Hallo,


hab schon oft hier was von mir geschrieben, Kurzfassung: bin 16Jahre alt, hab Bulimie und hatte schon mal einen Nervenzusammenbruch,... Im Klartext, mir gehts scheiße. Jétzt hab ich gerade eine Email an eine Psychologin geschrieben, dass ich einen Termin bei ihr haben möchte,... Ich hab Angst, ich will da nicht hin. Hab Angst vor den Konsequenzen,... Kann man eine Email irgendwie rückgängig machen, ich will nicht dass sie ankommt. Ich hab Angst,...

Hab eine Email gekriegt...
Sie hat mir zurückgemailt, aber so wirklich geholfen hat sie mir nicht. Sie hat gesagt ich soll mich an das Krankenhaus wenden, das pack ich nicht.
Die Konsequenzen die ich befürchte sind, das sich die Leute über mich "das Maul zerreißen", das ich entscheidene Dinge in meinem Leben verpasse, dass ich nicht die Erwartungen, die andere an mich haben nicht erfülle, dass ich sie enttäusche,...
Mir fehlt einfach der Mut zu so einem großen Schritt. Ich wollte eigentlich mit diesem neuen Jahr einen neues Leben beginnen und mich meinem ganzen Scheiß stelle, aber ich packs wohl doch nicht...

    imma_11906343

    Hallo arroganzkatze
    Ich glaube, dass Du Angst hast, ist völlig normal. Weil eine Therapie zu machen ein grosser Schritt bedeutet. Weil man (wenns eine gute Therapie ist) denn Kopf nicht mehr länger in den Sand stecken, sondern sich seinen Problemen stellen will. Weil man das Gefühl hat, dass sich wohl einiges ändern wird und keinerlei Ahnung hat, wohin die Reise gehen könnte.


    Ich glaube allerdings auch, dass Du dadurch keine entscheidenden Dinge im Leben verpassen würdest, im Gegenteil. Vielmehr würdest Du weiter kommen in Deiner persönlichen Entwicklung und das heisst nicht verpassen, sondern dazugewinnen.


    Warum glaubst, Du dass Du andere und ihre Erwartungen enttäuschen würdest? Und: wen meinst Du damit? Menschen Deiner näheren Umgebung, die vielleicht bisher nicht gemerkt haben, was mit Dir los ist? Wenn das so ist, dann sind sie wohl zunächst ein wenig erschrocken, je nachdem auch ein wenig enttäuscht. Aber sie werdens überleben, hoffentlich damit umgehen können und Dich verstehen, wenn das unter Umständen auch Zeit braucht. Ich finde: Du bist 16, Du musst auf Dich schauen (und zu Dir), es geht hier um Dich, um Dein Leben, um Deine Zukunft.


    Du schreibst noch, dass Du befürchtest, dass sich die Leute über Dich das Maul zerreissen. Lebst Du in einem Dorf? Dann kannst Du für eine Therapie vielleicht in einen grösseren Ort gehen.


    Ich würde mich nicht per Mail irgendwo melden! Ruf besser an, sag, dass Du vielleicht eine Therapie machen möchtest, Dir aber noch nicht sicher bist und gerne einen Termin für ein Vorgespräch hättest. Dann geh einfach mal hin und schau, was sich ergibt. Das verpflichtet Dich nämlich zu überhaupt nichts. Und Du kannst nachfragen, wie eine solche Therapie ablaufen würde, ob Du mit Deinem Problem überhaupt am richtigen Ort bist. Und würdest auch gleich sehen, ob Dein Gegenüber Dir sympathisch ist, was ja so sein müsste.


    Also, ich wünsche Dir alles Gute. Und dass Du den Mut hast, etwas zu unternehmen, egal ob morgen oder in einem halben Jahr.

    War selber 2 Jahre in Therapie....
    ....und es hat mir sehr geholfen!
    Ich hatte 2 Selbstmordversuche hinter mir und meine Eltern "wollten" damals nicht, dass ich eine Psychotherapie mache zwecks gutem Ruf u.s.w.! Für mich wars jahrelang die Hölle, bin von einer Scheisse in die Andere gerutscht (Beziehungen, Arbeit, falsche Freunde, Alkohol, Drogen! Ich hatte nur noch Depressionen und war zu nichts mehr in der Lage! Irgendwann war ich dann soweit, dass ich mir wieder das Leben nehmen wollte, weil ich einfach überhaupt keinen Ausweg gesehen habe! Meine Schwester arbeitet "gottseidank" in einer "Psychoklinik" und ich habe mich dann dazu entschlossen dort eine Therapie zu machen! Ich habs genau 1 Woche dort ausgehalten, dann bin ich "auf eigene Verantortung" wieder heim! Ich hätte da mind. 2 Monate drinnenbleiben müssen, aber das konnte ich einfach nicht machen! Ausserdem war mir klar, wenn ich wieder rauskomme, dann gehts wieder ganau so weiter wie zuvor, weil sich ja an meinem Umfeld nix ändern würde! Sie haben mich nur unter der Bedingung entlassen, wenn ich eine ambulante Psychotherapie mache! Das habe ich auch getan, fast 3 Jahre lang! Am Anfang 2 mal in der Woche, dann 1 mal in der Woche und dann immer weniger, bis es mir so "gut" gegangen war dass ich meinen Weg alleine gehen konnte! Die Therapie war absolut kein Zuckerlecken, weil du erst deine Vergangenheit komplett und gnadenlos durch Gespräche mit der Psychologin aufarbeiten musst! Und da bin ich oft tagelang nur drinnengesessen und hab nur noch geheult! Aber irgendwann ist der Punkt gekommen, da gings immer wieder ein bisschen aufwärts! 2 Schritte vor, einen zurück, 2 Schritte vor, und einen zurück! Es hat lange gedauert, aber heute gehts mir gut! Ich bin umgezogen, hab meinen "Freundeskreis" radikal ausgemistet, hab einen total lieben Freund gefunden! Hab die Meisterschule und Meisterprüfung gemacht und hab jetzt auch eine super Stelle bekommen! Das wäre heute alles nicht so, wenn ich mich damals nicht durchgerungen hätte die Therapie zu machen! Es war ein harter Weg, aber es hat sich gelohnt! Ich wünsche Dir viel Glück! Du musst es nur zulassen! Es geht alles, man muss nur wollen!

    ...ach ja und noch etwas....
    Was die anderen Leute sagen, von wegen du seist verrückt oder so! Scheiss drauf, die sollen froh sein, dass es Ihnen nicht so geht! Wenn man sich einen Arm bricht, dann ist man krank und dann geht man zum Doc! Bulimie ist auch eine Krankheit! Das ist nichts wofür man sich schämen muss! Mach Dir wegen den Anderen keinen Kopf was die sagen! Das ist Dein und nur Dein Leben! Mach das Beste daraus!