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Sir Vincent oder Von den Freunden meiner englischen Erziehung

 

Wenn ich heute diese kleine Geschichte aufschreibe, bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob es 1997 oder 1998 war, als ich für ein Jahr als Austauschschülerin nach England ging. Harry Potter war auf jeden Fall noch nicht in deutsch erschienen und von meiner hart verdienten Nebenjobknete hatte ich soeben mit Ach und Krach den Führerschein gemacht

In der elften hatte ich erstmal eine Ehrenrunde eingelegt. Die verdankte ich insbesondere Lars, meinem ersten richtigen Lover. Mit der Nichtversetzung kam ich dann ohnehin erstmal nicht mehr für ein Austauschprogramm in Frage und irgendwie hatte ich mich auch nur sehr halbherzig und eigentlich nur, weil auch meine beste Freundin Naddle, in der Richtung große Pläne hatte, für die Sache interessiert. Klar, surfing USA, das wär's schon gewesen, aber es war auch klar, dass Lars und ich sicher keine Jahr Trennung aushalten würden.

Ende Mai ging dann das Ding mit Lars mit Karacho den Bach runter. Der Typ hatte doch tatsächlich die Frechheit, so ein Küken aus der zehnten zu daten. Egal, wieder was für's Leben gelernt. Für surfing USA war ich nun natürlich viel zu spät dran und auf die Hypocrites des Mittelwestens oder 12 Monate Winter im nördlichen Kanada hatte ich nun wirklich keinen Bock. Aber, wenn Nadinchen das hinbekommt, dann konnte ich das auch. Es brauchte elend lange Überredungsarbeit, um meine Lehrer zu überzeugen und über den Stress zuhause reden wir dann mal lieber nicht.

Gut, man sagt ja, wer zu spät kommt, den straft das Leben. Aber so schlecht hatte ich es dann gar nicht getroffen dachte ich jedenfalls erst einmal. Eines der Vermittlungsinstitute hatte noch Restplätze. Die Familie, in der ich untergebracht werden sollte, sah auf dem Papier ganz passabel aus, hatte einen Tochter in meinem Alter und wohnte in einem dieser Seebäder an der Küste von Kent.

Vom englischen Schulbetrieb verstand ich natürlich überhaupt nichts, aber auf welche Schule ich nun gehen würde, war mir auch ziemlich egal. Im Moment wollte ich nach der Pleite mit Lars den ganzen Laden hier erstmal eine Weile nicht sehen, ein bisschen Spaß haben und den Kleinstadtmief mit der großen Welt vertauschen.

Und wenn dabei noch ein paar Vokabeln rüber kommen würden, konnte das auch nicht schaden. Der Name St. Gwendolines Reform School for Girls sagte mir nicht viel. Und auch unsere Reli-Lehrerin, die immerhin aus einem katholischen Orden kam, hatte von der Reform der Heiligen Gwendoline noch nie etwas gehört. Zur Vorsicht bekreuzigte sie sich aber allein schon beim Aussprechen des Wortes Reform, murmelte etwas in der Art, mit den Irrwegen der englischen Staatskirche kenne sie sich nun wirklich nicht aus und auf jeden Fall gäbe sie mir den guten Rat >hüte dich vor den Engländern< mit auf den Weg. Irgendwie kam der mir bekannt vor.

Schon etwas mehr schien mein alter Kunstlehrer zu wissen. Er lächelte auf ziemlich mysteriöse Weise und irgendwie wissend. Aber er rückte mit seiner Weisheit auch nicht raus, was ich ziemlich mies fand. Auf jeden Fall solle ich seine besten Grüße an Mr. John Willie ausrichten und sofern er noch die Zeichenkurse an dieser ehrwürdigen Anstalt gäbe sollte ich keinesfalls versäumen, an einem davon teilzunehmen oder, falls das möglich war, Modell zu stehen.

Ich nutzte die Sommerferien, um meine Reisekasse noch etwas aufzubessern und reiste dann Mitte August kostenschonend und in achtundzwanzig Stunden per Zug und Fähre auf die britische Insel. Die ziemlich stürmische Überfahrt wird mir leider auf ewig in Erinnerung bleiben und begründete meine lebenslängliche Abneigung gegen jedes schwimmende Gefährt. Dafür hatte ich aber die beste Zeit meines Lebens in den wenigen Wochen, die ich während des Vorbereitungskurses in London verbrachte. Frisch aus der deutschen Provinz in diese Wahnsinnsstadt. Ich brannte ungefähr die Hälfte meiner Kriegskasse, die für ein Jahr reichen sollte, in 14 Tagen durch und wollte gar nicht wieder weg.

