Ok, wenn ich mein eigenes Posting von gerade nochmal lese, klingt das wirklich nach psychischem Totalschaden. Ich möchte betonen, dass ich eigentlich eine ganz normale Frau anfang 30 bin. Klar, gab es diese dunkle Zeit und klar, hat diese ihre Auswirkungen und ja, wie ich heute feststellte, bin ich nicht "geheilt". Aber - und das möchte ich betonen, bin ich keine hängengebliebene Alkoholsüchtige und kein bemitleidenswertes, psychisches Wrack!
Ssorcha_12909687
- 23. Jan 2017
- Beitritt 6. Mai 2007
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"Weh, wer zu spät bereut!" >> das wusste schon William Shakespeare. Ob er auch er wohl die persönliche Erfahrung gemacht hat, das Reue eines der schlimmsten Gefühle ist, vielleicht sogar das Schlimmste überhaupt?
Ich kann es eigentlich kaum fassen. Nach Jahren hatte ich heute das Bedürfnis, dieses uralte Posting zu lesen. Ich musste es suchen, weil ich mich noch nicht einmal mehr an meinen Benutzernamen erinnerte und zack, da war es. Ich kann gerade ehrlich nicht sagen, ob ich lachen oder weinen soll: Diese vielen - sehr lieben - Antworten, die Tatsache, dass es andere Frauen gibt, die das gleiche durchmachen und denen meine Postings geholfen haben und diese vielen Nachrichten in meinem Postfach. Da stapeln sich die jahrealten und brandaktuellen Fragen von jungen Frauen, die die selbe Entscheidung treffen müssen und meine Hilfe dafür erfragen. Und die ebenso alten wie neuen Geschichten von Frauen, die nach der Abtreibung ähnliche Gefühle hatten. Irgendwie glaube ich, das ist die beste Medizin, denn heute ist wieder so ein Tag.
Ich möchte Euch zuerst einmal schildern, wie es mir in den letzten Jahren ergangen ist. Wie gestern, kann ich mich an den Tag erinnern, als ich diesen Test machte und meine Welt einstürzte. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich mich für klug hielt und für verantwortungsvoll. Letztlich war ich von dieser Entscheidung (die ja eigentlich auch gar keine Entscheidung hätte sein müssen) völlig überfordert. Da war dieses Brandmal "geschwängert", das mir Angst machte. Noch dazu von einem Typen, den ich kaum kannte und der, wie sich sehr schnell herausstellte, nicht gerade der verantwortungsvolle Mann war, den man sich als Vater wünscht. Alleinerziehende Mutter zu sein, machte mir ebenfalls riesige Angst. Da kam ich kaum mit mir selbst klar, wie sollte ich einem kleinen, schutzbedürftigen Wesen, eine gute Mutter sein? Fassen wir es mal zusammen: Ich hatte Angst und war von der Entscheidung völlig überfordert.
Ich war bei Pro Familia, saß meine Stunde da ab und bekam diesen Wisch. Unfassbar eigentlich, wie einfach das war, da kann ich liebhab98 nur zustimmen. Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass meine Gesprächspartnerin dort versucht hat, mir zu erklären, dass es hart werden kann. Ich hatte ihr nur einfach überhaupt nicht zugehört. Den für mich wohl entscheidensten Rat holte ich mir bei meiner älteren Schwester. Ich erzählte ihr damals von der Schwangerschaft und fragte sie, was ich tun soll. Eigentlich auch unglaublich. Wir redeten gar nicht groß darüber, hauptsächlich, weil ich ohne Pause heulte. Ich weiß noch, dass sie im ersten Moment erschrocken schaute aber sie fasste sich sofort und sagte "Denya (Name geändert), mach es weg. Wenn du mich irgendwann dafür hasst, dann nehme ich das jetzt auf mich - aber mach es weg." Und damit war es irgendwie klar, sie hatte mir die Entscheidung abgenommen. >> Diese Tatsache werfe ich mir (und innerlich auch ihr) auch heute immer wieder vor.
