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jesusa_11864105

  • 29. Sept 2014
  • Beitritt 8. Mai 2014
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  • Beruhige dich
    Als erstes: du bist KEIN schlechter Mensch.


    Ich kenne das Gefühl, das du hast. Bei mir kam es nicht während der Schwangerschaft, da war ich noch der Ansprechpartner für jeden. Klar, Kommentare wie bei dir, kamen auch "ohh, kriegt der kleine heute das erste Mal..." Das gehört irgendwie dazu, aber das scheint bei deinem Mann und deiner Verwandtschaft überhand zu nehmen.


    Bei mir war es erst nach der Geburt richtig heftig und dann beim Stillen. Da kam sowas andauernd. "Oh, es gibt Steak, das kriegt der Kleine dann morgen früh zum Frühstück." Wenn jemand angerufen hat wurde ich nicht gefragt "na, wie gehts dir?" sondern "wie gehts dem Kleinen? alles okay bei euch?" Es ist, als existiert man als Mensch gar nicht mehr, sondern ist nur noch ein Mittel zum Zweck der Erfüllung der Aufgabe der Babyversorgung.


    Klar fühlt man sich da irgendwie unnötig! Ich kann dich da voll verstehen.


    Aber glaub mir: deine Kleine braucht dich. Und sonst erst Mal eigentlich niemanden. Du bist nicht unnötig! Wenn die Kleine da ist, dann wirst du am allermeisten gebraucht.


    Wenn du das Gefühl hast, jemand hat mehr Interesse an dem Kind als an dir: sag es demjenigen. Oder tu es verdeckt: "ja, ihr gehts gut, mir übrigens auch, danke der Nachfrage." Dann denken die Leute meistens etwas nach.


    Glaub mir: du bist nicht allein. Ich bin mir sicher, viele Mamis und werdende Mamis kennen das.


    Kopf hoch. Du bist wegen dieses Gefühls kein schlechter Mensch, sondern einfach ein Mensch. Ein ganz normaler Mensch.

  • Hallo ihr Lieben!


    Ich muss hier jetzt einfach mal meine Story loswerden, vielleicht hilft es mir ja schon, wenn ich es Mal von der Seele rede.


    Zuerst mal: ich bin 23 Jahre jung, mein Mann ist 27 und unser kleiner Sonnenschein ist jetzt ein halbes Jahr alt.


    Mein Mann und ich, wir haben uns bewusst entschieden, den Kleinen zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon einige Probleme zusammen bewältigt, bspw. die Spielsucht meines Mannes. Als wir uns verlobt haben, entschieden wir uns, die Pille abzusetzen und zu sehen was passiert.
    Und tatsächlich war ich zwei Monate später schwanger.


    Meine Schwägerin war kurz vor mir schwanger geworden, also eigentlich alles so ideal wie es sein konnte. Klar, es gab noch Geldsorgen, ein Umzug in den Heimatort meines Mannes stand an, aber das wäre alles zu bewältigen gewesen.


    Wir zogen also letzten Oktober, da war ich im 3. Monat schwanger, um, damit wir wieder näher am Arbeitsplatz meines Mannes waren. Mein Mann hat zu dem Zeitpunkt nämlich in der Firma seines Vaters gearbeitet und sollte diese auch in einiger Zeit übernehmen.


    Als nun der Umzug durch war und endlich alles scheinbar zur Ruhe kam (ja, Kinderzimmer war schon eingerichtet, alles notwendige zu Hause, Nestbautrieb also quasi gestillt bis auf einige Arbeiten am Haus, da es ein Altbau von 1937 ist, da ist immer was zu tun), kam allerdings ein neuer Schock.


    Mein Schwiegervater wurde am 03.12. wegen einem auffälligem EKG in die Klinik geschickt - und sollte diese auch nicht mehr verlassen. Die Zeit, in der er im Krankenhaus war, war für uns alle hart. Ich habe meinen Schwiegervater fast wie meinen eigenen geliebt.
    Die Stiefmutter meines Mannes besuchte ihn natürlich täglich, wobei wir sie auch unterstützten. Wir dachten wir hätten ein gutes Verhältnis zu ihr, immerhin war ich jeden Nachmittag nach der Arbeit bei ihr und meinem Schwiegervater, damit die Fahrtkosten meines Mannes und mir möglichst gering blieben. Allerdings war sie in der Zeit, in der mein Schwiegervater im KH war, schon sehr seltsam, was wir ihr aber nicht übel nahmen, schließlich war es ihr Mann um den es ging. Sie nahm nicht mal an dem Essen nach unserer standesamtlichen Hochzeit teil.