Leider ging diese geile Zeit viel zu schnell vorbei und dann hieß es: ab auf's Land. Bevor ich mich versah, stand ich an einem nebligen Montag morgen auf einem Bahnsteig der Charing Cross Station, der durchaus Ähnlichkeit dem Bahnsteig 9 dreiviertel hatte. Aber es war dann nicht der Hogwarts-Express, der mich zu meiner Gastfamilie und zu meiner neuen Schule brachte, sondern eine unglaublich langsame, quietschende, schmuddelige und klappernde Blechbüchse, die man auf der Insel aber offenbar durchaus als Zug bezeichnete.

Sterbenspeinlich war der Moment, als ich mich beim Abholen vom Bahnhof dann gleich mal schwungvoll hinter das Lenkrad des grünen Vauxhall Calibra setzte. Aber der typisch britische Humor, mit dem Hugh darauf reagierte >Miss Schuhmakker, i suppose ...<, ersparte uns immerhin die üblichen Verlegenheiten des Kennenlernens.

Mit meiner Gastfamilie hatte ich es überhaupt prima getroffen. Mit Britney verstand ich mich nicht nur was die Sprache anging ab dem erstem Moment. Ich weiß nicht wie viele Nächte wir durch gequatscht und Mukke gehört haben. Und auf jeden Fall waren ihre Eltern echt cool. Ihr kleines Reihenhaus am Rande von Margate war irgendwie ein freundliches Dauerchaos, in dem ich mich schnell zu hause fühlte. Hugh und Mary waren locker drauf und Mary werde ich bei den unglaublichen Preisen, die Zigaretten damals schon damals in England kosteten, lebenslänglich für so manche Zigarette und besonders die 50-Stück-Dose Players dankbar sein, die sie mir für meine Rückreise zusteckte.

Das Städtchen war klein und hatte bei Sonnenschein am Strand fast mediteranen Charme und war irgendwie ganz gut auszuhalten. Britney hatte mich gleich mit in ihre Clique genommen und mir die besten Plätze in der Stadt gezeigt. Der Vergnügungspark unten an der Pier gehörte ganz sicher nicht dazu, das war nur was für Touristen. Aber wir konnten ganz gut an der Seebrücke und am Strand rumhängen. Der erst Freitagabend, an dem uns Hugh und Mary auf einen Willkommensdrink mit in den Pub am Ende der Straße nahmen, war aufregend gewesen. Und mir war bis dahin unbekannt, wie kurz ein Minirock sein musste, damit Frau sich in einen Pub halbwegs ordnungsgemäß zeigen konnte.

Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin noch nicht mal eine Ahnung, dass es so etwas überhaupt gab und dass in dem wenigen Stoff sogar noch ein kleiner Schlitz Platz finden konnte. Und High Heels zu tragen, Himmel und was für Stelzen, verstanden die Mädels hier ohnehin. Gut, ich würde also entweder mein Reisbudget erneut sehr heftig strapazieren und gründlich nachrüsten oder Mary's (oder vielleicht doch besser für's erste Britney's) Kleider- und Schuhschrank plündern müssen.

Gut, es gab viel, woran ich mich gewöhnen musste. Den Tee mit Milch hatte ich ziemlich schnell akzeptiert, zu Kursten verbrutzelter Speck mit Eiern zu Frühstück war, naja, gerade noch so okay aber mit Würstchen, gebratenen Tomaten und Porridge werde ich mich in diesem Leben wohl nicht mehr anfreunden.

Völlig ungewöhnlich war aber die Art, wie Mary und Hugh mit ihrer Sexualität umgingen. Von wegen verklemmte Engländer. Weit gefehlt. Für die Strings, die Mary nicht nur beim Hinhocken sehr offen zeigte, hätte mich meine Mutter gevierteilt und für den Schnitt ihrer Jeans und Röcke und den meistens weggelassenen BH hätte mich mein Vater vermutlich enterbt. Obwohl ich sagen muss, Mary konnte es sich trotz ihrer fast Vierzig noch verdammt gut leisten.

In dem kleinen Reihenhaus waren die Wände nicht besonders dick und mein Zimmer, aus dem Britneys älterer Bruder vor ein paar Monaten ausgezogen war, lag direkt neben dem Eltern-Schlafzimmer im ersten Stock.

