China Lady deine Wünsche sind mir egal ..aber deine Ausage ist
im Bezug China und Sex sind .... :-(
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Sex und Lügen in China
Zwar sind Pornographie und Prostitution verboten, doch der Frauenhandel blüht, und die Polizei hebt immer wieder als Karaoke-Bars getarnte Bordelle aus, in denen Entführungsopfer als Sex-Sklaven arbeiten, oft mit Wissen der von Mafiosi unterwanderten Partei. Eheschließungen von Schwulen oder Lesben, die hierzulande Genossen oder Lalas heißen, werden vom Staat geduldet, obwohl sie illegal sind, aber China ist weit entfernt von einem unverkrampften Umgang mit Sexualität, wie der folgende Kurzbericht aus China Daily beweist: "Ein Mann und seine Freundin bekamen Ärger mit der Polizei, als sie am Randstreifen der Autobahn anhielten, um sich zu küssen. Der Fahrer musste ein Bußgeld von 200 Yüan bezahlen und bekam sechs Strafpunkte im Verkehrsregister. Huang aus Hubei hatte seine Freundin einen Monat lang nicht gesehen und kurz zuvor am Flughafen abgeholt. Wie sich herausstellte, war er ein vorbestrafter Verbrecher und wurde wegen Fahrerflucht von der Polizei gesucht."
Anders als es der in den 60er Jahren populäre Werbeslogan "Genuss ohne Reue" einst versprach, ist sexuelle Lust in China nach wie vor mit Schuldgefühlen behaftet, die nicht in christlichem Sündenglauben wurzeln, sondern in der traditionellen Unterordnung des einzelnen unter das Kollektiv, der Kinder unter die Eltern und der Frau unter den Mann: Für selbstbestimmte Individuen war und ist in der konfuzianischen Ethik kein Platz.
Das wird deutlich an einem Fall, dessen Pro und Contra, mehr als ein bloßes Fait divers, die chinesische Öffentlichkeit erregt und in feindliche Lager gespalten hat. Eine 21-jährige Kellnerin namens Deng Yuqiao erstach mit einem Obstmesser den 44-jährigen Leiter eines Business-Promotionsbüros in Badong und verwundete dessen Angestellten, nachdem sein Vorgesetzter sie sexuell belästigt und auf ein Sofa geworfen hatte, um sie zu vergewaltigen. Die Staatsanwaltschaft der Provinz Hebei folgte der Aussage des leicht verletzten Mitarbeiters, wonach sein Chef die junge Frau lediglich "geschubst" habe, weil sie den von ihm erbetenen "special service", sprich: Sex, verweigerte, und klagte sie wegen Totschlags an. Die Eilfertigkeit, mit der Polizei und Justiz die Kellnerin unter Tatverdacht stellten, löste einen Sturm der Empörung aus, der sich in Abertausenden Internet-Blogs niederschlug und zwei prominente Anwälte veranlasste, sich des Falles anzunehmen, während die Gegenseite behauptete, die Frau sei geistesgestört: Außer ihrer Zeugenaussage gäbe es keinen Beweis für eine versuchte Vergewaltigung, da sie, um Spuren zu verwischen, nach der Tat ihren Slip gewaschen habe - schmutzige Wäsche im wahrsten Sinn des Wortes.
Die Erörterung solch intimer Details dient nicht nur dem Voyeurismus der Leser - es geht um mehr: Der Fall ist ein Gradmesser für die demokratische Reife der chinesischen Gesellschaft, die traditionell dazu neigt, nicht die Täter, sondern die Opfer für schuldig zu erklären - je nach deren Stellung in der sozialen Hierarchie. Weniger kontrovers war die Diskussion um einen rabiaten Autofahrer in Schanghai, der einen Selbstmordkandidaten von einer Brücke stieß, nachdem dieser stundenlang den Verkehr blockiert hatte. Der Angreifer habe richtig gehandelt, hieß es in Internet-Kommentaren, denn dem potenziellen Selbstmörder sei sein echtes oder eingebildetes Leiden wichtiger gewesen als das Interesse der Allgemeinheit am ungehinderten Autoverkehr. Dass der an Liebeskummer leidende Mann auf einem von Polizisten gehaltenen Sicherheitsnetz weich gelandet ist, wird als quantité négligeable erst im Nachsatz mitgeteilt.
Hans Christoph Buch lebte bis vor kurzem als "Writer in Residence" in Hangzhou, China. Sein Roman "Sansibar Blues" erschien 2008 in der Anderen Bibliothek bei Eichborn.
Also Deutschland ist Wunderbar ..