Ich bin ein arabischer junger Flüchtling aus dem arabischen Raum, der in Deutschland seit einigem lebt.


Ich bin völlig integriert, bin staatlich vollständig anerkannt, ich nehme gar keine Hilfe weder vom Staat noch von irgendwem, beruflich habe ich in kürzester Zeit sehr große Schritte gemacht, arbeite Vollzeit in einer Firma, habe meine eigene Wohnung gemietet, habe mein eigenes Auto, habe eine deutsche Freundin die ich vor allem liebe, und ich habe eher einen größeren deutschen Bekanntenkreis als einen arabischen, und spreche ziemlich gut Deutsch ..


Langsam bekomme ich das Gefühl, an der Identität schrittweise verloren zu haben und dafür an der Integration gewonnen zu haben. Vor allem nimmt langsam meine Verbindung zu meiner Religion ab, ich faste zu diesem Ramadan zum 1. Mal meines Lebens nicht. Sogar im Kopf denke ich eher auf Deutsch als auf Arabisch ..


Ist es wirklich so ? Lässt sich die Identität mehr oder weniger vernachlässigen wenn man sehr integriert ist ? Muss das Verhältnis zwischen Integration und Identität antiproportional sein ? Woran könnte meine dieser Wandel bei mir liegen ?


Intolerante Rechtsradikalen bzw. religiöse Fanatiker dürfen gerne ihre angreifende Hasskommentare für sich behalten.


Ich freue mich auf eure Meinungen ..


LG

Ein bisschen von allem.
Deine Lebenswelt ist größer geworden, daher nehmen die alten Anteile prozentual weniger Platz ein. Die Prioritäten verschieben sich, wenn man voll im Leben steht, Beruf und Freundin(die eigene neue Familie) werden wichtiger.
Dazu kommt das Leben in einer säkularen Welt, in der die Religiösität mehr ein Hobby als einen Lebensinhalt darstellt, das färbt ab.


Du verlierst Deine Identität nicht, Du veränderst Dich bloß und das tun wir alle, wenn sich unsere Lebensumstände ändern. Schau Dir mal die Veränderung an bei Menschen, die Eltern werden, das ist das krasseste Beispiel, das mir einfällt.

Es ist ein bisschen so, als ob man als Kind zu ersten mal richtig hoch auf einen Baum klettert und dann merkt, dass die Welt doch so viel Grösser ist als bisher gedacht.
Auf einmal fühlt man sich ganz klein, verloren wie ein Wassertropfen in einem See.
Später dann, wenn man als Erwachsener den Ort seiner Kindheit besucht fragt man sich, wie einem dieser Baum jemals als so Riesig erschienen sein konnte.
Alleine durch das, was du erlebt hast hat sich dein Horizont erweitert.
Nicht Du selbst bist kleiner geworden, sondern dein Blickfeld grösser.
Deine Identität, was dich Selber ausmacht, hat aber nur bedingt damit zu tun, wie du aussiehst,oder woher du kommst.
Deine Identität ist vor allen Dingen deine Entscheidung. Du bestimmst, wer und was du sein möchtest. Und nur Du hast das recht, diese Entscheidung zu fällen und zu tragen.
Und die jeweiligen Konsequenzen daraus zu ziehen, so nebenbei.
Deine identität, das was du als dein Selbst wahrnimmst, hat aleine die grenzen die du setzt.
Natürlich hat deine herkunft, Umgebung, Soziales Umfeld etc etc. einen Einfluss. Aber mit der nötigen inneren Stärke kannst du alles sein.