Das erste Jahr nach der Abtreibung war der Horror, den ich schon geschildert habe. Ich hatte das Bedürfnis, mich selbst zu bestrafen. Ich erkannte sehr schnell, dass ich nicht aus klugen und verantwortungsvollen Gründen gehandelt habe, sondern aus purem Egoismus und aus vollkommener Unwissenheit und Unverständnis. Ich war schlicht und einfach zu jung, zu dumm und zu egoistisch. Diese Erkenntnis traf mich natürlich direkt in der Nacht nach der Abtreibung, ich werde diese Dunkelheit in mir und mein schwarzes Herz, besonders in dieser Nacht aber auch in der Zeit danach, niemals vergessen.
Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich selbst bestrafen oder ich hätte nur das Schlechteste verdient, schwer zu erklären. Ich kam jetzt nicht auf die Idee, mich zu ritzen oder so. Aber ich rauchte absichtlich besonders viel und besonders starke Zigaretten. Ich fing an, alleine zu Hause zu kiffen (total dämlich), ich begann, alleine zu Hause Alkohol zu trinken (ebenso dämlich), ich aß nur noch in der Öffentlichkeit, damit ich beim essen gesehen werde und die Leute nicht denken, ich sei Magersüchtig. Aber eigentlich hatte ich damals nicht das Gefühl, als hätte ich es verdient, zu essen. Schwer in Worte zu fassen, welche hässlichen und schwarzen Gefühle ich hatte.
Es war wie eine dunkle Wolke, die sich nur sehr schwer lichtete. Ich hatte niemanden, mit dem ich darüber reden wollte. Es gab einige Versuche von meiner Mutter oder meiner Schwester aber ich blockte alles ab. Denn auch hier diese Bestrafungssache: Das hatte ich mir selbst eingebrockt und jetzt musste ich damit klarkommen. Ich hatte nicht das Recht, mit jemandem darüber zu sprechen. Es musste mir schlecht gehen, es durfte mir nicht besser gehen, ich hatte das nicht verdient. Ich musste leiden. Tja, wenn ich das heute - nach 9 Jahren so schreibe - schockiert mich das selbst aber damals war das genau meine Denkweise.
Es dauerte ca. ein halbes Jahr, bis durch die dunkle Wolke wieder hellere Strahlen fielen. Allerdings heisst das nicht, dass ich jetzt besonders erwachsen und demütig aus der Sache herausgegangen wäre. Nein, gleich an einem der ersten Tage, an denen es mir besser ging startete ich meine große Partymaus-Karriere. Feiern, Alkohol, flirten - aus heutiger Sicht ziemlich trostlos, damals aber tatsächlich für einige Jahre mein hauptsächlicher Lebensinhalt. Ich war dafür bekannt, dass man mit mir immer hart abfeiern konnte und dafür, einfach auf jeder Party ziemlich betrunken zu sein. Ich habe nie gesehen, dass das so etwas wie eine Flucht vor dem sein könnte, was ich getan hatte, bzw. vor dieser drohenden Depressions-Wolke, die am Horizont noch immer zu sehen war und darauf wartete, wieder zurückzukommen. Heute ist das meine Vermutung.
Letztlich wurde ich dann aber doch - neben der Partymaus-Karriere - einigermaßen erwachsen und versuchte die tatsächlich wichtigen Dinge im Leben zu identifizieren. Ich habe tatsächlich eine kleine Karriere hingelegt an der ich auch noch ein paar Jahre weiterbasteln möchte, ich bin in Partymaus-Rente, also gehe ich zwar hin und wieder aus, die wilden Eskalationen, Besäufnisse und Eskapaden habe ich aber hinter mir gelassen. Drogen sind Gott sei dank nicht vorgekommen. Klar, es gab die vielen Joints in der dunklen-Wolke Zeit und eigentlich auch in der Partymaus-Zeit aber das reizt mich nicht mehr.
Diese dunklen Momente, die gibt es aber immer wieder. Es sind Kleinigkeiten, die mich daran erinnern - aber sie haben große Auswirkungen. Anfangs war das öfter der Fall - in der ersten Zeit musste ich ständig daran denken, später hatte ich diese dunklen Momente nicht mehr so oft, akuell ist es meistens um diese Zeit. Aber bis heute gibt es eigentlich kaum einen Tag, an dem der Gedanke an das was war, nicht zumindest kurz auftaucht.
