob es nur Gewohnheit ist.
Oft habe ich das Gefühl, wir leben in einer WG zusammen (nagut, guten Sex haben wir auch zwischezeitlich).
Ich mag seine Familie sehr und sie ist zum Teil von mir geworden, möchte ich das aufgeben?
Aber muss ich "seine" Familie verlieren wenn wir uns trennen sollten?
Seine Mama lebt nicht in Deutschland, aber sie war mmer gefühlsmäßig eine bessere Mama für mich als meine Eigene - ich habe eine echt tiefe Bindung zu ihr.


Ich habe schon lange das Gefühl, daß nicht nur ich unglücklich bin in der Beziehung sondern auch ich ihn unglücklich mache....


Mein Mann hat ab morgen eine Woche frei und möchte in der Zeit seinen Bruder besuchen - ich habe all die erwähnten Punkte hier (bis auf mein Verliebtsein, das ist mir erst seit gestern abend richtig klar geworden) mit ihm besprochen und ihn gebeten in dieser "Auszeit" darüber nachdenken - auch ich möchte in mich gehen und meine Gefühle ordnen....


Aber da ist ja noch Mr.X, der plötzlich in mir Gefühle wachgerüttelt hat mit denen ich kaum umgehen kann, wie soll ich in mich gehen und über meine aktuelle Beziehung nachdenken, wenn ich nur an Mr.X denken kann?

ein Monat später

Typischer Verlauf
einer Ehe würde ich sagen. Ich hab da auch schon meine Erfahrung gemacht, stecke eigentlich gerade mittendrinn.
Als Aussenstehender würde ich sagen, ihr müsstet beide in eure Beziehung was ändern, bevor es zu spät ist. Mit Gesprächen eventuell, aber auch mit Handlungen. Gespräche alleine verlaufen leider oft im Sand. Wie es aussiehst, wirst Du den ersten Schritt machen. Es klingt hart, aber sonst passiert gar nix! Ich verstehe gut deine Gefühle, das Bauchkribbln, das neue und aufregende Gefühl. Es ist schön, es macht leider auch Blind. Ich würde sagen, nimm dir die Zeit die du brauchst. Besser öfter Nachdenken und sich Situationen im Alltagsleben mit
deinem Freund geistig durchspielen. Weil alles was momentan rosig aussieht, es lässt wieder nach. 100%


Nimm dir momentan was dir gutut, behalte es für dich,
nur so kannst du dich leichter zu weiteren Schritten entscheiden. alles andere ist Theorie. Dein Bekannter, wenn er wirklich noch so unerfahren ist, du weisst nicht
wie er später reagiert. könnte ihm doch alles zuviel werden. oder er kommt selber auf den Geschmack, und zak, weg ist er. Geniesse es, aber lass es nicht zu sehr an dein Herz ran. Dann wird es nämlich wirklich schwer!
Ich spreche aus Erfahrung. 20 jahre Verheiratet, 1 Kind, und ich hatte mich in eine andere Frau verliebt. wir definieren gerade unsere Ehe neu, haben ein besseres Verhältniss als vorher, wissen irgendwie, sind wir beide schuld, weil wir dachten es sei mmer alles ist in ordnung, kann uns nie passieren, und die jahre haben wir einfach laufen lassen. das ist irgendwann das ende einer glücklichen Beziehung.

Was machst Du?
Was ich lese ist eigentlich Egoismus von Deiner Seite und das du das Vertrauen Deines Mannes in Dich eigentlich verrätst.


Du erwartest das er sich ändert und das er sich bemüht. Nach 17 Jahre Ehe weißt Du eigentlich, dass das zu 50% auch Deine Aufgabe ist. Was machst Du außer der Gassirunde wo Du Deinen Mann gedanklich untreu bist? Dein Mann arbeitet anscheinend viel, damit die Familie gut läuft und was machst Du? Ich lese keinerlei kritische Selbstreflexion und nur unrealistische Ansprüche an die Anderen. Eine ganz bequeme Tour wo man sich die vermeidlichen Rosinen rauspickt. Ehe heißt Arbeit an sich und auch mit den Partner.
Nach 17 Jahre sollte man das eigentlich wissen.


Aber so wie es aussieht möchtest Du lieber Dein Leben ruinieren. Dein Mann wird Dich verachten, Deine Kinder, die Familie, das ganze Umfeld. Und nach einiger Zeit Du mit Sicherheit komplett allein, weil Dein Schützling höchstwahrscheinlich sich anders orientieren wird und Du zu spät aufwachst.


Auf geht's, ruinier Dich!