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Wie lange trägt man Trauer?

 

Am 17. Juli ist mein Vater gestorben. Ich bin sehr traurig und mitgenommen deswegen, weil ich in den letzten Jahren eng mit ihm zusammengearbeitet habe und er mir furchtbar fehlt, auch wenn wir lange ein schwieriges Verhältnis hatten. Für mich war sofort klar, daß ich Trauer trage, auch wenn das offenbar nicht mehr üblich ist, aus der Familie tut es sonst keiner. Im Moment ist natürlich noch nicht daran zu denken, daß ich damit wieder aufhöre, schließlich war noch nicht einmal die Trauerfeier, aber ich überlege momentan, wie lange man 'üblicherweise' Trauer trägt. Weiß das hier jemand? Alle, die ich bisher gefragt habe, haben irgendwelche schwammigen Antowrten gegeben, so in Richtung 'so lange, wie man sich eben danach fühlt', aber es muß ja auch übliche 'Richtwerte' geben. Kann mir jemand helfen?

kleineente


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Ziemlich lange

Hallo kleineente,

ich habe das gleiche Los.
Nach meiner eigenen überstandenen Krebserkrankung eröffnete mir der Hausarzt meines Vaters im Juni 2010, dass Papa tödlich erkrankt sei. Nach vier Wochen hatte man festgestellt, was es war, Lungenkrebs. Er hat bis diesen September gekämpft.

Ich selbst bin auch schon wieder an Brustkrebs erkrankt, und die Trauer um meinen Vater macht den Kampf um so schwerer. Dennoch trage ich Trauer, weil es mir ein inneres Bedürfnis ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute etwas mehr Rücksicht nehmen, wenn man komplett schwarz gekleidet ist. Aber ich tue das natürlich nicht für die Leute.

Mein Vater hätte dies sogar gar nicht gewollt. Seine Mutter hatte nämlich mit 39 ihren Mann verloren, danach starben Vater, Mutter, Onkel, Tanten, Neffen; sie kam sechs Jahre nicht aus den schwarzen Klamotten raus und bat ihre Kinder, zur Berdigung Trauer zutragen und diese danach sofort wieder in den Schrank zu verbannen.

Für meinen Papa waren Friedhofskult und Trauer tragen Humbuk. Vom ersteren profitieren nur die Gärtner, sagte er, und er musste es wissen, er hatte selbst lange Jahre Gräber gepflegt. Und für die Leute? Auch Blödsinn. Auf manchen Grabfeldern herrscht ja regelrecht Konkurrenzkampf. Und wehe, es macht einer das Grab nicht immer ordentlich. hauptsache , er hat geerbt...

Und das Zweite sei auch nur für die Leute. Trauern täte man im Herzen und das eigene Leben sei schließlich noch da.

Im Prinzip teile ich seine Ansicht, aber dennoch brauche ich den schwarzen Panzer noch irgendwie. Obwohl ich in meiner Situation mit Rücksicht auf meine lebensbedrohliche Erkrankung positiv denken muss.

Aber nun zu Deiner eigentlichen Frage:

Trauer tragen bedeutet streng genommen:
SCHWARZ tragen, also auch dunkle Strümpfe. Dezenter Schmuck und Make-up ist in unseren Breitengraden jedoch erlaubt.

Außerdem trägt man, so meine streng katholische Schwiegermutter, wie folgt:

für den Vater / die Mutter: 1/2 Jahr plus 6 Wochen (Sechswochenamt),
das gleiche für Onkel / Tante / Bruder / Schwester
für den Ehemann: 1 Jahr und sechs Wochen.

Männer würden für ihre Frauen jedoch kein Jahr in schwarz gehen, das sei unüblich (Ich denke, das hängt damit zusammen, dass früher der Ernährer Arbeitskleidung trug und dass diejenigen, die z.B. am Schreibtisch saßen, nicht viel Geld für die Anschaffung der Trauerbekleidung ausgeben konnten).

Für das eigene Kind konnte sie mir nicht sagen, tendierte aber zu einem Jahr plus sechs Wochen.