Und heute war wieder einer der dunklen Tage. Es gibt bei uns in der Familie gerade einige gesundheitliche Probleme, die manches Mal auch Streit und Unfrieden mit sich bringen. Und heute war der Tag, an dem meine Mutter das erste Mal so richtig (nach nun neun Jahren) herausgelassen hat, wie schlimm das eigentlich für sie war und was ich ihr angetan habe, indem ich ihr ihr Enkelkind genommen habe. Ihr könnt euch vorstellen, dass das gesessen hat. Ich sitze also nach neun Jahren hier und heule, habe die schwärzesten aller Gedanken und erinnere mich an dieses Forum. Ich wollte einfach nur lesen, was ich geschrieben hatte, weil mir das in anderen dunklen Phasen schon geholfen hat.
Und heute ist mir tatsächlich etwas klar geworden. Ich hätte unbedingt professionelle Hilfe gebraucht, auch wenn ich die Notwendigkeit niemals gesehen habe. Ich dachte doch tatsächlich, ich hätte es geschafft und sei darüber hinweg - vor Jahren schon. Und noch etwas habe ich erkannt. Wie gesagt, ich dachte bei mir sei alles in bester Ordung: Seit ca. Jahren habe ich ganz schlimme Fress-Attacken, meist so 2-3x im Monat, in schlimmen Phasen 1-2x pro Woche. Diese schlimmen Fress-Attacken gehen meist mit einem ziemlich schlechten Gewissen einher, wegen der ultra-vielen Kalorien, Zucker, etc. Nicht immer aber doch sehr häufig übergebe ich mich dann und spucke all diese vielen Süßigkeiten, Pizza, Chips und Schokolade wieder aus. Dass das nicht normal ist, weiss ich schon eine Weile. Ich versuche mich zu beherrschen und habe mich auch schon damit auseinandergesetzt und das gegoogelt. Vor einigen Tagen habe ich beschlossen, mit meinem Arzt darüber zu sprechen und mir psychologische Hilfe zu suchen, um dagegen anzukämpfen. Aber erst heute habe ich verstanden, dass auch dieses Verhalten wie eine Bestrafung für mich selbst wirkt. Und dass es auch hier einen Zusammenhang zu einer unverarbeiteten Abtreibung von vor 9 Jahren gibt. Unfassbar wie naiv ich eigentlich auch heute noch bin.
Was mir hilft, ist der Gedanke, dass es hier Leute gibt, die an meinem Schicksal anteil nahmen und mir wirklich zugehört haben. Was Balsman für meine Seele ist, ist dass meine Postings von Frauen gelesen wurden, die so verstanden, dass es auch anderen Frauen nach der Abtreibung so ging - und denen das wirklich geholfen hat. Ich freue mich wirklich, dass ich hier helfen konnte und möchte betonen, dass auch die Antworten derer, denen es genauso ging, mit sehr geholfen haben!
Was all die Frauen anbelangt, die sich entscheiden müssen: Die individuelle Entscheidung kann Euch keiner abnehmen. Was ihr hier gelesen habt, muss nicht für Euch zutreffen. Ihr selbst müsst das für und das Wider abwägen - aber - und jetzt kommt mein persönlicher Rat. Prüft Eure Pros und vor allem Eure Kontras ganz genau. Sind das fadenscheinige Gründe? Oberflächlichkeiten? Sind es Gründe, die andere Euch genannt haben? Habt Ihr Angst, vor anderen mit einem Kind blöd dazustehen? Überlegt Euch das gut, denn falls Ihr Euch für eine Abtreibung entscheidet, müssen diese Gründe Eurer eigenen moralischen Prüfung standhalten können. Und wenn Ihr Euch unsicher seid, sucht Euch unabhängige Leute, wie z.B. einen Vertrauenslehrer, die (hoffentlich) nicht versuchen Euch zu beeinflussen und in eine der beiden Richtungen zu drängen.
Würdet ihr mich heute fragen (und deshalb gebe ich Euch keine Empfehlung), würde ich Euch immer zum Baby raten.
Ach übrigens, bestimmt für Euch auch interessant: Ich bin mittlerweile 31, habe keinen Freund und keine Kinder. Dabei wünsche ich mir mittlerweile von tiefstem Herzen meine eigene, kleine Familie.