Und was dort jede Nacht abging war wirklich unglaublich. Ich will euch die Einzelheiten ersparen. Es brauchte in dem Alter, in dem ich war, nun wirklich keine zusätzliche Anregung mehr für meine ohnehin etwas überdrehten sexuellen Fantasien und alles was ich bereute war, dass ich natürlich blöd genug gewesen war aus Angst vor dem Zoll mein Spielzeug zu hause zu lassen. Und wie ich hier an neues kommen sollte ... soooo gut kannte ich Britney nun auch noch nicht.

Also, um euch eine kleine Vorstellung zu geben, was da unter dem regelmäßigen Klopfen des Kopfendes des elterlichen Ehebetts an meine Zimmerwand abging, will ich mal die guten alten The Who zitieren. Wie hat Pete Townshend doch so schön getextet: Mama's got a squeeze box / She wears on her chest / And when Daddy comes home / He never gets no rest / 'Cause she's playing all night / and the music's all right / Mama's got a squeeze box ... Daddy never sleeps at night.

Well, next door poor Sandy girl didn't sleep either. Und Pete muss wohl wirklich Hugh und Mary im Sinn gehabt haben, als er die Zeilen aufschrieb: She goes in and out and in and out and in and out and in and out. Und die Platte stand bei den beiden entweder auf auto-repeat oder sie hatte vom Dauereinsatz einen sehr heftigen Sprung genau an dieser Stelle.

Es muss so die fünfte oder sechste Wiederholung in der zweiten Nacht gewesen sein, als ich endlich der Verlockung nachgab und den Griff meiner Rundbürste zweckentfremdete, die mich schon die ganze Zeit so merkwürdig lüstern angesehen hatte. Sie erwies sich dann als recht talentiert und hatte der Refrain in kürzester Zeit ganz gut drauf - auch wenn ich sagen muss, dass sie sich oft mit den in's und óut's verzählte oder zum Schluss immer etwas zu eilig wurde und aus dem Takt kam.

Und so war ich auch am Montag der zweiten Woche ziemlich unausgeschlafen und auch sonst irgendwie ziemlich geschafft (wenn ihr wisst, was ich meine) als das neue Schuljahr begann. Morgens hatte mir Mary meine Schuluniform heraus gelegt und ich konnte es wirklich nicht glauben, was da knapp vor der Jahrtausendwende an meinem Kleiderschrank hin: eine weiße Bluse und ein dunkelblauer Blaser. Und dazu eine diagonal gestreifte blau-rote Krawatte, die selbst mein Opa vermutich als zu konservativ abgelehnt hätte, und ein ziemlich kratzig aussehender grauer Pullover mit V-Ausschnitt.

Der Hammer war aber ein etwas mehr als knielanger blau-rot schottisch karierter Plisseerock. Nein, ein weiterer Blick überzeugte mich: der eigentliche Hammer waren die Kniestrümpfe und die etwas, was ich im Leben noch nicht erwogen hatte, anzuziehen: Collegeschuhe. Flach, schwarz und unelegant. Maximal erlaubter Absatz: ein inch, vorausgesetzt, es war ein Blockabsatz. Sneakers: nein, Buffalos: nein, Pumps mit vernünftigen Hacken: nein. Das hatte ich schon vorher ausgiebig versucht zu klären.

Nun gut, dass das auf mich zukommen würde, wusste ich ja eigentlich aus den Unterlagen der Vermittlungsagentur. Gut denn, also Ade erstmal Sneakers, good-Bye 501, c-u black Metal T-Shirt. Ist ja nur für Tagsüber, hatte mich Britney getröstet, der die Klamotten gar nicht mal so übel standen. Sie wusste sie in einer gewissen schnoddrigen Art zu tragen, den Krawattenknoten immer ein bisschen zu weit unten, die Pulloverärmel hoch geschoben und den Rocksaum (komisch, musste wohl hochgerutscht sein) immer ein bisschen zu weit oben.

Und von Britney wusste ich schon, dass wenigstens in den Taschen, Bagpacks und Jacken etwas Individualität machbar war und dass ich mir für die Zeit nach Schulschluss auf jeden Fall wenigstens anständige Schuhe in die Tasche stecken sollte.

