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Traumatisiertes Kind aus kaputter Ehe

 


Hallo, alle zusammen!

Ich bin so froh auf diesen Link gestoßen zu sein! Hier stehen so viele interessante Dinge, das ich aus dem Lesen gar nicht mehr herausgekommen bin. Nun habe ich große Hoffnung, das Ihr mir helfen könnt. Es wird eine längere Geschichte ..

Es geht um meine 13jährige Nichte Sarah, die in ihrem jungen Leben eine Höllenehe ihrer Eltern erleben musste mit Handgreiflichkeiten und beleidigenden Verbalattacken der Mutter (meiner Schwester) des Vaters gegenüber, einer psychisch labilen Mutter, die das Kind manipuliert und emotional erpresst hat. Sarahs Inneres ist erfüllt von ständigem in Alarmbereitschaftsein, Machtlosigkeit, Hin- und Hergerissen sein in ihren Gefühlen, sich nicht offenbaren zu dürfen aus Angst, das ihr Nachteile daraus erwachsen usw. Ich wünsche mir so sehr, das sich Sarah mir ggü. öffnet, ihre Wut raus und ihren Gefühlen freien Lauf lässt, sich alles von der Seele redet, nicht mehr alle Gedanken, Worte und Gefühle genauestens kontrollieren und es jedem recht machen zu müssen.

Sarah wohnt in einer anderen Stadt, sie kommt mich 1-2 x im Jahr besuchen. Die Eltern trennten sich vor ca. 8 Jahren (Scheidungskrieg vom Feinsten), nachdem auch die Ehe ein Desaster war. Ich möchte das kurz zusammenfassen: Nach der Geburt meiner Nichte verweigerte sich meine Schwester sexuell ihrem Mann über 2 Jahre, ohne das sie ihm die Gründe hierfür nannte. Er war ein sehr treusorgender Vater und Ehemann, mit unglaublichem Verständnis und Geduld. Aber nach zwei Jahren unfreiwilliger Abstinenz ging er fremd und hatte eine Geliebte ausgerechnet die beste Freundin der Familie. Meine Schwester kam dahinter und von da ab ging der Ehekrieg los. Meine Schwester schlug ihren Mann immer wieder und er tat Abbitte bis fast zur Selbstaufgabe, weil er das Fremdgehen so bereute (er beendete das Verhältnis sofort). Meine Schwester konnte dennoch damit nicht umgehen und anstatt gemeinsam entweder eine Eheberatung aufzusuchen oder aber eine (saubere) Trennung vorzunehmen hasste sie ihn bis aufs Blut und sie schlug ihn immer wieder und auch Verbalattacken gingen unter die Gürtellinie. Mein Schwager hoffte doch tatsächlich, das sich alles wieder einrenken würde. Meine Nichte hat dies alles miterlebt, sie hat geweint, wie man es sich nicht vorstellen kann und flehte die beiden immer wieder an, sich zu vertragen. Das ging über viele Jahre. Dann trennte sich mein Schwager endlich von meiner Schwester und meine Nichte wohnte dann bei ihr. Eine Scheidung war (erstmal) kein Thema, diese folgte lange Zeit später.

Meine Schwester auch schon als Kind ein psychisch labiler Mensch und notorische Lügnerin vereinnahmte das Kind völlig für sich: Sie lies es praktisch nicht aus den Augen, alles wurde gemeinsam gemacht und sie durfte niemals ein Wort über ihren Papa verlieren! Sie war manipulativ, erpresste emotional und das Kind funktionierte wie eine Marionette. Wenn sie mich besuchte, musste ich mir meine Fragen genau überlegen ansonsten fuhr mir meine Schwester über den Mund. Die Kleine sah auch immer erst ihre Mutter an um abzuklären, ob sie auf eine gestellte Frage antworten darf wenn nicht, tat das die Mutter für sie. Das Kind konnte auch niemandem ins Gesicht bzw. in die Augen sehen. Tat man es bei ihr wurde sie nervös und bockig, fragte, warum man denn so gucke .. und wandte sich sofort ab.

Jedenfalls lief das Kind zweimal von zu Hause weg, weil meine Schwester u. a. einmal ein riesen Theater gemacht hat, weil sie nur eine 3 in einem Diktat geschrieben hat und wurde auch handgreiflich (kneifen). Sarah kam letztendlich zum Vater. Sie blühte total auf, öffnete sich endlich, man konnte sich mit ihr vernünftig unterhalten und sie schien zufrieden zu sein so war mein Eindruck. Aber der Schein trügte: Mein Ex-Schwager war wieder verheiratet und konzentrierte sich sehr auf eine eigene Familie (der Kinderwunsch blieb lange unerfüllt) und kümmerte sich nur wenig um Sarah. Sie guckte abends alleine Fernsehen, kümmerte sich alleine um ihre Hausaufgaben, um ihren Sport usw. Aber dennoch genoss und genießt sie auch ihre Freiräume mit eigenem Zimmer, nicht mehr kontrolliert zu werden und Verabredungen mit ihren Freundinnen.

Mein Schwager unterband lang Zeit den Kontakt zwischen Sarah und ihrer Mutter, weil er die Hasstiraden gegen sich nicht mehr akzeptieren wollte und sie auch keinen guten Einfluss auf Sarah hatte.

Sarah wollte irgendwann aber wieder mit ihrer Mutter Kontakt haben das arme Kind sehnte sich nach einer intakten Familie und hegte lange Zeit den Wunsch, das sich beide wieder vertragen würden. Den Kontakt gestattete mein Ex-Schwager dann irgendwann und alles lief/läuft offensichtlich gut. Sarah erzählt nicht viel sondern kontrolliert - von den Treffen mit ihrer Mutter ..