P.S.: Ihr seid die langen Postings von mir ja gewohnt. Ich habe es dieses Mal zwar nochmal durchgelesen und auf Rechtschreibfehler überprüft, bin mir aber sicher, dass mir mit Sicherheit einige durch die Lappen gegangen sind. Entschuldigt!
Liebe Grüße und danke dafür, dass Ihr da seid! <3
Eure Denya- gwawr_12915881
Ein Bisschen hiervon, ein Bisschen davon....
das ist wirklich eine gute frage:
1. es tut mir leid, dass ich aus reinem egoismus gehandelt habe und deshalb dieses "baby" nicht leben durfte, bzw. ich es "vernichtet" habe...
2. eben nicht. ich wollte dieses baby nicht, auch im nachhinein nicht. mir sind dann (direkt nach der abtreibung, aber auch wochen/monate manchmal jahre danach noch bilder durch den kopf gegangen, wie es hätte sein können - ich und mein kind... aber ursprünglich und im prinzip auch danach wollte ich das baby nicht...
3. Jap! meine inkosequenz und mein egoismus. das tat mir am meisten leid! das war auch der grund, warum ich in dieses selbstmitleid, diese depression und dieses selbstbestrafende/selbstzerstörerische danach hatte...
Das hat sich in meinem Kopf ungefähr so angehört:
"Nur weil du so verantwortungslos und so egoistisch bist, hast du das Baby abgetrieben!" das klingt wie so ein mantra, wenn du in selbstmitleid schwebst und du dir selber wehtun willst, quasi um dich zu bestrafen...
Das war echt ne üble zeit... mittlerweile sind ja ein paar jahre vergangen und ich kann das auch anderst sehen. z.b. erinnere ich mich mittlerweile wieder daran, dass ich das kind eigentlich gar nicht wollte. überhaupt nicht. ich war noch relativ jung und hatte nichts als "leben" im sinn, deshalb wollte ich es eben auch nicht. außerdem habe ich mich dessen nicht gewachsen gefühlt und im nachhinein war ich damals wirklich nicht die ideale wahl für eine potentielle mutter.... was mich halt immernoch stört ist diese "du musst die suppe auslöffeln, die du dir eingebrockt hättest und zwar so gut wie möglich."-geschichte.
das hört sich irgendwie makaber an, wenn es um ein baby geht - aber vllt. hätte ich mein leben umstellen müssen, vllt. wäre ich alleine gewesen (der papa kam nicht in frage), vllt. hätte ich unterstützung von meiner familie bekommen (ok, auf jeden fall), vllt. hätte ich auch glücklich werden können... deshalb habe ich mich, bzw. fühle ich mich auch heute noch verantwortungslos... - sorcha_12909687
Ach ja
sorry für die fehlende groß- und kleinschreibung. hatte einfach keinen nerv grad dafür. wollte einfach nur schreiben. ich hoffe mal ihr könnt mir verzeihen :lol: Mal wieder was loswerden...
ich hab mehrere Zeitpunkte, an denen ich mich festhalte. es gibt den tag, an dem es passiert sein muss, den tag an dem ich den test gemacht habe, den tag an dem ich es hab wegmachen lassen und den tag an dem es auf die welt gekommen wäre...
es ist schwer zu verstehen aber an diesen tagen denke ich nicht unbedingt an das was sein könnte oder an die schuldgefühle oder den horror davor und danach. aber manchmal erwischt es mich. es trifft halt meistens einen dieser zeitpunkte. ich bin im prinzip darüber hinweg, mit kleineren rückschlägen hin und wieder aber ich habe gelernt, damit zu leben. das ist nur die kurzfassung dazu, wie es mir heute geht.
