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Kleinsekten: Das Guru-Syndrom

 

Hat jemand kürzlich den Dok-Film bei SF1 gesehen? Spaghetti, Sex und Videos

s geht hier um die Person im Hintergrund des weltbekannten Erpessungsfalles der BMW-Erbin Suanne Klatten. Wer steht hinter dem Gigolo Helg Sgarbi? Es ist der Italiener Ernani Baretta, er nennt sich zeitweise aus Ernano.

Der Dok-Film ist meines Erachtens exemplarisch für das Guru-Syndrom. Die Blaupause für für das Guru-Syndrom ist offensichtlich das Jesus-Phänomen. Der Artikel (Link ganz am Schluss des Posts) gibt den Inhalt des Films in etwa wieder.

Dieser Ernani Baretta hat sich als gemütlicher, junger, damals noch charismatischer, Mann mit schwarzem Vollbart hat in Zürich eine Schar Menschen um sich geschart, die er an Parties etc. kennenlernte. U.a. beeindruchter er die betagte Anthroposophin Irene B. Sie war glühende Verehrerin von Rudolf Steiner und dann später von Ernani Baretta, den Sie als neuen Jesus ansah. Dieser konnte virtuos auf der Klaviatur der religiösen Gefühle von Menschen spielen, mit denen er in Kontakt kam. Mitgespielt hat sicher auch sein italienischer Charme, den er zweifellos hatte, und die Liebe vieler Schweizer für die Italianità. Er legte sich dann den Titel als maestro di vita (Lebenslehrer) zu. Seine Behauptungen und Erzählungen über sich und seine Fähigkeiten wurden immer unverschämter und abstruser. Er inszenierte "Wunder" mit Blutschmierereinen, bekam Stigmata, die Wundmale Christi. Seine Lehre, sofern von einer solchen gesprochen werden kann, ist ein Mischmasch von christlichem/katholischen esoterischen, gnostischen Gedankengut und abergläubischem Unsinn. - Es erstaunt, dass viele seiner Jünger/innen über einen höheren Bildungsgrad verfügen, Intellektuelle sind. Heute sieht Barretta nichtssagend aus wie irgendein Rentner und man würde ihm das alles nicht zutrauen. - Auf der anderen Seite erstaunt es, wieviele Phantasie, Dummdreistigkeit und vor allem (kriminelle) Energie es auf Seiten so eines Gurus es braucht, um so eine eigene Legende als Quasi-Jesus, Heilbringer etc. zu erfinden und das Ganze konsequent durchzuziehen. Es geht hier einfach um Gewinnung von Macht und Einfluss, wie es etwa ein Unternehmer oder Politiker auch macht.

Ich würde sagen, es gibt vier Phasen beim Guru-Syndrom. Es gibt hier möglicherweise wissenschaftliche Untersuchungen; ich habe nichts gefunden im Internet. Ich schreib einfach mal ein paar Gedanken auf, möchte meine "wissenschaftliche Fahne" einpflanzen Ich sage dem absichtlich Guru-Syndrom und nicht nur Phänomen (Erscheinung), weil es gewissermassen eine Krankheit ist und zwar eine gefährliche, sowohl beim Guru, als auch bei den AnhängerInnen. Die vier Phasen des Guru-Syndroms sind:

1. Die Charme Phase
Ein neuer Guru tritt auf in irgendwelchen Kreisen, die sich für "Spiritualität" (aller Art) interessieren. Er ist sehr nett und charismatisch. Hier zeigen die Videos einen vollbärtigen, jungen Italiener, charmanter Akzent, Verkörperung der Italianità, Ernani Barretta - Er hat noch einen besonderen Vornamen! - Er kocht fein Pasta für alle; man trinkt Wein, diskutiert. Er ist lebenslustig, genussfreudig, lebensklug. Er beginnt geheimnisvoll zu tun, gibt zu verstehen, dass er etwas Besonderes sei, besondere Fähigkeiten habe, einen besonderen Draht zu Gott, eine besondere Aufgabe (Mission).
Dann Einwicklung der Schüler (Jünger/innen). Jeden und jede weiss er zu nehmen, weiss, wo seine/ihre Sehnsüchte und Ängste sind. Eine Aussteigerin berichtetet, sie habe sich in einer Lebenskrise befunden. Er dient sich als Lebensberater an. Barretta legte sich vollmundig den Titel "maestro di vita" zu, also Meister/Lehrer, den alle um Rat angehen. Jesus wurde von seinen Jüngern als Meister bezeichnet. Die Jesus-Geschichte ist das typische Guru-Phänomen. Jede/r hat eine Vorstellung im Hinterkopf. Deshalb sind manche empfänglich für das Guru-Syndrom.

