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catherine1966

  • 27. Nov 2004
  • Beitritt 27. Nov 2004
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  • Wie Du ihn überzeugen kannst?
    Liebe Levsk,


    Dein Freund hat doch momentan alles, was ein Mann braucht:


    Jede Nacht seine Freundin im Bett und keinerlei Verpflichtung.


    Warum sollte er diesen Zustand ändern wollen?


    Mach Dich rar, schlaf nicht mehr jede Nacht dort, und vor allem laß ihn auch mal zu Dir rüberkommen, mach es ihm doch nicht so bequem!


    Entweder kommt er dann auch auf den Trichter, oder er will es eben partout nicht, dann ist es die Frage, ob das daran liegt, daß er Dich nicht richtig liebt, und Du für ihn nur eine Zwischenlösung darstellst, oder ob er eben einfach andere Vorstellungen von einer Beziehung hat als Du.


    Nur weil die meisten Menschen zusammenziehen, heißt das noch lange nicht, daß es daneben keine anderen Beziehungsformen geben darf. Ich kenne ein älteres Paar, die leben bereits seit über 40 Jahren in zwei getrennten Wohnungen, sind beide unverheiratet, aber waren all die Jahre lang miteinander verbandelt. Das ist selten, aber sowas gibt es - und ich finde, entweder man toleriert diese Einstellung, oder man muß es eben lassen.


    Catherine
    bzw. Murmel (mein Kosename)

  • Ich weiss nicht, ob ihr wisst, was ich meine.
    Liebe Maxi,


    oh ja, das weiß ich!


    Nach der Schule bin ich in den 80ern für 18 Monate nach Toronto gegangen, als Haushaltsangestellte. Es hat mir dort zwar nicht besonders gut gefallen, hatte auch Heimweh vom ersten bis zum letzten Tag, aber dennoch: Bei meiner Rückkehr stellte sich die große Entfremdung ein!


    Erstens hatten die meisten Menschen, die ich bei meinem Weggang anderthalb Jahre zuvor zurückgelassen hatte, die Lücke inzwischen aufgefüllt. Es war erschreckend zu sehen, wie gut das Leben auch ohne mich weitergegangen war, offenbar hatte mich niemand so schmerzlich vermißt, wie ich umgekehrt sie!


    Und dann drehte ich den Fernseher auf, war überglücklich, mir endlich wieder deutsche Sendungen anschauen zu können: Tagesschau, Sportschau, Dalli-Dalli, was weiß ich. Und was war? Oh Graus... die eigene Sprache klang dermaßen metallisch, daß ich sie kaum noch ertragen konnte! Ich habe ein halbes Jahr lang nur noch BFBS gehört, und bis heute schaue ich mir englischsprachige Filme bevorzugt im Original an, oder zumindest mit Untertiteln, auf jeden Fall nicht mehr in synchronisierter Form.


    Was das Kleinstädtische betrifft: Auch das habe ich gespürt, aber das ist kein nationales, sondern ein Milieuproblem.


    Du bist jetzt sozusagen eine Weltbürgerin, hast Deinen Horizont jedenfalls kräftig erweitert. Und das ist gut so!


    Weißt, bei mir war es früher zuhause oft so, daß Diskussionen seitens meiner Eltern mit dem Satz beendet wurden: "Das ist eben so." oder "Es gibt nichts anderes." "Glaub mir, wir sind älter als Du, und wir wissen das."


    Und dann kam ich ins Ausland, in andere Familien, und siehe: Es war eben nicht so, und es ging auch anders! Und auch wenn ich nicht der Typ Mensch bin, der alles toll findet, nur weil es anders ist, Hauptsache "trendy": Jetzt konnte ich ganz anders argumentieren, wenn daheim Diskussionen aufkamen!


    Ich gebe mal ein Beispiel:
    Meine Eltern sind stockkonservative Katholiken. Daß eine Frau mit vier Kindern berufstätig sein kann, steht für sie völlig außer Frage.


    Aber die letzte Familie, für die ich in Kanada gearbeitet habe, hatte auch vier Kinder, und beide Eltern gingen arbeiten, es gab dort Ganztagsschulen, es gab mich (hab mich tagsüber um alles gekümmert), und der Mann hat natürlich auch mitgeholfen, das war für den SELBSTVERSTÄNDLICH! Und die Kinder waren eben nicht automatisch "verkorkst" - das waren ganz normale, liebe Jungs, und von Seelenkrüppeln weit entfernt, auch keine Spur von Verwahrlosung, ganz im Gegenteil!


    Zuvor kannte ich solche Lebensweisen nicht, was Wunder, in einer Kleinstadt würde das ja auch sofort diskriminiert, Frauen, die von sowas träumen, werden als widerliche Emanzen hingestellt oder schlicht als spinnert miesgemacht und die allermeisten Männer auf dem Land bzw. in der Kleinstadt würden eher nach Polen fahren und sich dort ein einfaches Bauernmädchen suchen, als ihre Bequemlichkeit aufzugeben.


    Doch auch in Deutschland geht es anders: In den Großstädten. Und da wiederum erst ab einem gewissen sozialen Niveau.