Ich betrachtete das Wappen auf der Brusttasche des Blasers. Bisher hatte ich den Insignien meiner neuen Schule ungefähr soviel Aufmerksamkeit gewidmet, wie dem Stundenplan oder dem Wetterbericht von letzter Woche. Aber irgendwie wurde ich aus dem Ding aber auch nicht schlau und das wurmte mich gewaltig. Gut Latein war schon zu Hause mein Hassgegner Nummer eins gewesen. Nulla poena sine lege konnte ich mir gerade noch so übersetzen. Keine Strafe ohne Gesetzt.

Aber darunter schien es zwei kurze gekreuzte Backschieber zu zeigen. Der eine glatt, der andere mit Löchern. Alte hauswirtschaftliche Traditionen? Keine Ahnung! Oder sollte es etwas mit den merkwürdigen Sportarten zu tun haben, die man auf dieser Insel pflegte? Das in Oxford fleißig gerudert und gestakt wurde, davon hatte ich ja schon gehört. Aber die Nachricht vom Paddeln für Mädchen hatte sich wohl noch nicht über die Insel hinaus auf's Festland verbreitet.

Gut, ich quälte mich also in diese feine Uniform, fühlte mich sehr merkwürdig und unbequem - wie um Himmels willen konnte jemand auf die Idee verfallen, ein solches Monster von Rock anzuziehen? Eigentlich tröstete mich nur der Gedanke, dass ich Britney in demselben Aufzug an meiner Seite haben würde. Pünklich um viertel vor Acht kamen wir in der Schule an und um im Bild zu bleiben, das altehrwürdige Gemäuer hätte Hogwarts problemlos Konkurrenz machen können.

Auch der Qidditch-Platz nur ein Hockeyfeld war - und die einzig legale Möglichkeit, in Röckchen rumzulaufen, die noch kürzer als die für den Freitag-Nacht-Bar-Einsatz waren. Ich persönlich hätte ja nichts gegen den Ritt auf einem kraftstrotzenden Sauberwisch 2000 gehabt - aber man muss halt nehmen, was angeboten wird.

Ich wurde mit Britney in dieselbe Klasse eingeteilt. Nicht vom sprechenden Hut, aber das alte etwas angestaubte Fräulein, das auf dem >Miss< bestand und sich als Sekretärin des Direx (hier Headmaster genannt) betätigte, kam ran: sie war eher noch etwas verknitterter und sie sprach für mich mit ihrem starken lokalen Akzent, der jedes EI zum OI machte, zu der Zeit noch in in völligen Rätseln.

Nun, ich erspare euch sieben dicke Bände Schulgeschichte und will nur soviel sagen: den Stein der Weisen habe ich in meinem Jahr dort ganz sicher nicht gefunden. Ehrlich gesagt, habe ich aber auch nicht danach gesucht und das lag wohl unter anderem daran, dass die Zauberstäbe der Jungs, die wir nach Schulschluss trafen wirklich sehr interessant waren und einige wirklich unglaubliche Zauberkunststücke damit vollbringen konnten.

Wenigstens - ich greife mal ein wenig vor - die wichtigsten Zaubersprüche hatte ich aber schnell drauf und wendete sie fleißig und natürlich völlig illegal auf die männlichen Muggel aus dem Dorf an.

Im wesentlichen waren das: Lumus, mit dem ich manche Spitze so manchen Zauberstabs zum Leuchten brachte. Errectus, ihr könnt euch denken, was der bewirkte, und Ejaculatus, mit dem ich in der Lage war, den Muggeln einen wohlschmeckenden Protein-Drink zu entlocken. Ich hatte schnell raus, dass diese Zauber durch Anwendung des Fellatio-Zauberes deutlich besser gelangen. Zu meinem Leidwesen war ich aber nur selten in der Lage, einen wirklich befriedigenden Cunnilignuns-Zauber anzuwenden. Ich tröstete mich dann meist mir dem Vibrato-Zauber, der aber nicht wirklich ein Zauber war, weil eine Batterie anstelle magischer Energie im Spiel war. Und auch, wenn Zaubertränke gar nicht auf dem Stundenplan standen, ich hatte, wie man dort so schön sagt, immer was am kochen.

Der Unterricht war eine Riesenumstellung. Frontal statt Gruppe, Antworten statt diskutieren, Aufstehen zur Begrüßung, Aufstehen für jede Antwort, Stress bei jeder Verspätung. Yes, Madam hier und Yes, Sir dort. OMG, wo war ich denn hier bloß hingeraten? Der Lehrkörper war noch um einiges verstaubter als der sprechende Hut und ich bin ziemlich sicher, dass Professor Snape in dieser wundervollen Anstalt, die noch die wunderbaren Einrichtungen der Nachsitzens, Eckestehens und einen unendlichen Katalog von Strafarbeiten kannte, problemlos die Stelle der Vertrauenslehrers bekommen hätte und dass wir bei Mr. Argus Filch mit Freunden unseren Kakao in der großen Pause gekauft hätten.

