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Bin völlig neben mir und schaffe den Tag nicht...

 

... auch jetzt schreibe ich wie in Trance

Mein Paps starb am 4.3.

Ich selber lebe in BaWü und fuhr sofort nach Hamburg, wo er lebt. Erfahren habe ich es auf der Arbeit, meine Schwester rief an. Ich brach völlig zusammen.
Klar bin ich schon 40 aber ich habe ein so inniges Verhältnis zu ihm. Er ist immer an meiner Seite gewesen, mit ihm konnte ich über alles reden, er war - trotzdem ich vor fünf Jahren von Hamburg hierher zog - immer da. Wir besuchten uns regelmäßig. Wollten im Sommer zusammen mit meinem Freund und meinen Kindern in den Urlaub... wollten soviele Dinge noch tun.
Er war zwar nicht mehr gesund - hatte kurz nach meinem Umzug Lungenkrebs bekommen, eine Hälfte wurde darauf hin entfernt... aber er war den Umständen entsprechend gut drauf.
Im Sommer 2009 sah ich ihn zuletzt, er war hier bei uns. Als er wieder daheim war ging es ihm immer schlechter. Aber es war nie bedrohlich.
Und auch in der letzten Woche vor seinem Tod, war nie die Rede vom sterben. Er war zwar im KH aufgrund seines Gewichtsverlustes ( hatte 20 Kilo abgenommen ) zum abklären woher sein Apetittmangel käme.
Ich wollte noch hinfahren, hatte einen Tag vor seinem Tod schon alles geregelt.... wollte ihn aufmuntern, ihn stützen.

Mein Problem ist einfach das ich den Anblick nicht aus dem Kopf bekomme. Am Tag danach, besuchte ich ihn im KH.... er lag in einem Bett das viel zu groß für ihn schien. Laut meiner Schwester bin ich wohl völlig zusammengebrochen. Habe laut geschrien.... aber DAS was da lag, das war er nicht. Er sah so anders aus. Ich habe ihn überhaupt nicht erkannt.
Können Tote sich derart verändern ?
Nichts an ihm erinnerte mehr an meinen Paps.... garnichts. Und damit meine ich garnicht nur das abgemagert sein....

Ich werde nicht damit fertig, der Verlust, der Anblich, das schlechte Gewissen nicht EINEN Tag vorher gefahren zu sein.... anrufen konnte ich ihn auch nicht, da er kein Tel. am Bett hatte.

Bin nach der Beerdigung am 11. heefahren und komme einfach nicht in den Alltag. Schlafe kaum, ertrage keine Menschen um mich herum die reden.... mag selber nicht reden..... bewege mich wie in einem Vakuum.
Nur habe ich aber zwei Kinder...habe einen Job ( bin Erzieherin im Kindi).... muss doch fit sein, muss funktionieren. Bin aber derzeit einfach froh das meine Jungs schon 15 und 17 sind und sie nachvollziehen können das ich grad nicht fit bin.
Habe mich heute nun krank gemeldet... aber wie lange soll das gehen ? Was kann ich tun ? Habe mir schon für heute Nachmittag einen Termin beim Arzt geholt..... hätte am liebsten eine Tablette die alles abstellt...... kein denken mehr, kein erinnern, kein suchen, .....

Bin nun froh das ich alleine mit den Jungs lebe..... ertrage selbst das nachfragen meines Schatzes nicht... obwohl der bei allen Dingen der letzten Tage an meiner Seite war.

Hinzu kommen Berge von Papieren die jetzt aufgelößt und geregelt werden müssen. Da stürze ich mich gerade rein.... aber das Leben im hier und jetzt meide ich - ertrage es nicht ....und finde es auch nicht.


 

Liebe Chaya...

Es tut mir so leid, was Du durchmachen musst! Fühl dich lieb umarmt. Ich würde Dir gerne die passenden tröstenden Worte sagen, aber ich weiß nicht was. Ich kann nachvollziehen wie Du dich fühlst.

Hab mich mal erkundigt und gelesen dass bei Krebs das Unterhautfettgewebe schwindet als Begleiterscheinung von Krebs. Daher vermutlich diese Veränderung.

Ein Tipp, was Du tun kannst:
Es gibt Trauerbewältigungsgruppen. Ich würde Dir dringend raten zu einer Selbsthilfegruppe mit dem Thema Trauer zu gehen oder einen Therapeuten aufzusuchen. Aber alleine glaube ich nicht dass man das schafft. Bitte such unbedingt prof. Hilfe auf!
Ich glaube auch dass Du es nicht verdrängen darfst. Denn irgendwann kommt es wieder hoch und macht dich fertig. Hast Du schonmal versucht mit einer Freundin über all die Trauer zu sprechen? Alles was dich bewegt, Erinnerungen...
Nähre dich an schönen Erinnerungen, weine wenn Du weinen musst. Aber verdränge keine Gefühle.

Ich wünsche Dir sehr, sehr viel Kraft und alles Liebe!


 

Trauerarbeit...

Liebe chaya,

ich drück dich unbekannterweise...

Trauer hat nichts mit dem Alter zu tun!

Du hast deinen Vater verloren und mit seinem Tod ist auch ein Stück deiner Selbst gegangen! Deine Kindheit ist unwiderbringlich vorbei...
Man bleibt zurück. Mit seinem Schmerz, tausend Fragen, Ungewissheiten und manchmal auch viel schlechtem Gewissen...

Je enger und intensiver eine Bindung war, umso heftiger ist der Schmerz! Du warst, bist sein Kind, seine Tochter. Ihr hattet ein prima Verhältnis und plötzlich ist da nichts mehr als eine große Lücke, die man nicht mehr füllen kann.

Da weiß man nicht mehr wohin mit sich und seinen Gefühlen.
"Das Leben geht weiter" sagen sie. Aber wie, das kann uns niemand erklären. Denn unser Alltag hat sich blitzschnell verändert, ist uns fremd geworden...

Trauerarbeit ist seelische und körperliche Schwerstarbeit!
Und Trauer braucht Zeit. Ganz viel Zeit und Geduld!
Du kannst Trauer nicht verdrängen, sollst auch nicht verdrängen. Um wieder heil zu werden mußt du durch diesen furchtbaren Schmerz hindurch! Weine, wann immer dir danach ist!

Du sollst wissen, dass alles was du zur Zeit erlebst, fühlst und durchmachst absolut normal ist nach einem großen Verlust! Gleichgültig was dir vielleicht Freunde und Verwandte sagen wollen, raten wollen - sie wissen es nicht besser! Nur wer Ähnliches erlebt hat, wird deine Trauer nachempfinden können!

Ich habe mit Trauergruppen wunderbare Erfahrungen gemacht. Dort treffen sich Menschen, die wie du ein Elternteil, den Partner oder ein Kind verloren haben. Dort kannst du alles, was dich belastet loslassen...man wird dich verstehen und dich mit deinem Schmerz auffangen!

Frag in deiner Gemeinde oder den Landratsämtern nach oder google selbst...

Ich wünsche dir viel Kraft für die Zukunft!
Herzlichst Scandia62


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