    Mein Schwiegervater hat sich bei unserem letzten Besuch richtiggehend von mir und meinem Mann verabschiedet. Er machte mir drei Kreuze auf die Stirn, gab mir einen Kuss, legte seine Hand auf mein Schwangerschaftsbäuchlein und sagte "Pass immer gut auf den Kleinen auf.". Man merkte richtig, wie gern er den Kleinen noch kennen gelernt hätte.


    Der richtige Terror ging in dem Moment los, in dem mein Schwiegervater starb. Das war am 24.12.2013. Zwei Tage später musste mein Mann den Firmentransporter, der über die Winterpause bei uns vor der Haustür stehen bleiben sollte, bei einer befreundeten Spenglerei abgeben, angeblich zur Inventur. Unter Tränen fuhren mein Mann im Transporter und ich im Golf hinterher zu dem Ort, wo wir den Transporter abstellen sollten.


    Weitere zwei Tage später entließ die Stiefmutter meinen Mann endgültig aus der Firma. Wohlgemerkt war ich da bereits in er Hälfte meiner Schwangerschaft. Mein Mann hatte also innerhalb von vier Tagen nicht nur seinen Vater verloren, sondern auch seine Perspektiven sich und seine Familie zukünftig zu versorgen.


    Das haute ihn förmlich um. Wochenlang war er kaum ansprechbar, aß kaum und spielte rund um die Uhr Spiele auf der Spielekonsole, gab dafür sogar all unser Geld aus.
    Hinzu kam, dass das Arbeitsamt aufgrund fehlender Unterlagen das erste Mal erst Ende Februar zahlte: Bis dahin hatten wir alle Ersparnisse aufgebraucht, alle Bausparer aufgelöst und rein gar nichts mehr in der Hinterhand.


    Zu der Zeit bin ich oft mit unserem Welpen draußen im Schnee gestanden, habe geweint und mich bereits da bei unserem ungeborenen Sohn entschuldigt, wenn wir ihm vermutlich nicht bieten können würden.


    Über meine Schwägerin erfuhren wir, dass die Stiefmutter mittlerweile überall mit der Behauptung hausieren ging, mein Mann wäre schuld am Tod seines Vaters. Das erzählte die Dame öffentlich, im Friseursalon meiner Schwägerin. Von überall her kam das Echo, sogar bei der Tante meines Mannes rief die Stiefmutter an und wollte ihr das weiß machen.


    An der Beerdigung, welche nur die Stiefmutter mit dem Diakon zusammen vorbereitet hat, wurden mein Mann und seine Schwester als Kinder des Verstorbenen vollkommen ignoriert. Sie wurden wie folgt erwähnt: "Er hatte zwei Kinder aus zweiter Ehe." Das wars. Wir waren geschockt und jeder der ihn kannte ebenfalls. Jeder wusste, dass er alles in seinem Leben nur für seine Kinder gemacht hat.


    Im Januar mussten wir den Golf abgeben, unser einziges Auto zu diesem Zeitpunkt, das wir an die Firma monatlich abbezahlten. Sie räumte uns keine Möglichkeit ein das Auto bei ihr rauszukaufen, sie teilte uns bloß telefonisch mit, dass wir das Auto am 13.01. bei einem Autohaus ihrer Wahl abstellen sollten. Schweren Herzens taten wir dies, unser Trauzeuge musste uns dann dort abholen, weil wir sonst nicht mehr nach Hause gekommen wären. Nun standen wir da, ohne Auto, ich schwanger. Wir hatten nicht mal mehr die Möglichkeit, einkaufen zu fahren.
    Gott sei dank sprangen meine Eltern in die Bresche, sie ließen unser 3er Cabrio mit einer Ganzjahreszulassung zu und brachten ihn uns. So waren wir zwar mobil, aber für eine schwangere Frau war das Gefährt dauerhaft nicht geeignet. Ich konnte kaum ein- und aussteigen.


