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Angehörige eines Alkoholikers

 

Hallo,

mein Bruder ist Alkoholiker. Er ist Anfang 40, selbstständig und lebt in einer separierten Wohnung bei unseren Eltern. Sein Problem wird seit einigen Wochen deutlich. Versuche, ihn auf den Alkoholismus anzusprechen, verursachen arge Konflikte und zeigen, dass er absolut uneinsichtig ist. Inzwischen habe ich einiges zum Thema gelesen und meine Eltern haben sich der Angehörigengruppe der Anonymen Alkoholiker angeschlossen, um zumindest für sich Erleichterung und Halt zu erfahren. Denn gerade sie macht es absolut fertig, mit ansehen zu müssen, wie mein Bruder im wahrsten Sinne des Wortes "absäuft". Er ist aggressiv, arbeitet kaum noch und versteckt seine Bierkästen im Auto. Schlimm ist, dass er das auch noch fährt. Ob in angetrunkenem Zustand oder nicht ist schwer nachvollziehbar. Auch ich habe schon massive Auseinandersetzungen mit meinem Bruder gehabt. Er will nicht über Alkohol reden und meint, er habe kein Alkoholproblem. Von den AAs und aus der Literatur erfährt man, er muss selbst entscheiden, damit aufzuhören. Wir müssen offensiv damit umgehen, offen mit anderen darüber reden, uns abgrenzen und ihn "hängen" lassen, auflaufen lassen, den Schwierigkeiten, die seine Sucht verursacht aussetzen. Das Problem ist allerdings nicht nur er, sondern auch meine darunter leidende Mutter, die fast täglich zusammenbricht, weil sie seinen Zustand nicht ertragen kann und mit ihrer Ohnmacht und Hilflosigkeit nicht umgehen kann/mag. Und ich kann beider Zustand nur schwer ertragen, denn mich ruft man im Zweifel bei Problemen an und "erwartet" eine Lösung. Ich fühle mich absolut überfordert. Meinem Vater dürfte es ähnlich gehen, er redet allerdings nur wenig darüber, teilt aber im Großen und Ganzen meine Ansichten zur Sache.

Meine Tendenz: Ich will mich einfach da raus ziehen. Sie sollen bitte ihre Probleme selbst lösen. Ich kann ihnen das nicht abnehmen. Aber ich habe bei dieser Tendenz ein superschlechtes Gewissen. ich würde, bei dem Anruf, der mir heute morgen von meiner Mutter, die mich im Büro anrief, angekündigt wurde, am liebsten nicht daheim sein, nicht an den Apparat gehen, flüchten, schreien "Ihr könnt mich alle mal!". Ich hab einen ziemlich anstrengenden Job, eine eigene Familie, die mich braucht und meine Bedürfnisse nach Ruhe und Entspannung. An letzteres ist im Augenblick überhaupt nicht zu denken. Natürlich berührt es mich auch, dass mein Bruder trinkt und sich keine anderen Wege aus seinen Problemen sucht.... Therapie, Freunde, Sport, Auswandern... was auch immer. Er redet ja auch nicht. Er brüllt höchstens.

Ich selbst hab auch meine Päckchen zu tragen gehabt und mache bis heute eine Therapie, die mich unterstützt, selbst wenn ich mich wieder "gesund" fühle, sprich ohne Panikattacken und Angst lebe. Ich will allerdings auch zu eben jenen Zuständen auch nicht mehr zurück und es hat mich ein hartes Stück Arbeit gekostet, das alles zu bewältigen. Meine Therapeutin dürfte jetzt sagen: Grenzen Sie sich ab... leben Sie ihr Leben. Warum nur fällt mir das im Moment so schwer? Warum hab ich gar das Gefühl, ich habe das Gefühl, meinen Bruder zu verraten, wenn ich ihn seiner Sucht überlasse? So viele Fragen...

Hat einer ähnliches erlebt?

Gruß Sibylle


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Liebe Sibylle,

ich weiß genau, wie du dich fühlst, was du denkst - wie beschissen das Leben sein kann.

In meiner Familie erleben wir so etwas ähnliches, wie du es beschrieben hast, seit vielen Jahren.

Wenn du möchtest, kannst du gern Kontakt zu mir aufnehmen.

Ich weiß auch, das niemand helfen kann, auch nicht mit vielen gut gemeinten Ratschlägen. Eine Lösung bietet man damit auch nicht an.

Gruß Mira


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