so. das war bis vor kurzem. mittlerweile ist meine beste freundin schwanger, ähnliche situation, nur dass es bei ihr ihr freund ist. sie weiss davon, dass ich einen abbruch hab machen lassen und wir reden extrem viel darüber. komischerweise geht das auch von mir aus. aber eigentlich kann ich mit der situation gar nicht umgehen. hätte ich nicht diesen abbruch hinter mir, würde ich ihr raten abzubrechen. aber ich kann es nicht. ich kann ihr gar nichts raten. im prinzip muss sie es ja eh selber wissen. aber jeden gottverdammten tag (naja, wir sind eine wg, wir sehen uns jeden tag) krieg ich innerlich die kriese. schwer zu erklären... ich kann ihr ja schlecht sagen, dass sie es bekommen muss, das wäre egoistisch und total irrational. d. h. nur weil ich nicht damit umgehen kann kann ich schlecht von ihr erwarten, dass sie es bekommen soll. immerhin muss sie mit den konsequenzen leben. und ich merke ja, dass sie es absolut nicht will. ich hab mich dabei erwischt, wie ich sie in eine richtung dränge und kann nichts dagegen tun. das blöde daran ist, dass sie extrem auf mich hört. und ich somit schon großen einfluss auf dieses embryo habe. wieder einmal. das hört sich jetzt blöd an aber wenn ich ihr sagen würde, was sie tun soll, das würde sie tun. ich kann ihr nicht sagen, dass sie es bekommen soll, nur weil ich es nicht bekommen habe. und wenn ich ihr sagen würde, dass sie abbrechen soll, würde sie das machen. aber das könnte ich nicht mit mir selber ausmachen...
wahrscheinlich denken jetzt alle ich hab nen knall aber ich denke nunmal so, zumindest seit ich den abbruch hatte.
blöd ist auch, dass, wenn ich ihr nicht sage, dass sie es behlaten soll, sie ja evtl. abtreiben könnte. das würde sich so anfühlen, als wäre ich indirekt schuld, einfach weil ich ihr nicht gesagt habe, dass sie es behalten soll...
tja, da sieht man. eine abtreibung kann einem ganz schön zusetzen, selbst jahre danach. auch wenn man denkt, man hat es geschafft... aber ganz allgemein geht es mir ja gut, nur das hier hat mich ganz schön aus der bahn geworfen...
sorry, dass ihr das hier schon wieder lesen müsst... ihr seid einfach meine seelenmülleimer...
Und ein weiteres jahr...
ich hab keine ahnung, ob hier überhaupt noch jemand reinschaut aber ich habe im moment eine schlechte zeit. die gibt es leider immer wieder!
es ist schon wieder ein jahr mehr. etwa um diese zeit habe ich damals ein kind gemacht und ein paar wochen später war es weg! ja ok, vom zeugungszeitpunkt waren es schon fast 9 wochen, ich hab erst sehr spät den test gemacht.
ich denke heute oft daran, was hätte sein können und noch immer kann ich nicht in den spiegel schauen. ich hab oft lange gute zeiten aber es gibt eben auch die anderen seiten. die schlechten. und immer hab ich diese angst, wieder in depressionen abzurutschen.
im prinzip führe ich genau das gleiche leben wie damals. vor dem abbruch. und genau das ist es, was mich stört.
jeder einzelne der gründe, aus denen ich damals so gehandelt habe, war nur ein vorwand. denn ich war damals schon nicht mit meiner lebensituation zufrieden, auch ohne schwangerschaft.
wenigstens kann ich mittlerweile wieder sex haben, ohne panikattacken hinterher. ja, ok. so schlimm wars nicht! aber eine gewisse angst ist trotzdem, auch heute immer da!
wenn ich kleine kinder oder schwangere frauen sehe, muss ich immer noch daran denken. aber wenigstens muss ich dann nicht mehr heulen. und im großen und ganzen hab ich mich damit arrangiert, mein leben geht weiter und ich führe ein normales leben, mit hochs und tiefs wie jeder andere auch. der einzige unterschied sind die depressionen, die wie eine bedrohung immer vor mir stehen und darauf warten mich anzugreifen. davor habe ich am meisten angst. dass mich noch einmal so eine schlimme depression erwischt und ich nicht mehr da raus komme, so wie damals. seitdem hab ich immer wieder kleinere depressionen, so wie zur zeit. und manchmal muss ich mich einfach damit auseinander setzen und mich erinnern, so wie heute. das kann ich allerdings nicht oft.