Eine Tante von mir hat mit 40 Jahren ihren Mann verloren, nach 15 Monaten wollte sie immer noch nicht aus den schwarzen Sachen raus. Das fand ich ehrlich gesagt den teilweise noch jungen Kindern gegenüber nicht schön.

Und wer ein Kind verloren hat, sollte dem überlebenden Geschwisterchen zuliebe so einen Zirkus nicht mehr abziehen, von wegen Kinder bange machen mit schwarzer Kleidung....

Aber jeder so, wie er WILL!
Ich für mich habe beschlossen, nach dem Sechs-Wochen-Amt (das sind knapp sieben Wochen nach Papas Tod), die schwarzen Sachen abzulegen und zunächst gedecktere Kleidung zu tragen. Außerdem ist es Herbst, da geht keiner mehr mit hellen Hosen, zumindest nicht derjenigem, der wie ich nur zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist.

Gestern wurde mir ein rotes T-Shirt zugesandt, welches ich im August bestellt hatte. Es passt, ich halte es und werde es sicherlich auch bald gerne tragen, wenn es sich ergibt und mir danach ist.
Ich schicke einen lieben Gruß,
dackelmama


 

Kommt auch auf die jeweilige Kultur an

Ich bin Südländerin und bei uns ist es üblich bei nahen Verwandten ein ganzes Jahr schwarz zu tragen.
Allerdings nur die Frauen. Bei Mädchen und jungen Frauen wird das aber nicht so streng gesehen. Die tragen in der Regel 40 Tage schwarz.
Es ist aber so, dass sich das die letzten Jahre auch sehr gelockert hat.
Als meine Tante gestorben ist (Schwester meiner Mutter), hat meine Mutter 1/2 Jahr schwarz getragen, danach konnte sie es nicht mehr ertragen.
Als ihr Bruder und Neffe gestorben sind, hat sie allerdings ein Jahr schwarz getragen, das ist aber auch schon etliche Jahre her.
Ich denke die Deutschen sind da nicht so engstirnig. Trage es einfach so lange, wie Du das Gefühl hast, dass es Dir bei Deiner Trauerbewältigung etc. hilft.


 

Ach ja hätte ich fast vergessen!

von:pinkesgirl

Bei uns ist das auch so, dass wir uns in der Zeit nicht schminken dürfen, nichts auch kein Nagellack. Kein Schmuck. Es heisst, das sei nicht die Zeit, sich ums Aussehen zu kümmern und mit Oberflächlichkeiten zu beschäftigen.
Das allerschlimmste was man machen könnte, wäre geschminkt zur Beerdigung zu gehen.
Auch ein absolutes NO-GO sind bei uns weiße Blusen und hautfarbene Strümpfe.
Es MUSS alles schwarz sein.
Naja, andere Länder andere Sitten!


 

Wie lange? Ewig

Ich habe selber beide Elternteile verloren, aber als mein Vater vor vier Jahren starb bracht für mich einfach nur eine Welt zusammen. Es war doch mein Vater...
Ich kann dir nur nach vier Jahren sagen, ich liebe ihn noch immer oder mehr als ich ihn je geliebt habe, aber die Zeit macht es erträglicher. Auch nach vier Jahren kann ich es noch immer nicht glaube ihn wieder zu sehen aber irgendwann hört es auf das man jedes mal wenn man ein Foto sieht anfängt zu weinen.
Ich habe die beiden Bilder meiner Eltern immer neben meinem Computer stehen und ich fange nicht mehr an zu weinen. Ich liebe sie und ich hoffe das sie auf mich aufpassen.

Irgendwann.. wann genau kann leider niemand sagen, wird du den Schmerz zwar nicht vergessen aber es tut nicht mehr so weh (bzw. es zerfrisst dich nicht mehr)

Viel Glück auf dem Weg! Ich weiß das es hart ist.
Alles Liebe


 

...