Nun geht es mir darum, das Sarah ihr Erlebtes rauslassen müsste. Sie hat so viel erlebt, was alles da in ihrem Inneren brodelt und nur irgendwo versteckt ist sie muss sich doch öffnen und alles erzählen, was sie belastet, wütend macht usw., oder? Seitdem sie beim Vater lebt ist sie zwar offener geworden, erzählt mehr und ist gelöster dennoch merkt man ihr an, das immer wieder in der Beantwortung von Fragen sehr kontrollierte Antworten kommen und sie sich sofort ausgehorcht fühlt, wenn eine Frage vielleicht noch mal hinterfragt wird. Sie ist kein authentisches Kind, sie ist nach wie vor eine Marionette, die gesteuert ist von kontrolliertem Verhalten/Äußerungen. Es geht ja auch gar nicht anders, sie hat es nicht anders kennen gelernt.

Wie kann ich verhindern, das sie als Erwachsene mal ein sehr misstrauischer Mensch wird, der niemanden vertraut, immer kontrolliert denkt und handelt, sich nie fallen lassen kann, gelöst und unbeschwert das Leben zu genießen, wahrscheinlich nicht mal bindungsfähig ist .. Es ist so traurig, dieses liebenswerte und intelligente Kind so erleben zu müssen. Sie hat keine erwachsene Bezugsperson in ihrem Umfeld, wo sie sich mal hinwenden könnte. Da bin nur ich und meine Eltern (Sarahs Großeltern). Wir lieben dieses Kind von ganzem Herzen und möchten ihm so gerne helfen!

Habt Ihr eine Idee, wie das funktionieren könnte? Gibt es Methoden, einem Kind traumatische Erlebnisse zu entlocken, das es sich öffnet und erzählt? Das es sich befreien kann von diesen Geistern? Geht das auch ohne professionelle, therapeutische Hilfe?

Sehr ungünstig ist natürlich die Entfernung .. man kann nicht kontinuierlich am Ball bleiben. Das ist alles so schlimm .

Ganz herzlichen Dank im voraus!

Viele Grüße
Gabi


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Hallo Gabi,


ich finde es sehr gut, dass du dich auch verantwortlich fühlst dem Kind zu helfen und nicht einfach wegschaust und denkst da kann ich sowieso nicht helfen.
Ich bin zwar keine Psychologin aber ich denke, dass man da wohl sehr viel Feingefühl brauchen wird, weil das Kind traumatisiert ist.
Sehr wichtig für das Kind ist in erster Linie, ihm klarzumachen, dass es die Scheidung nicht verursacht hat und dass das Kind an der zerrütteten Ehe und an der Scheidung nicht Schuld ist. Ich denke das ist das allerwichtigste, denn das Kind macht sich unterbewusst vielleicht Gedanken, ob es schuld ist. Deswegen versucht sie auch, es der Mutter immer recht zu machen, sie möchte nicht auch noch dazu beitragen, dass die Mutter unglücklich ist. Der Vater und die Mutter müssen das dem Kind ganz ernsthaft klarmachen, dass es nichts dafür kann (ich spreche aus eigener Erfahrung).
Desweiteren ist wichtig, dass das Kind eine Anlaufstelle hat, z.B. kannst du das sein. Du könntest deine Nichte anrufen und ihr signalisieren, dass du immer für sie da bist, wenn sie mal nicht weiter weiß und dass sie mit dir über alles reden kann. Aber mach das bitte nicht nach dem Motto: So jetzt möchte ich dir helfen, damit du das aufarbeitest, weil ich sehe, dass das dich belastet. Damit setzt du es viel zu sehr unter Druck. Ich denke das Kind wird sehr viel Zeit brauchen, dass aufzuarbeiten. Das wird sicher nicht gleich geschehen.
Wichtig ist für das Kind, dass es einen stabilen Freundeskreis hat und sich nicht verkriecht und anfängt zu grübeln. Es wäre am Besten, wenn Sie alles in Gesprächen raus läßt und über alles redet, aber sicher verstehe ich, dass das schwierig ist.
Das Kind ist jetzt erstmal aus der Schußlinie aber ich denke es wird nicht umhin kommen, sich therapeutisch helfen zu lassen. Ich würde in so einem Fall auf jeden Fall einen Spezialisten einschalten und mich genau erkundigen, zu wem das Kind gehen soll.
Das Kind und der/die Therapeutin müssen sich auf jeden Fall symathisch sein und das Kind sollte die Behandlung selbst auch wollen. Das könnte man so erreichen, dass man dem Kind nicht sagt: "...du solltest zu einem Psychologen..." Das Kind weiß ja, dass es noch alle Tassen im Schrank hat und würde sich dann verschließen.
Viel besser wäre es zu sagen:"Ich weiß du hast viel durchgemacht und es wäre gut wenn du mit einer neutralen Person drüber sprichst, damit du damit in der Zukunft gut umgehen kannst". Das ist nur ein Vorschlag von mir, ich weiß leider nicht, wie ein Profi das bewerten würde, aber ich hoffe du verstehst was ich meine.
Das Kind muss einfach wissen, dass es einfach Pech gehabt hat, in so eine Familie hineinzugeraten und dass es gut wäre, sich jemandem anzuvertrauen, damit es möglichst unbelastet in die eigene Beziehung gehen kann, weil es leider nicht gesehen kann, wie eine liebevolle Partnerschaft aussieht.
Wir alle können unseren Beitrag leisten, dass die Welt etwas besser wird und ich möchte dich ermutigen, einfach für das Kind da zu sein, wenn es dich braucht.
Ich wünsche dir viel Kraft dabei,
viele Grüße
Olli293


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