die sache mit der bestrafung gibt es aber bis heute. davon abgesehen, dass ich keine kinder haben will, wegen der geschichte (das kann ich einfach nicht) habe ich seitdem ständig blasenentzündungen. je nach umstände alle paar wochen oder monate. das ist wohl eine art höherer bestrafung.
naja, schluss für heute.
ich glaube nicht, dass das hier nochmal jemand liest, sind ja auch viel zu lange postings.
danke nochmal für eure unterstützung damals. hat mir im nachhinein sehr geholfen!
ich hoffe, dass das irgendwann mal jemand liest, der in der selben situation steckt und dem dieses posting hilft, sich zu entscheiden, auch mit hinblick auf die schlimme zeit danach, von der ich damals nichts wusste!!!
Nachtrag:
Ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass ich dieses Posting geschrieben habe. Ca. einen Monat zuvor hatte ich den Abbruch. Ich weiss, dass einige von euch annahmen, dass es schon länger her war aber es war tatsächlich erst kurz zuvor.
Ich bin tatsächlich nach Irland gegangen, ohne Job, nur mit ein Bisschen Geld. Ich hab dort eigentlich ganz schnell einen Job gefunden, als Kellnerin in einem alten Pub. Dass ich davongelaufen bin brachte mir allerdings nicht viel. Ich bin noch tiefer in diese Depressionen gerutscht und wusste nicht mehr ein noch aus. Es wurde immer schlimmer. Irgendwann im Mai dann bin ich aufgewacht und habe beschlossen, wieder zu leben. Nach fünf Monaten Hölle, davon vier im Ausland bin ich wieder nach Hause gefahren. Ich hab es sozusagen unter den Teppich gekehrt, soll heissen, ich verdränge es einfach. Es gibt allerdings immer noch keinen Tag an dem ich nicht an mein Kind denke. Aber alles in allem gehts mir ganz gut. Nur manchmal, so wie heute, kommt alles wieder hoch. Und an solchen Tagen muss ich kämpfen, dass ich nicht mehr in diese Depressionen abrutsche... Ich denke dann immer: Schluss mit Selbstmitleid.
Wollte nur all denen danken, die mir hier damals geholfen haben. ich hab haufenweise mails bekommen. DANKE!
Ps
sorry, ist bisschen lang geworden aber es war wie ein zwang zu schreiben. ich konnte nicht mehr aufhören. vielleicht ist das der anfang vom selbstheilungsprozess...
wenn hier jemand jemanden zum reden braucht, weil sie nicht weiss, wie es jetzt weitergehen, bzw. was sie tun soll, kann sie mich gerne mal anschreiben. ich versuche dann zu helfen!
achja, die tippfehler tun mir leid aber wie gesagt, es war wie ein zwang zu schreiben und ich konnte mich nicht auf sowas banales wie rechtschreibung konzentrieren, während ich schrieb, ich wollte das alles auch nicht mehr lesen und habs auch nicht mehr gelesen!
Es klingt ganz einfach, ist ne schwere Entscheidung - und kann zur Katastrophe werden!
Diesen Satz hätte mir mal einer vorher sagen sollen. Irgendjemand hätte mich aufrütteln sollen. Wenn ich es schon selbst nicht geschafft habe, mir vor Augen zu führen, was ich da eigentlich tue!!! Aber die Schuld trifft niemanden, ausser mich selbst!
Meine Geschichte:
tja, ich war 22 jahre alt und hatte schon lange keinen freund mehr. deshalb hatte ich auch die pille abgesetzt. ich war jedes wochenende feiern und kippte dabei so einige drinks. dazu rauchte ich auch noch sehr viele und sehr starke zigaretten. dann lernte ich IHN kennen. ER, das ist ein netter kerl ende zwanzig. hat einen sohn, der gerade in die schule ging. wir hatten ein date, dann noch eins und schwupps - ist es passiert. wir hatten sex.
ich, als "verantwortungsvolle junge frau" (wie ich mich damals sah) hatte gummies gekauft, weil ich ihn an dem abend "flachlegen" wollte. hab ich auch getan aber zum einsatz kamen sie nicht. er ratterte die ganze leier runter, von wegen kein gefühl mit kondom und so... ich bestand erst drauf aber nachdem er absolut nicht wollte, dachte ich mir, scheiss drauf, kann eh nix passieren, ich hatte 2 tage vorher meine periode. (völlig untypisch für mich, als "verantwortungsvolle junge frau") aber ich hatte zu dem zeitpunkt auch ne ganz fiese magen-darm-grippe und die hat meinen zyklus durcheinandergebracht.
ich hab es damals schon geahnt, bin aber nicht zum artzt gegangen.
wir hatten in dieser woche noch einmal sex, auch ohne kondom. der sex war unspektakulär und der typ auch, das merkte ich ziemlich schnell und wollte das ganze beenden.
soviel zur vorgeschichte.