Das ist wirklich von Mensch zu Mensch unterschieddlich. Meine Vorschreiberin hat nach 7 Wochen, wieder hell gesehn. Ich habe es nach sieben Wochen erst richtig realisiert, dass meine Mama gestorben ist. Natürlich habe ich auch schon vorher gtrauert, aber was es für mich bedeutet - dafür habe ich lange gebraucht und bin bis heute noch nicht wirklich fertig damit. (über ein Jahr her) Davon abgesehen, daß ich garnicht weiß, ob das überhaupt irgendwann aufhört.

Ich wünsche dir alles Liebe und ganz viel Kraft, Maja


 

7 Wochen........

Liebe kleineente,

erst mal mein liebes beileid, das ist schrecklich, dass Dir vor kurzem so was passiert ist. Ich kann es gut nachempfinden, mein Vater ist Anfang Mai gestorben.

Bei mir wars so, ich habe auf den Tag genau ab der 7. Woche wieder was Helles, also was ganz Helles, angezogen. Davor konnte ichs irgendwie nicht. Davor habe ich eigentlich nicht von Kopf bis Fuß schwarz getragen, sondern immer ein dunkles oder schwarzes Kleidungsstück, ob Hose oder Oberteil. Ab der 7. Woche konnte ich einfach nicht mehr - es war zu dem Zeitpunkt auch ziemlich heiß. Da Deine "Trauerperiode" wie bei mir auch in den Sommer fällt, machs, wie Du Dich wohl fühlst.

Auch jetzt, 12 Wochen nach seinem Tod, bin ich noch "in Trauer", aber man merkt, auch an den anderen (ich merke es an meiner Mutter), dass man nach und nach mehr tun kann: mal wieder ein Glas Wein trinken, laut lachen, was unternehmen, wenn auch nicht "laut", das empfinde ich immer noch als penetrant, man ist wohl empfindlicher.

Als "offizielle" Trauerzeit sehe ich für mich, abgesehen von Kleidung, 3 Monate nach der Beerdigung an, weiß auch nicht, warum. Das wäre der 12. August. Danach bin ich immer noch traurig...

Im Grunde weiß es nur der Körper, der reagiert dann auf ein Mal auf das Schwarz, kann es nicht mehr sehen.

Heute bin ich durch einen Park-Friedhof in der Stadt, in der ich wohne, spazieren gegangen. War ziemlich gereizt, und es hat mir gut getan, die Ruhe und Würde zu spüren. Früher wäre ich wohl nie "einfach so" auf einen Friedhof gegangen, da hätte ich mich wohl gegruselt, auch tagsüber. Man wird diesen Dingen gegenüber lockerer, das ist auch gut so.

Belastend empfinde ich, nicht mal eben aufs Grab von meinem Vater gehen zu können, mal eine Blume hin zu legen, einfach so, geht nicht, weil 300 km entfernt. Das ist traurig. Andererseits gibt es dann andere Rituale, die entstehen, oder andere Sachen, die man tut, um zu erinnern.

Liebe Grüße von der Segelmaus


 

Danke

für Eure Beiträge.
Ich überlege schon seit gestern, als ich den Beitrag geschrieben habe, warum ich genau eigentlich schwarz trage... ich schätze, teilweise ist es für mich selbst ein Schutz, schwarze Kleidung war für mich immer schon eine Art Schutz, darin habe ich mich besser und stärker gefühlt. Vielleicht ist es auch so, daß es wirklich eine Art Schutz darstellt, weil Trauer und Tod mit zu den wenigen Dingen gehören, die in unserer schnellebigen Welt noch Respekt hervorrufen, so daß die schwarze Kluft der Trauernden eine Art Symbol darstellt, diesen trauernden Menschen vielleicht etwas nachsichtiger zu behandeln. Außerdem... ich bin normalerweise die letzte, die an spirituelle Dinge oder an das Leben nach dem Tod glaubt, aber in den letzten Tagen erwische ich mich immer öfter, daß mir der Gedanke, daß mein Papa vielleicht einfach nur an einen anderen Ort gegangen ist und uns weiter zusieht, sehr tröstlich erscheint. Vielleicht ist es ja wirklich so... und dann will ich einfach, daß er sehen kann, daß jemand um ihn trauert, daß er vermißt wird.