Ich stand vom ersten Tage an auf Dauerkriegsfuß mit dem System, konnte natürlich meine Klappe nicht halten (wie auch, in diesem Land mussten sie mindestens hundertfünfzig Schulreformen verpasst haben), verbrauchte meinen Kredit in Rekordzeit und irgendwie hat Pink meine Probleme wohl am besten zusammengefasst, wenn sie singt: I and my socks are never clean / Teachers dated me, my parents hated me I was always in a fight cause I can't do nothin' right. Nun, es waren nicht die Lehrer, mit denen ich einen Verabredungen hatte und Hugh und Mary waren einfach toll, auch wenn sie nun nicht nur Britneys kleine sondern auch meine etwas größeren Sünden regulieren mussten.

>Teachers hated me< wäre wohl auf jeden Fall die bessere Zeile für mich gewesen, auch wenn es mir gelang, unseren Zeichenlehrer Mr. Miller (von einem gewissen John Willie hat hier niemand je gehört) ganz ordentlich aus der Fassung zu bringen. Immerhin - ein erster kleiner Erfolg auch in Sachen Sprache, den Begriff >Dangling< hatte ich im heimischen Englischunterricht zumindest noch nicht gehört.

Gut, wie auch immer, Britney und ich hatten eine Menge Spaß und eigentlich war es völlig unverantwortlich, dass ich sie immer mit in die kleinen Verstöße einbezog, die ich ständig ausbrütete. Sie hatte ja keine Rückfahrkarte in der Tasche und musste hier noch irgendwie den Abschluss packen. Aber was soll's: mitgefangen, mitgehangen. Und so geschah es eines schönen Donnerstag Nachmittags, dass uns nach der letzten Stunde der sprechende Hut vor der Klassenzimmertür erwartete und uns verkündete, wir hätten uns umgehend beim Direktor zu melden. Und im übrigen würde >Sir Vincent sicher nicht erfreut uns zu sehen<. Jedenfalls übersetzte ich mir das so.

Bisher hatte ich nicht direkt mit Sir Vincent zu tun gehabt. Aber die Stories über seine Prinzipien und seine strengen Grundsätze waren bekannt und es wurde auch gemunkelt, dass er sich wiederholt sehr überzeugt von >den Vorzügen der körperlicher Stafe< geäußert hatte. Seine Abhandlung >Erfahrungen mit dem anderen Ende des Rohrstocks< war wohl in Fachkreisen ein Standardwerk, auch wenn es wohl niemand je gelesen hatte. >Cane<, auch so ein merkwürdiger Begriff, den ich aus keinem Wörterbuch kannte. Bisher hatte ich immer nur mal flüchtig von >die Caine war ihr Schicksal< gehört und uralt Kriegsfilme fand ich nun wirklich z.K. - zum Kotzen.

Den >Sir< hatte Sir Vincent ihre Majestät im vergangenen Jahr verliehen und ihm zum Member Of The Order Of The Second Knight geschlagen. Es hieß, dies sei in Anerkennung seines Lebenswerks und seiner unschätzbaren Verdienste um die Sexualerziehung geschehen. Sir Vincent hatte wohl auch noch das Standardwerk der englischen Sexualkunde schlechthin geschrieben. Aber nach einem Blick in dies Jahrhundertwerk war mir sofort klar, was Sir Vincent da verfasst hatte und in der immerhin fünfundvierzigsten Auflage unter die natürlich völlig unaufgeklärte Jugend bracht, war Blümchensex in Reinkultur.

Nun, wie auch immer, auf dem Weg die endlos langen Flure entlang wurde mir schlagartig klar, dass wir gerade auf dem Weg waren, Sir Vincents Prinzipien einmal näher kennen zu lernen. Ich ging im Geiste unser Sündenregister durch und das war durchaus lang. Die um zwei Handbreit kürzer genähten Röcke, die ich in zwei langen Nachtschichten auf Marys alter Nähmaschine für Britney und mich geändert hatte, waren da nur der Anfang einer langen Liste.