5 wochen später wurde ich nervös. meine tage kamen nicht. normalerweise würde mir das nichts ausmachen, meine tage kamen sehr unregelmäßig aber ich wusste es einfach. ich kaufte mir einen test, der tagelang bei mir zu hause rumlag. ich konnte nicht mehr schlafen, war dauernd müde und mein ganzer körper begann zu schmerzen, ganz besonders meine brüste. irgendwann nahm meine mom mich zur seite und fragte mich was mit mir los sei. ich bekam einen heulkrampf, erzählte ihr meine angst und wir machten den test zusammen.
- POSITIV -
"schluss mit zigaretten, schluss mit alkohol - bis ich mich entschieden habe!" (Zitat von mir selbst)
für mich ging die welt unter. aber ich wusste schon in dem moment, ich würde abtreiben. aber ich war mir nicht sicher. ich hatte angst. ich nahm mir vor, mir eine woche zeit für die entscheidung zu geben (zu dem zeitpunkt war ich schon in der 6. SSW) es war weihnachten und ich wollte einfach meine ruhe. ich ging gleich zu pro familia und redete mit einer psychologin. sie erklärte mir, was bei einem abbruch ablaufen würde aber auch, was für chancen ich mit dem kind hätte. sie war es auch, die sagte, ich müsste es dem vater sagen, ob so oder so. denn ich hatte eigentlich vor, dem vater nichts davon zu erzählen.
also erzählte ich es ihm. er war wie vor den kopf gestossen, hatte ja schon ein kind. er sagte nur, er wäre nichts scharf drauf und ich solle entscheiden. dann fuhr er für ne woche in den urlaub. und lies mich allein!
ich hatte mittlerweile meine beiden besten freundinnen eingeweiht und meine schwester. ich wollte immernoch die abtreibung. und meine mutter war die einzigste, die mich zum behalten drängte. sie war es, die immer wieder sagte, ich solle mir das nochmal überlegen. ich solle auch an das leben denken.
aber ich war fest entschlossen. mir war dauernd schlecht, ich war immer müde, musste dauernd aufs klo, mir war immer kalt (und damit meine ich eine kälte, die bis durch die knochen dringt) und ich hatte IMMER hunger. ich dachte, ich könnte so nicht weiterleben.
aber ich schob es vor mir her. ging nochmal zum arzt. der zeigte mir die ersten bilder von meinem kind. (8. woche; 4,2 cm groß) das war der tag an dem ich anfing zu heulen. aber ich zog das durch. ich ziehe alles durch, ich bin konsequent! ich dachte allen ernstes, ich wäre zu abgestumpft, und würde nie bereuhen, was ich da tun würde, weil ich kein sehr emotionaler mensch bin.
also machte ich den termin. er sollte gleich am nächsten tag stattfinden, nicht viel zeit für einen rückzieher. und den wollte ich machen, denn ich wusste im grunde meines herzens, dass ich das falsche tue. ein fehler, einen riesengroßen fehler. denn ich träumte nachts nicht von meinem partyleben, das ich danach weiterführen wollte, von meiner unabhängigkeit und meiner karriere. ich träumte von mir und einem kind auf einem spielplatz, ich träumte von barbies, schultüten und familienidyll. trotzdem fuhr ich zum termin. meine mom begleitete mich. kurze besprechung mit dem arzt, narkoseraum, einschlafen fertig.
noch während dem einschlafen dachte ich
- FEHLER -
aber war nix mehr zu ändern, ausserdem war ich konsequent. konsequent in allen lebenslagen. ich, als verantworungsvolle frau habe nach gründlicher überlegung beschlossen, dieses kind abzutreiben.