    Wenn es Dich so in die Ferne zieht, rate ich Dir, Dich nach dem Studium beim Auswärtigen Amt zu bewerben, oder auch bei internationalen Organisationen: EU, UNO, etc. Die sitzen an attraktiven Standorten, bieten die letzten wirklich sicheren Arbeitsplätze bei guter bis hervorragender Bezahlung, aber vor allem sind sie bis über die Ohren besetzt mit weltoffenen Menschen! Menschen, deren Eltern schon multinationale Ehen hatten, lange bevor man in Deutschland anfing drüber nachzudenken, ob wir nun ein Einwanderungsland sein wollen oder nicht. Menschen, die so mobil und flexibel sind, daß es sie nicht interessiert, ob ihr Brötchengeber sie heute nach New York, oder morgen nach Warschau entsendet. Menschen, die sensibel und anpassungsfähig genug sind, im Ausland zurechtzukommen, ohne daß es in Anbiederung ausartet und vor allem ohne zu vergessen, wo sie herkommen.


    Ich selbst bin damals übrigens in eine deutsche Großstadt gezogen, und nie wieder hat es mich in die Kleinstadt zurückgezogen, aus der ich stamme. Inzwischen lebe ich seit zwei Jahren im Ausland und fahre bzw. fliege eigentlich nur noch hin, um meine alten Eltern zu besuchen.


    <<Und ich weiss auch nicht, was ich hoeren will.


    Ja, das kann ich mir gut vorstellen!


    Ein guter Rat - nachdem Du selbst drum gebeten hast, bitte ich Dich, ihn nicht als Schlag zu betrachten:


    Laß Dir um Himmels willen niemals einreden, mit Dir "stimme was nicht", oder daß Du ein "Alien" seist!


    Du bist total normal, und ich denke, wenn Menschen so auf Dich reagieren, dann hat das auch viel mit unterschwelligem Neid zu tun! Du hast Dich sehr viel getraut und noch mehr erreicht, und da kannst Du völlig zu Recht sehr stolz drauf sein!


    Sicher mußt Du Dein Mehrwissen jetzt nicht bei jeder Gelegenheit raushängen lassen, aber bitte geh Deinen Weg weiter, laß Dich nicht aufhalten - wenn Du Dich jetzt auch beruflich entsprechend weiterentwickelst und man Dich erneut ins Ausland entsendet, wirst Du irgendwann ganz von selbst in Kreise kommen, wo Mobilität als selbstverständlich gilt!


    Natürlich tut es weh, sich von gewohnten Dingen zu verabschieden. Erkennen zu müssen, daß das Leben, das man bisher kannte (und durchaus schätzte!) noch längst nicht alles ist. Auch die Einsicht, daß die Eltern eben nicht mit allen Dingen recht haben, kann schwer sein, wenn man sie sehr liebt.


    Und noch was:
    Wenn Du jahrelang im Ausland lebst, womöglich auch noch mehrfach die Länder wechselst, dann kann es Dir tatsächlich widerfahren, daß Du irgendwann, wenn Du in der Pension heimkehrst, feststellst, daß die Heimat Dir fremder geworden ist als die Fremde selbst.


    Sei Dir dessen immer bewußt, und achte darauf, daß Du weder die Heimat, noch die Fremde zu sehr idealisierst! Ich kenne einige Auslandsdeutsche, die bilden regelrechte Kolonien und grenzen sich gegenüber den Einheimischen total ab, träumen davon, irgendwann heimzukehren - dabei hat ihre deutsche Heimat sich gerade in den letzten 20 Jahren dermaßen verändert, daß es mich nicht wundern würde, wenn es sie geradewegs in die Fremde zurückziehen wird, wenn sie erst mal wieder dort leben werden!


    Aber noch schlimmer finde ich jene Auslandsdeutsche, die ständig nur über ihre Heimat herziehen und alles andere schon allein deshalb besser finden, weil es anders ist; sind sie aber erst mal alt und krank, dann ist ihnen die deutsche Sozialversicherung doch wieder gut genug, und sie erwarten mit aller Selbstverständlichkeit, daß die Heimat sie wieder mit Begeisterung aufnimmt!


    Hüte Dich davor, in eines dieser beiden Extreme zu verfallen, denn beides tut Dir auf Dauer nicht gut; bewahre Dir eine gewisse Heimatverbundenheit, lass zuhause nicht zu sehr raushängen, daß Du im Ausland deutlich mehr verdienst, mit weitaus weltoffeneren Menschen verkehrst und daß Du vielleicht viel mehr reist, siehst und erlebst als sie - für Überheblichkeit besteht auch gar kein Grund, denn die Menschen daheim leben zwar anders, aber auch ihr Leben ist durchaus sinnerfüllt, sie haben eben ihr Häusle, ihre Kinder, ihre Verwandten, ihren Schützenverein, ihren Kirchenchor, ihren Karnevalszug... was soll's?


    Jeder nach seiner Facon.


    Bewahre Dir Toleranz und Respekt gegenüber diesen Menschen, aber forder ihn auch dahingehend für Dich selbst ein, daß Du Deinen Weg weitergehen darfst, ohne Dir ständig blöde Sprüche und unangemessene Kritik anhören zu müssen.


    Glaub mir, es wird schon.


    Murmel