Die drei täglichen Kippen auf dem Klo konnten eigentlich auch nicht der Anlass sein, dass sich der Direx persönlich mit uns befasste. Von den gelegentlichen Ausflügen ins Dorf, dem ganzen illegalen Gezauber und Muggel-Missbrauch konnte hier eigentlich genauso keiner was wissen wie von diesem bösen Spielzeug in Form von den zwei quietschgelb latexüberzogenen Kügelchen, die ich mir inzwischen mir Britney schwesterlich teilte und die uns beide über die tötliche Langeweile so mancher verstaubten Geschichtsstunde hinweg gerettet hatten.

Wow, Britney war verdammt cool und ich begann die berühmte Ruhe zu bewundern, für die die Engländer ja wohl bekannt sind und mit der sie Dinge hinnehmen, die sie nicht ändern können. Klar, Britney hatte schon ein paar Jährchen mehr die Freuden der englischen Erziehung genossen, aber wie sie diesen Gang lachend und flaxend mit einen >Du, Süsse, Don't worry, das wird sicher wieder ein Riesenspaß< antreten konnte, das war mir schleierhaft.

Sie war es dann auch, die beherzt an die schwere hohe Eichentür klopfte und als Erste eintrat. Und ich war wirklich überrascht. Sir Vincent war so Mitte Fünfzig, sah aber deutlich jünger aus und hatte sich verdammt gut gehalten. Als er uns armen Sünderinnen dann sogar noch bat, in den beiden schweren Ledersesseln platz zu nehmen, die ein wenig seitwärts von seinem riesigen Schreibtisch standen, war ich völlig baff.

Ich war sogar so beeindruckt, dass ich versuchte, unauffällig meine schon wieder etwas runter gerutschten Kniestrümpfe hochzuziehen und mit aufgerichtetem Oberkörper und brav geschlossenen Knien einen halbwegs passablen Eindruck zu machen. Britney gab sich diese Mühe nicht, schlug die Beinen über und dangelte fleißig und unverdrossen und natürlich gaaaanz zufällig und unbewusst.

Hätte sie nicht unerreichbar weit weg von mir gesessen, hätte ich ihr am liebsten den Ellenbogen in die Seite gehauen. Bestimmt machte sie alles nur noch viel schlimmer. Ich versuchte, nicht zu neugierig umher zu gucken und wenigstens ein wenig Aufmerksamkeit zu heucheln. Aber eigentlich blieb mein Blick erstmal völlig fasziniert an den Paddel hängen, die wohl als Vorbild unseres Wappens gedient hatten und die an einer Lederschlaufe an der Wand hinter Sir Vincent hingen.

Fast alle Engländer sammeln ja wohl irgendwelches Zeug, aber wozu eine Sammlung von kurzen Ledergürtelresten, die neben den Paddeln an der Schnalle aufgehängt waren und dazu noch in der Mitte gespalten waren, nun gut sein sollte, das entzog sich meiner Kenntnis. Ich meine, man muss ja nun wirklich nicht allen alten Kram aufheben und auch noch ausstellen.

Über diesen Gedanken hatte ich den Anfang von Sir Victors Rede schon verpasst. Irgendein weltbewegender Vortrag in der Art, ich sein ja neu in dieser Anstalt und daher würde er mir die Grundzüge der englischen Erziehung einmal genauestens erklären wollen. Und so ging es dann auch weiter. Von der Freuden und Vorzügen der Strafe, die vom Strafenden ohne Emotionen und ohne Erregung zu vollziehen sei. Von ihrer reinigenden und vergebenden Wirkung. Von dem guten Gefühl, nun für seine Fehler bezahlt zu haben und quitt zu sein. Etc. etc. etc. und so weiter und so weiter.

Ich hörte nicht wirklich mehr zu, denn mir wurde ganz schön mulmig und ich verkroch mich, inzwischen ziemlich kleinlaut, mehr und mehr in meinem Sessel. Ich hörte Begriffe, die ich noch nie gehört hatte und lernte so, dass das die merkwürdigen Gürtelreste als Tawse bezeichnet wurden, dass die Paddel tatsächlich Paddel waren, aber nicht im Wassersport verwendet wurden und noch einiges mehr, was nicht im Shorter English Dictionary stand.