weil ich nicht in der lage bin, ein kind großzuziehen.
weil ich die finanziellen mittel nicht habe.
weil ich keine ahnung ahbe, was ich tun muss, wie ich mit dem baby umgehen muss.
weil ich erst noch selbst leben will
weil ich karriere machen will (mir war gerade eine beförderung angeboten worden)
weil... es gab tausend gründe.
aber den einen der dafür sprach, den hatte ich vergessen
!weil es mein baby ist!
ich wachte auf und war total leer. auch den nächten tag. ich hatte überhaupt keine gefühle und fuhr total erleichtert wieder nach hause. und an diesem abend brach die welt für mich endgültig auseinander. ich heulte die ganze nacht durch, überlegte, wie ich mich bestrafen könnte. ich fing wieder an mit rauchen (ich hatte eigentlich überhaupt kein bedürfnis, wollte mich aber bestrafen!), ich aß nichts kaum noch was und weinte nur noch. ich verkroch mich zu hause und weinte. und weinte. und weinte.
ich meldete mich ab und zu bei den "eingeweihten", damit die sich keine sorgen machten aber sonst bei niemandem. ich konnte auch mit niemandem drüber reden. alle hatten sie mich gewarnt, dass ich es bereuen könnte.
dann ging ich wieder arbeiten aber es war eine katastrophe. ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, musste immer mit den tränen kämpfen und redete kaum ein wort. meine kollegen machten sich sorgen aber immer wenn einer fragte was los sei reagerte ich pampig. so ging das wochenlang. ich aß kaum noch was, trank kaffee ohne ende - um wach zu bleiben, ich konnte ja nicht mehr schlafen. außerdem ich hatte angst vorm schlafen, denn immer wenn ich im bett lag, akm alles wieder hoch.
ich bin sooo selbstsüchtig
ich bin sooo verantwortungslos
was habe ich nur gemacht?!?
wie konnte ich das nur tun!?!
immer wenn ich schwangere frauen sah schaute ich weg. immer wenn ich kinder und babys sah, schaute ich weg. wenn ich hunde sah, schaute ich weg. während der arbeit hatte ich mich dann ganz gut im griff, zuhause dann nicht mehr.
ich musste mich bestrafen!
also trat ich aus dem betriebsrat aus (ich liebte diese arbeit!!!) das war noch nicht genug. also kündigte ich meinen job. ich empfand keine befriedigung. ich ging auf eine billigfliegerseite und buchte mir einen flug nach irland. One-Way.
ich sitze jetzt hier, an meinem letzten tag in deutschland und schreibe, wie zum abschied meinen brief.
vielleicht liest diesen brief eine frau, die in derselben situation steckt. die nicht mehr weiss, was sie machen soll.
wenn ich damit nur einer frau helfen konnte, hat dieser brief seinen zweck erfüllt.
dass heisst nicht, dass ich jetzt gegen abtreibung bin, ganz im gegenteil. das heisst nur, das es für mich das falsche war und dass sich jede frau ganz genau überlegen sollte, was sie da tut. ich hab meine konsequenzen gezogen und daraus gelernt. in allererster linie hab ich gelern, das ich keine "verantwortungsvolle junge frau" bin. aber konsequent bin ich nach wie vor. deshalb ab nach ireland.
dieser brief ist meiner kleinen kayla gewidmet. ich hoffe du verzeihst mir. ich hoffe ich verzeihe mir.
irgendwann. irgendwie.
- ich hatte dieses baby abgetrieben, weil ich mein altes leben wieder haben wollte und jetzt hab ich gar kein leben mehr. -
Re
1. Wie alt bist du?
- 22
2. Kommst du allein durch den GV zum Orgasmus?
- selten, meistens helfe ich mit der Hand nach ;o)
3. Hat sich deine Orgasmusfähigkeit durch den GV nach der/den Geburt/en deiner Kinder positiv oder negativ verändert?
- hab keine kinder
4. Habt ihr euerem Partner schon mal einen Orgasmus vorgespielt?
- ja *fg*
5. Stört es dich persönlich sehr, dass du durch GV alleine nicht zum Orgasmus kommst?
- ja schon...