2. Die Phase der Vereinnahmung und Isolation
Das kann schon in der 1. Phase beginnen. Der Guru hat eine besondere Mission (von Gott), bei der die Jünger ihm helfen müssen. Sie sind seine auserwählten, also auch etwas Besonderes, wie er. "Es war Gottes Wille, dass du mir begegnest, du Glückliche." Hier wollte Barretta ein Zentrum (Refugio) für Waisen des Jugoslawienkriegs buaen. Es wurde dann ein Hotel/Tagungszentrum in der schönen Toscana (von der viele Schweizer und Deutsche schwärmen), wo die Jünger/innen dann praktisch gratis gegen Kost und Logis malochten, sieben Tage in der Woche.

Dann Umzug ins gemeinsame Paradies auf Erden, eben das Refugio. Das gehört zur Isolation. Die Jünger/innen kündigen Job und Wohnung und emigrieren hier nach Italien, wobei sie das Bank- und Alterspensionsguthaben mitnehmen und dem Meister übergeben für die Erreichung seines grossen Ziels. Die betagte Irene B. hat Barretta alles Geld gegeben. Desillusioniert ist sie dann zurück in Schweiz und dort verarmt gestorben. Der Kontakt mit den Angehörigen wird auf Befehl des Meisters abgebrochen. Es gilt sowieso, den störenden Einfluss von Aussen auf ein Minimum zu reduzieren, weil dies den Einluss des Meisters gefährdet.

3. Die Phase der Unterdrückung und Knechtschaft
Die Jünger/innen haben sich um den Meister in dessen Zentrum geschart und der Alltag kommt. Man malocht und betet Tag und Nacht (um Zweifel zu unterdrücken) aber das Paradies will nicht kommen. Es gibt eine Kontrolle und Unterdrückung der einzelnen Mitglieder/innen, die Zweifel haben, aufmucken etc. Immer ist eine/r der Sündenbock, auf welchen sich Frust und Aggression richten. Das funktioniert gruppendynamisch. Der Meister Barretta macht unterdessen, was er will, worum er ein Geheimnis macht. Er verfolgt seine besonderen Projekte, wozu er viel Geld braucht (das Sgarbi von reichen alten Damen ertrogen hat); schwelgt dabei in Luxus. Barretta gönnte sich tolle Autos, baute ein Haus für sich, denn für seine Mission in der Welt kann er nicht als Bettler auftreten. Die Jünger/innen akzeptieren das.
Neben der Unterdrückung gibt es einzeln besondere Zuwendung / Aufmerksamkeit des Meisters und "Heilung", um sie bei der Stange zu halten. Bei Frauen ist dies auch sexueller Missbrauch. Er sagt ihnen, sie seien krank (haben kranke Wurzeln) und benötigen eine besondere Behandlung von ihm. Er "behandelt" jede einzeln, sie weiss nichts von der "Behandlung" der anderen. Heilung / Heil spielt in der "Lehre", wie in der Esoterik überhaupt, eine grosse Rolle. Er sagt den Frauen, seine Berührungen seien heilwirksam, sein Speichel oder Sperma sei heilig. Die Opfer empfinden den Sex mit dem Meister als eine Art Therapie. Zum Leben im Luxus, auf das er als Meister Anspruch zu haben meint, geht es ihm einfach noch um das Ausleben des Sexualtriebs. Da bedient er sich gleich bei den Anhängerinnen, die sind eh da.