Ein kurzer Anruf unterbrach Sir Vincent. Während er ihn mit einem kurzen >jetzt bitte nicht, wir haben hier eine wirklich ernste Angelegenheit in der Tat < abwimmelte, raunte mir Britney zu: >alles bullshit , es ist einfach nur geil, es fördert die Durchblutung an den richtigen Stellen und das wirkt dann richtig geil wirst schon sehen<. Ich hoffte, dass sie leise genug gesprochen hatte, damit nicht auch noch der böse Begriff >bullshit< in diesen heiligen Hallen zu hören gewesen war, in denen du bei jedem strengen Blick, der einem >Shit< folgte, sofort ein >ooops ... sorry, rubbish< hinterher zu schicken gewohnt warst.

Sir Vincent fuhr in seinen Ausführungen fort. >Aber, ähm ...<, er stotterte ein wenig in dieser unnachahmlichen Form, in der das nur die Engländer können, die wirklich teure Schulen besucht haben >also, nun, in der Tat, wirklich, wir können nicht über die Körperstrafen sprechen, wenn wir nicht über den Rohrstock sprechen nicht wahr?< Und dabei sah er sich etwas irritiert im Zimmer um.

>Sandy<, er sah mich an, aber ich wagte nicht, seine Blick zu erwidern, >Sandy, nun, ich denke, hier wird eine praktische Demonstration angebracht sein. Wir werden dann auch gleich sehen, ob Sie meinen Prinzipien verstanden haben und anwenden können. Wo ist denn nur , nun, also, ähm würden Sie wohl bitte den Rohrstock aus ihrem Klassenzimmer für mich holen? Hier sollte ebenfalls einer sein, aber wenn unser Hausmeister aufgeräumt hat, finde ich nie etwas wieder.<

Mit ziemlich trockener Kehle, einem dicken Kloß im Hals und hilfesuchendem Blick zu Britney, die immer noch und offenbar völlig entspannt mit dem Collegeschuh spielte, bracht ich gerade noch so ein >Ja ...< heraus und beeilte mich, das >Sir!< nachzuschieben. >Gleich links hinter der Tür, im Linealständer< half mir Britney. >das gelbe dünne Stöckchen, hat oben einen Bogen, kannst du nicht verfehlen, findest du ganz leicht<, half mir Britney, die meinen fragenden Blick sah.

Und ich hatte mich die ganze Zeit schon gewundert, welch merkwürdige Form von Spazierstock hier gebraucht wurde und was der in einem Klassenzimmer zu suchen hatte. Der Weg die Flure entlang, die jetzt nach Schulschluss menschenleer waren, zum Klassenzimmer hin und zurück erschien mir endlos und ich lernte den Sinn einer Redewendung, die so auch nicht im heimischen Englischbuch stand: >To scare the shit out of ... ...< - so langsam bekam ich ein Gefühl, wie das gemeint sein konnte. Ich erprobte den Stock vorsichtig und sehr zaghaft an mir selbst. Erst vorsichtig außen am Unterschenkel, dann etwas kräftiger, autsch ! Dann schließlich sehr zögernd an meiner Handfläche. Wie Britney das als Spaß bezeichnen und dabei über verbesserte Durchblutung nachdenken konnte, blieb mir ein Rätsel.

Ich zögerte immer noch, steckte mir mit zitternden Fingern noch eben eine Kippe auf dem Flur an - da kam es nun auch nicht mehr drauf an - paffte eilig drei Züge und trat sie dann halbgeraucht aus und subste sie unter die Heizung. So versenkt man ein kleines Vermögen.

Aber egal. Gut denn, ich holte nochmal tief Luft, traute mich zaghaft wieder zu klopfen und hörte anstelle eines >come in< hinter der schweren Tür nur ein gedämpftes Klatschen. Ich klopfte nochmal, drinnen klatschte es wieder.

Jetzt nahm ich allen meinen Mut zusammen und öffnete die Tür, ohne noch auf das Herein zu warten.

Ja, und was ich dann sah, verschlug mir wirklich die Sprache und ich musste verdammt an mich halten, um nicht laut los zu prusten. Allein für das Bild, das sich mir hier bot, hatte sich die Reise auf die Insel gelohnt.

Ich weiß nicht, was ich auf den ersten Blick überraschender fand: da waren zum einen die Sockenhalter. So etwas hatte ich im Leben noch nicht gesehen. Strapse, klar, kannte ich natürlich, aber die Dinger, die kurz unter dem Knie Sir Vincents braune Socken hielten, einfach göttlich Oder war es die auf die Knie herunter gezogene Boxershorts mit kleinen blauen Elefanten? Oder war es die ganze Szene, in der Sir Vincent mit nacktem A*sch vor fremden Leuten stand?