    Im Februar, wir waren gerade auf einem Kinder-Flohmarkt um eventuell noch Babysachen zu kaufen, rief uns unser neuer Vermieter an. Die Stiefmutter meines Mannes hätte bei seiner Frau angerufen und erzählt dass mein Mann nicht mehr in ihrer Firma arbeitet, wir also vermutlich die Miete nicht mehr zahlen könnten. Unsere Vermieter sollen sich doch überlegen, ob sie uns wirklich in dem Haus würden wohnen lassen wollen. Mir kam es so vor, als würde man mir den Boden unter den Füßen wegziehen.
    Gott sei dank konnten wir das mit dem Vermieter klären und dessen Einstellung war letztlich, dass er seinen Mietvertrag mit uns hat. "Und solange ihr alles pünktlich zahlt kann die **** ********* erzählen was sie will."


    Zudem ist seit dem Tod ein Streit um das Erbe entbrannt. Das Testament wurde tatsächlich mehrere Monate nach dem Tod meines Schwiegervaters eröffnet. Und in diesem wurden beide Kinder enterbt. Aufgesetzt wurde das Testament in dem einen Jahr, in dem mein Schwiegervater mal Weihnachten nicht mit seinen Kindern verbracht hat. Alles sehr mysteriös.


    Wir entschieden uns nach reiflicher Überlegung, dass mein Mann es mit der Selbstständigkeit probieren sollte. Mittlerweile läuft es ganz gut.
    Noch an demselben Tag, an dem wir beim Gewerbeamt zur Anmeldung waren, platzte mir nachmittags die Fruchtblase: 7 Wochen zu früh.


    Einige Stunden später war unser Kleiner dann da, wir mussten allerdings noch 10 Tage im Krankenhaus bleiben. Zuerst zur Beobachtung seiner Lungen, da ja das Stadium der Lungenreife eigentlich noch nicht erreicht war, danach wegen Gelbsucht. Gott sei Dank überstand der Kleine alles gesund, aber für mich war es sehr stressig.


    Ich hatte mir das mit der Geburt eigentlich fast romantisch vorgestellt. Klar, zuerst Geburtsschmerz und -stress, aber danach kuscheln mit dem Kind, es gleich kennen lernen, anlegen... All das blieb mir verwehrt. Der Kleine ging in den Brutkasten, ich durfte ihn nur zum essen/wickeln und einmal am Tag zum Känguruhen herausnehmen. Ich stand lange vor dem Brutkasten und verkniff mir das weinen. Einmal kamen mir die Tränen doch aus, da tröstete mich eine nette Schwester der Neointensiv.


    Ansonsten war ich in der Zeit kaum Mutter. Die zehn Tage im Krankenhaus machte ich unsere Steuererklärung, viel Papierkram für die Firma (Fragebögen der Handwerkskammer, Berufsgenossenschaft u.u.u.). Ich pumpte zwar alle paar Stunden Milch ab, aber das war es auch schon. Mir fehlte irgendwie diese Verbindung zum Kind.


    Und auch danach die Zeit daheim war schwer und schlimm. Ich fühlte mich mehr wie eine rund-um-die-Uhr-Nanny als wie eine Mutter, da ich immer noch abpumpte und dann alles per Fläschchen verabreichte.


    Als ich dann endlich anfangen konnte, den kleinen anzulegen, funktionierte es zuerst nur mit Stillhütchen.
    Das hatte bei meiner enormen Überproduktion allerdings ein Abklemmen von Milchgängen zur Folge: Milchstaus bahnten sich an.


    Zuerst die rechte Brust, hart und schmerzhaft. Dann die linke. Und dort ging es nicht mehr weg, sondern wurde eine Mastitis. Ich konnte mich kaum rühren, so schlecht ging es mir. Dann war es kurz weg, kam aber keine zwei Wochen später in der rechten Brust wieder. Ich war so kurz davor abzustillen und die Flasche zu geben. Was auch daran lag, dass meine Hebamme kaum für mich da war, sie schien eher genervt von meinen Problemen und kommentierte "Na, also so lange wie sie hat mich ja noch nie jemand gebraucht". Seitdem habe ich mich nicht mehr getraut sie zu rufen. Eine andere Hebamme hatte keine Zeit mehr.