Nun, ich weiß noch nicht, wie lange ich Trauer tragen werde, aber sicher noch eine Weile. Ich habe noch nciht mal angefangen, alles zu verarbeiten, noch lange nicht wirklich begriffen, daß er fort ist. 100 Mal am Tag denke ich, daß ich ihn anrufen muß, daß ich ihm dieses oder jenes noch nicht erzählt habe, bis mir dann wieder einfällt, daß er ja fort ist. Das ist so schwer...

Ich danke allen, die mir geantwortet haben und wünsche allen, die auch einen Verlust erlitten haben, die Kraft, damit umzugehen und weiterzuleben. Vielleicht scheint ja irgendwann die Sonne wieder...

kleineente


 

Übliche Richtwerte,

Hallo kleine Ente,

jeder klärt das für sich selber ab, wielange er Trauer tragen möchte. Bei solchen Dingen frage ich mich immer für wen trägt man Trauer... für sich selber oder für die anderen. Ich kenne Menschen, die trotz den plötzlichen Tod ihrer Partner keine Trauer trugen und dennoch sehr darunter litten ihren geliebten Menschen verloren zu haben.

Ich denke, wenn du 3 Monate Trauer trägst, so ist das völlig in Ordnung. Das Leben geht für dich weiter und du wirst auch ohne Trauerkleidung deinen Vater in deinem Herzen behalten.

Mach es einfach so, wie es dir am passensten ist. Wenn du dich da nach anderen richtest, hast du sowieso schon verloren. Recht kannst du es nur dir selber machen.

Alles Gute und viel Kraft !

Liebesbotin


 

Wie lange

Früher trugen die Menschen die Trauerkleidung genau ein Jahr. Es ging darum das alle die schwarze Kleidung geminsam ablegen und so nochmals (nach der Beerdigung) symbolisch abschied nehmen.


 

Die üblichen Richtwerte

gibt es gar nicht mehr. Selbst bei google konnte ich so auf die schnelle eben nichts finden. Soweit ich weiß, war früher die Trauerzeit, wenn man nahe Angehörige verloren hat, ein Jahr. Aber früher hatten wir auch noch einen Kaiser..... Und kann es sein, dass diese Jahresfrist nur für Eheleute galt ? Ich meine, mich an sowas in der art zu erinnern. Je nach Verwandschaftsgrad wurde unterschiedlich lange schwarz getragen.
Ich finde die "schwammigen Antworten", die Du bisher bekommen hast, gar nicht verkehrt. Wenn Dir danach ist, schwarz zu tragen als Zeichen Deiner Trauer, dann mach das. Und wenn Du irgendwann das Gefühl hast, jetzt ist es an der Zeit, damit aufzuhören meine Trauer öffentlich zu zeigen, dann hör damit auf.
Wenn Du weißt, was genau Du mit dem Tragen der schwarzen Kleidung eigentlich ausdrücken willst, wirst Du auch wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, damit wieder aufzuhören.


 

Hallo Kleineente,

wenn man einen lieben Menschen verliert, dann weiß man das wohl nicht so genau. Ich denke maximal 1/2 Jahr. aber das ist dann auch schon gut, weil man ja selber wieder zu Leben anfangen muss.
Außerdem trägst Du den Menschen, um den Du trauerst in Deinem Herzen. Ich habe auch schon viele Menschen gehört, die da sagen, wenn ich mal sterbe muss keiner schwarz gehen, höchstens zur Trauerfeier, ihr wollt doch schließlich weiterleben.
Als ich meine lieben Kinder verloren habe, habe ich auch lange Schwarz getragen. Aber irgendwann habe ich aufgehört, weil ich durch das Schwarz immer wieder daran erinnert wurde. Ich will wieder ich sein und mein Leben leben. nur so geht es weiter. Versuchs einfach. Es geht.
LG Sonnenschein


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