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Putzen Mütter noch ihre Kinder aus? Nein, nur noch Töchter.

 

Bis in die 60er Jahre war es üblich, Jungen wie Mädchen im Kindesalter GLEICHERMAßEN am Sonntag auszuputzen.
Die Mutter gab sich beim Jungen fast dieselbe Mühe dabei wie beim Mädchen, eine hohen Kontrast zum Alltag herzustellen und einen feierlichen Eindruck zu erzeugen.
Den Jungens gefiel es, denn Papa hatte sich auch feierlich angezogen und so war er ideell ganz wie Papa, wenn auch im Praktischen das Bild durch Mama bewirkt!
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Heute, so die These hier, werden NUR NOCH die Mädchen durch ihre Mütter ausgeputzt, das aber oftmals dann sogar auch unter der Woche.
Warum? Väter tragen auch am Sonntag eine Jeans, nicht mal ne gut erhaltene, sondern die zerbeulte - wie immer.So trägt auch der kleine Junge seine olle Gewohnheitsjeans am Sonntag!
Jungen erhalten also sehr "praktische, lässige Kleidung", so wie sie auch die männlichen Jugendlichen tragen, nur etwas kindgerecht bunter. Diese wird - wie ein Fell - immer getragen. Putz ist hier also nicht angesagt.
Die weißen Jungens - Kniestrümpfe des 60er Jahre Jungen wurden ersatzlos gestrichen: Putz, nein danke!
Mädchen werden heute in den meisten Fällen - ähnlich wie Mama - designd, falls diese Wert auf Mode legt (ansonsten auch hier ne olle Jeans wie Mama) : Leggings mit Schaftstiefeln schon bei der Achtjährigen. Das Putzen fällt hier nicht schwer, weil die Kleiderpreise zuletzt fielen und das Angebot für Mädchen bereits das Mehrfache als für die kleinen Männer beträgt.
So bildete sich mittlerweile die Meinung aus, daß der Putz etwas eigentlich rein weibliches ist.
Nur an den wichtigsten Tagen des Jahres und um der Karriere willen zieht der Mann heute sich nicht lässig und zurückhaltend, sondern sorgfältig und auffallend an, er tut es also nurmehr aus einer ihm äußerlich bleibenden Pflicht heraus, nicht, weil es ihm Spaß macht!
Denn das Feld dafür, das Feld der männlichen Insenierung des Körpers ist verschwunden.
Sobald wie möglich wird die als Dienstkluft (Dienst an der Ehefrau und dem Chef) empfundene feine Ausstattung am Feierabend abgelegt.
Der Anzug oder einer anderer Putz sind nicht mehr Teil der Hauptidentität des Mannes, also heute des bürgerlich- mittelständischen Mannes.
Der Anzug wurde aber auch nicht durch eine andere Kleidung der Differenzierung ersetzt: im Baumarkt fast dieselbe Kleidung wie beim Verwandtenbesuch am Sonntag: nun die neue, nicht ausgewaschene Version genau derselben Hose.
Fazit: Kein Mann will mehr "als geputzt" auf andere wirken - es wirkt peinlich.
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IST DER PUTZ ETWAS REIN WEIBLICHES?
Warum putzten sich dann Goethe und Fr. Schiller wie auch Kant mit Wonne?
Heute wird einem Mann sogleich unterstellt, er sei so ein bischen "wie vom anderen Ufer" oder gar weibisch, jedenfalls zumindest irgendwie unmännlich, wenn er größere Freude an einer gelungenen Kleidungauswahl zeigt.
Zumindest muß er sich Argumente einfallen lassen: Ist er also "allzu gewählt" gekleidet, wird er zum Beispiel politisch korrekt verkünden, daß er sich eigentlich gar nicht um MODE kümmere und der Stil "an ihm" das Werk seiner Ehefrau sei, wie es etwa unser gut aussehender junger TV- Philosoph bekundete.
Ja, so beklemmend ist unsere schöne bürgerliche Kultur.
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Wie kann man da in Zukunft wieder etwas BESSER MACHEN?
Mütter sollten ihren kleinen Söhnen dieselbe Zuwendung auf Kleidung zukommen lassen, wie ihren Töchtern, also in BEIDEN FÄLLEN nicht jeden Tag ein Aufhebens darum machen, aber an Feiertagen einen Schnitt vorsehen: Jetzt wird bei Beiden geputzt!
Väter sollten hier ihrem Sohn wieder ein Vorbild sein und einmal die Woche die Schlamper- Lässigkeit wie die Kleiderdienstordnung durchbrechen, sich aber NICHT von ihren Frauen anziehen lassen, sondern das endlich wieder mal selbst lernen!
Männliche Selbstliebe geht auch über die Kleidung: Eine Beziehung zu ihrem Körper über dessen Inszenierung wollen auch Jungs ab und zu (nicht "ständig" natürlich, auf keinen Fall !) erleben, wenn ihnen dafür das Tor und das Feld dafür geöffent wird und es dafür einen definierten Rahmen gibt. Den gibt es aber zur Zeit überhaupt nicht.
Reiner Individualisnmus füllt nur die Kasse schlechter Läden mit schlechter Kleidung!
Zur Entwicklung eines Selbstbewußtseins reichen nicht ein gutes Elternhaus und gute Schulleistungen aus, es muß das FELD DES SELBST nach und nach belegt und ausgestaltet werden.
Dazu gehört das Thema des Putzes, und zwar am Mann bzw. dem Jungen prinzipiell genauso wie bei der Frau oder dem Mädel!
Natürlich wird dabei der Putz des Jungen ein anderer sein als der des Mädchens.
Dehnt man aber weiterhin die Frauenmode in das Feld der Männer aus, kann der Junge nicht sagen: Dieses Lederband, diese Kette ist was für Jungs, da sehe ich wie ein Indianer aus etc., diese Schnallenstiefel sind ebenfalls klar männlich !
Werden alle Attribute der Gestaltung über eine in dieser Hinsicht völlig verkommene, unethische Modeindustrie weiblich besetzt, weil da das schnellere Geld lockt, kann der kleine Junge kein Feld männlicher Selbstinszenierung durch Schmückung vorfinden.
Seine Selbstausbildung wird sich auf das Unsinnliche beschränken: alles, was meßbar ist oder im Feld des Sozialen spielerisch: Sport, Fußball...

Beim weiblichen Geschlecht ist das Thema sicherlich viel eher durch die Bank präsent, Jungen sind dagegen selbstvergessen (im Kopf oft sehr weit weg von ihrem Urkern oder dem 2. Kern , der Mutter und dem Vater !) und deshalb ist dieses Thema bei Ihnen eher die zeitliche Ausnahme. Darum ist es ihnen aber dennoch ganz und gar nicht unwichtig, wenn sie dabei einen geeigneten Weg finden.
Die Mädels brauchen sich keinen Weg ins Gestrüpp hauen, da ein legitimes Modefeld heute überall für sie präsent ist.
Die Jungs erleben dagegen die Dornen: siehe der unsägliche schmuddelige "used style". Mode läuft bei Ihnen nur noch als scheinbare Antimode, als hilflose Anti- Putz- Strategie.
Bevor dann eine lustvolle Selbstgestaltung, wie sie Friedrich Schiller sie noch betrieb, entwickelt werden kann, wird dann - so oder so - eine Zweckkleidung (des Arbeiters oder des Büromenschen) die Zeit der seelisch ärmlichen Modeversuche der männlichen Jugend beenden.


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