    Ich zog es also allein durch und irgendwie klappte es. Meine Probleme mit der Brust gingen zurück, ich konnte das Stillhütchen weglassen und es funktionierte mit dem Stillen. Endlich. Und endlich stellte sich auch langsam ein Gefühl von Muttersein ein.


    Allerdings dauert es lange.


    Ich bin sehr abgelenkt, viel gestresst von der ganzen Geschichte mit dem Anwalt wegen dem Erbe und Unterlassungsgeschichten. Der Papierkram der Firma hält mich auch etwas auf Trab. Der Hund will regelmäßig Gassi gehen und ich bin zum ersten Mal irgendwie daheim, sodass ich mich um den Haushalt kümmern kann/muss.


    Zwischendrin wurde uns schon das Jugendamt auf den Hals gehetzt, wir können nur vermuten wer es war, da der Brief "Anonym" einging. Es wurde festgestellt, dass hier alles bestens ist für den Kleinen und dass es nichts zu beanstanden gibt.


    Ich fühle mich oft überfordert, als ob an allen Ecken und Enden an mir gezogen wird.
    Seitdem ich mir einen Wochenplan gemacht habe, nachdem ich mir meine Haushaltsarbeiten aufteile, wurde es etwas besser. Ich konnte tagtäglich abhaken was ich geschafft hatte, das gab mir ein gutes Gefühl.


    Seitdem ich jetzt nicht mehr stille und auf Flasche umgestiegen bin. Es stresst mich, dass er dabei wieder weint wie anfangs beim Stillen. Das war mittlerweile so schön, ein ran an die Brust und los. Außerdem mache ich mir jetzt wieder Gedanken: "Trinkt er genug? Nimmt er genug Flüssigkeit auf? Kriegt er genügend Kalorien?" Alle diese Sorgen hatte ich vor dem Abstillen nicht, da war ich felsenfest davon überzeugt, er bekommt was er braucht.


    Vor dem Abstillen bekam er morgens und vormittags die Brust, Mittags, Nachmittags und Abends schon Gläschen und Brei.


    Die Milch aus der Falsche nimmt er meistens nicht ganz (ca. 50 von 235 ml bleiben über), ein Fläschchen mit Wasser nimmt er gar nicht, auch wenn ich es immer wieder anbiete.


    All die Sorgen, mir kommt es einfach so vor als wäre meine Batterie alle.
    Ich war immer eine starke Frau, hab mich nie unterkriegen lassen. Nur jetzt sitze ich oft auf der Wohnzimmercouch und weine. Mit meiner Mutter kann ich nicht reden, die schaut mich dann immer so mitleidig an. Freundinnen habe ich nicht, die haben mich alle irgendwann hintergangen, weswegen ich sie abserviert habe. Meine Schwägerin möchte ich damit nicht "belasten", sie hat ja auch ihren Kleinen daheim, außerdem fühle ich mich unfähig wenn ich sehe, wie sie alles hinkriegt und ich so schwimme.


    Mein Mann und ich sind uns beide sicher, dass ich wohl in einer Depression oder zumindest depressiven Phase stecke, allerdings wollte ich noch nicht zum Psychologen, weil ich mir der Situation bewusst bin. Ich sehe nur gerade noch keinen Weg hinaus.


    Wie kann ich gleichzeitig Mutter, Haushälterin, Sekretärin, Freundin und Frau sein? Und noch dazu stark genug, gegen den Terror der Stiefmutter und deren Lakeien anzukämpfen?
    Wie kann ich meinen Sohn endlich so lieben, wie er es verdient hat? Wenn ich sehe, dass er sein Fläschchen nicht genügend trinkt bekomme ich Panik und werde fast krank vor Sorge...


    Habt ihr irgendwelche Tipps? Ich wäre euch sehr dankbar.


    Liebe Grüße,
    Pfiffysue