4. Die kriminelle Phase und die Phase des Zerfalls
Während allen Phasen haben die Jünger/innen natürlich Zweifel, die es zu unterdrücken gilt. Sie müssen bei der Stange gehalten werden, durch "Wunder" und Einzelzuwendung aber v.a. mit Gehirnwäsche: Die Welt ist schlecht; bei mir habt ihr das Heil. Kein Kontakt mit den Angehörigen, Medienverbot. Aussteigewillige werden bedroht und ihnen mit Liebesentzug Angst gemacht. Eine Aussteigewillige hatte Barretta mit beim Sex heimlich aufgenommenen Bilder erpresst. - Entweder kommt der Guru irgendwann mal ins Gefängnis, meist sehr spät, z.B. wegen Missbrauchs von Kindern, Gewaltung und Drohung, unerlaubter Waffenbesitz, Betrug, Erpressung. Oder wegen Bildung einer kriminiellen Vereinigung, was schwierig nachzuweisen ist. Das Verfahren gegen Barretta wurde eingestellt, obwohl Barretta, der alles abstreitet, vermutlich Sgarbi angestiftet hat. Aber der hält eisern dicht und sagt auch nicht, wo der Grossteil der Millionen geblieben ist. Er liebt ja Barretta wie einen Vater, mehr als seine Eltern.
Es kann aber auch zur Katastrophe kommen, z.B. Massenselbstmord. Oder eine Rumpf-Gruppe verbleibender Jünger/innen lebt weiter mit dem Guru in bescheidener Form.

Kurzinfo des Senders zum Dok-Film Spagetti Sex und Videos
Der Schweizer Helg Sgarbi wurde in München zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er die reichste Frau Deutschlands, Susanne Klatten, verführt und erpresst hatte. Filmemacher Aldo Gugolz und Journalist Romeo Regenass decken in ihrem spannenden Dokumentarkrimi auf, wie der Sex-Erpresser den Coup eingefädelt hatte und was dahintersteckte: Sgarbi gehörte nämlich zum Netzwerk eines charismatischen Italieners (Ernani Baretta) und dessen Sekte. Er hatte mit dem mehrfachen Betrug an reichen Frauen viel Geld gemacht, Geld, das teilweise bis heute verschwunden blieb.

Informativer Artikel
http://www.razyboard.com/system/morethread-sektenfuehrer-oberhaupt-der-katholischen-kirche-kath-1910639-5466921-0.html
Jesus-Statue mit Helikopter-Landeplatz im Bergdorf Pescosansonesco (wo das Refugio liegt) bei Pescara: Für den Sektenführer Ernani Barretta das neue Zentrum der Christenheit (Bildunterschrift)

Zeitungsartikel von Romeo Regenass, Regisseur des Dok-Films
http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/Sex-Hypnose-und-Gehirnwaesche-in-der-ErpresserSekte/story/22131194?print=yes&cache=9efAwefu


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Guru Syndrom?

Ich denke, das Problem wird solange immer wieder auftauchen, solange wir uns nicht als Teil des Ganzen sehen und immer wieder glauben andere wüssten besser was für uns gut ist.
Ich selber habe mit dem Merksatz:
"Lass niemals zu das jemand anderes für dich denkt" sehr gute Erfahrungen gemacht.(klappt noch nicht immer)
Als wichtig sehe ich auch den Aspekt mich regelmäßig zu fragen was mein Gewissen zu dieser oder jener Situation sagt und was meine 2% an den Geschehnissen sind die ich in Zukunft besser machen kann.
Denn nur was ich selber lebe und selber als richtig erkannt habe, hat langfristig auch bestand in meinem Leben.
Äußere Orientierung, führt langfristig gesehen meist zu umfangreichen Problemen und einem Leben, dass dann letztenendes doch nicht meines ist.
Das ist dann aus meiner Sicht auch der beste Schutz vor solchen Geschehnissen.
gruß m.


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