Hallo!
Ich bin vor zwei Tagen auf ein interessantes Buch gestoßen.
Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber die Kundenrezension verrät schon einiges und hat mich wachgerüttelt, welche Gefahr die Islamophobie darstellen könnte.
Ich denke, es ist wichtig darauf hinzuweisen.
Ich hoffe, es fühlt sich niemand ungerechtfertigt angesprochen. Es geht nur um Islamophobiker und Antisemiten, nicht um ganz Deutschland!
Antisemitismus und Islamophobie: Ein Vergleich
Von Sabine Schiffer, Constantin Wagner
Kundenrezension
In der Debatte um die Vergleichbarkeit des Judenhasses mit der Feindseligkeit gegenüber Muslimen legen Dr. Sabine Schiffer, Leiterin des Instituts für Medienverantwortung in Erlangen, sowie der Soziologe und Religionswissenschaftler Constantin Wagner mit ihrem Buch "Antisemitismus und Islamophobie" eine tiefschürfende Analyse vor. Dabei weisen sie von Anfang an darauf hin, dass es natürlich um keine Gleichsetzung der Diskriminierung von Juden während des Dritten Reiches und der Diskriminierung von Muslimen im Deutschland der Gegenwart gehen kann, wie immer wieder vor allem von jenen unterstellt wird, die eine Debatte offenbar von Anfang an unterbinden möchten. Stattdessen hat ein jahrhundertealter, wegbereitender Diskurs das Denken überhaupt erst möglich gemacht, auf dem die Greuel des Nationalsozialismus entstehen konnten. Davor gilt es auch aktuell wieder zu warnen.
Schiffer und Wagner machen in ihrer Analyse des antisemitischen Denkens deutlich, dass sich dessen Protagonisten ähnlich als defensive Bewegung sahen (und sehen) wie die Islamophoben heute. So wurde unter anderem 1883 im Chemnitzer Aufruf vor der "Jüdischen Gefahr" gewarnt, und Chamberlain legitimierte die rechtliche Schlechterstellung der Juden damit, dass man sich vor ihnen "schützen" müsse. Terrorismusangst und Ritualmordvorwürfe sorgten ebenso für Unbehagen gegenüber den Juden wie die Dreyfus-Affäre, der Rauschgifthandel war angeblich vor allem in jüdischer Hand und etliche Ideengeber der Umbruchstimmung (Marx, Lassalle etc.) waren Juden. Hätte es damals schon das Internet gegeben, man hätte die schönsten Hassblogs mit entsprechenden Halbwahrheiten und als Tatsachen präsentierten Spekulationen füllen können.
.......
.....während die Juden selbst zusammenzuhalten schienen, wie das bei Minderheiten nun einmal häufig vorkommt. Das führte indes zu Vorwürfen wie jenem, die Juden würden einen "Staat im Staate" bilden - heute würde man mit dem Blick auf Muslime von "Parallelgesellschaften" sprechen.
Und schon damals konnte es die religiöse Minderheit der Mehrheit nicht recht machen: Versuchten ihre Mitglieder, ihre Kultur zu bewahren, wurden sie als integrationsverweigernd dargestellt, wollten sie sich hingegen assimilieren, beschuldigte man sie der Verstellung und des Parasitentums.
Ähnlich wie heute den Muslimen warf man schon damals dem Judentum eine Unvereinbarkeit mit der Moderne vor. Das Religiöse wurde als grundsätzlich verdächtig und als Bedrohung einer liberalen Gesellschaft gesehen - in einer "aufgeklärten" Welt schien es dafür keinen Platz mehr zu geben.
Und obwohl der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung damals ebenso im niedrigen einstelligen Prozentbereich rangierte, wie dies heute bei den Muslimen der Fall ist, galten sie als gefährliche Fremdkörper, die die Mehrheit bedrohten.
Begierig wurden Passagen aus der Heiligen Schrift der Juden gerissen ("Die Fremden magst du überwuchern, deinesgleichen nicht"), um damit die Gefahr zu belegen, die angeblich von dieser Minderheit ausging. Einzelne Autoren spezialisierten sich sogar geradewegs dazu, das Alte Testament, die Gesetzeswerke Hachalot sowie philosophische Bücher und Morallehren des Judentums selektiv nach Zitaten auszuschlachten, mit denen man den Juden irgendwas ans Zeug ... konnte. Dasselbe Spiel spielt man heute mit Zitaten aus dem Koran.
Und schließlich äußerte sich das allgemeine Misstrauen in Forderungen nach einer Untersuchung der Torahschulen und deren Lehrbücher sowie nach Predigten in deutscher Sprache. Von der Mehrheitsgesellschaft gerne gehört wurden indes jene, die persönlichen Nutzen daraus zogen, als (ehemalige) Juden das "Jüdische" abzulehnen. Auch hier liegen die Parallelen zu den Medienlieblingen der Gegenwart auf der Hand. Der "Zentralrat der Ex-Muslime" etwa konnte sich eines begeisterten journalistischen Interesses sicher sein, wie es einem "Zentralrat der Ex-Christen" niemals gegolten hätte.
........
Die berüchtigten Webblogs der Gegenwart erinnern mit ihren endlosen Auflistungen von muslimischen Taten an die Sammlung "jüdischen Vergehens", die Hans Diebow 1938 für die Ausstellung "Der ewige Jude" herausgab und die auf über 100 Seiten die Weltverschwörungsabsichten der Juden beweisen sollte - natürlich jeweils garniert mit Zitaten aus der Torah.
........
Auch zu der von Ulfkotte & Co. gestreuten Behauptung, Muslime würden in Metzgereien auf das angebotene Schweinefleisch spucken, findet sich eine Parallele aus dem Jahr 1901 - nur dass es damals hieß, Schweinefleisch sei von Juden mit Urin beschmutzt worden. Und wenn auf der Website "Akte Islam" verbreitet werde, dass ein Moslem dazu aufgerufen habe, "das Blut der Ungläubigen zu trinken", erinnere das an Ritualmordvorwürfe, die in früheren Zeiten gegen die Juden gerichtet wurden. Während der Antisemitismus heute im Bildungsbürgertum verpönt ist, war er das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts keineswegs, sondern erhielt von Ingenieuren, Lehrern und anderen Akademikern ebenso starken Aufwind, wie dies heute bei der Islamophobie geschieht. ............
Die vollständige Rezension findet ihr hier:
http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3937245057
oder hier noch ausführlicher:
http://arnehoffmann.blogspot.com/2009/06/buchvorstellung-antisemitismus -und.html