Britney lächelte jedenfalls sehr vielsagend, zog dem bösen Jungen noch einen mit der Tawse über und fragte: >Na? Willst du auch mal? Oder willst du gleich mal testen, wie es sich am anderen Ende des Rohrstocks anfühlt?< Tja, diese Engländer, irgendwie werde ich sie nie verstehen - sie drücken sich immer so unklar aus.

Wie auch immer, Britney hatte irgendwann das dritte Standardwerk von Sir Vincent in der Bibliothek entdeckt, sie war die Leseratte und Miss Smartass von uns. Auf jeden Fall war das lange verschollenen Werk aus der Sammlung der verbotenen Bücher ein echtes No-Go und so begannen mit diesem Tag die Freunden meiner englischen Erziehung.


Video-Interview: Sexuelle Wünsche - was ist eigentlich noch normal?
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Christine bloggt: Wie viel ICH bin ich eigentlich?
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great and funny

Thanks a lot

Hans


 

Bin begeistert !

Ich hoffe, dir fällt noch etwas tolles für die Fortsetzung ein !


 

Du bist doch irgendwie verrückt ...

Sara, mal ganz ehrlich, wir wollen jetzt gleich los nach Ffm und jetzt habe ich dich in meinem Kopfkino in einer englischen Schuluniform vor Augen. Mit allem drum und dran. Wie soll ich mich denn da auf das Fahren konzentrieren??
Aber die Story ist superoberextraklasse. Ist es vermessen, wenn ich vielleicht vorsichtig nach einer Fortsetzung frage ...
LG, Kim.


 

Ja mein lieber victor

von:saravana

das war halt der versuch, ob t&d (tease and denial) auch fernwirkend per story möglich ist. eigentlich war diese kleine bösartigkeit ja für bat-(bad?)-tina vampirella gedacht - aber wenn du kolatteralschaden genommen hast .... tut mir ja sooooo leid ...(*** heuchel ***) ...

aber da mir im moment keine fortsetzung einfällt, die über die üblichen standard-dinger hinausgeht: nimm rache ... schreib die story vom bösen hausmeister und seiner sammlung der verschwundenen rohrstöcke ... oder von den lauschigen stunden mit dem zauberstab im raum der wünsche ...


 

Stimmt...

von:vampirellavampira

der Schluss...war wie ein Eimer kaltes Wasser...

Schöne Grüße ..die wirklich bad Tina..


 

Ach menno, arme tina ...

von:saravana

"wie ein eimer kalt wasser" ... das wollte ich ja nun auch nicht ..

okay aber für die wunderbare chinesische wasserfolter per text reicht's halt noch nicht.

schuld ist und bleibt aber sir vincent. ich mein', der war echt stockbesoffen und abgefüllt als er 1712 sein super-epos "ninety nine and one more uses of a drunk chick ..." in die bibliothek der verbotenen bücher gestellt hat .. und strafe muss sein - hat er selbst gesagt


 

einfach köstlich


 

A Toast

to absent Friends

Schön, nach so langer Zeit mal wieder was von Dir zu hören und zu lesen. Und ich muß sagen: das Warten hat sich gelohnt.


 

Juhuuuu, endlich! endlich wieder was von dir!

ich LIEBE die art, wie du erzählst, könnt dir stundenlang zuhören... und dass du ein naturtalent im umgang mit dem zauberstab bist, war ja wohl klar!

du hast mich ja heut schon in den beichtstuhl geschickt....
für die sünde "lesen von wirklich geilen geschichten im büro" - was fass ich denn da als buße aus?


 

Zuhören???

von:charlybn6

Hast Du etwa ein Hörbuch von Saravana bekommen??? Will ich auch haben. Kann sie zaubern?


 

von:nala969

reden mit den fingern...
zuhören mit den augen...

wir bewegen uns in der welt der magie, meister charly!

...und natürlich IST sie eine zauberin!


 

Saravana !!!!!!!

Bist du Wahnsinnig ????? Jetzt sehe ich dich in Schuluniform ....Auweia !!!!!!
Eine absolut Zauberhafte Geschichte hast du da geschrieben , ich grinse im Kreis und hab sofort gute Laune
Penissimus Reibikuss ......deine Zaubersprüche zeigen Wirkung !!
Vielen dank für dieses Meisterwerk !!!! Du machst einen Wahnsinnig !!!


 

Komliment !

Wirklich gut erzählt, flüssig, ( teilweise subtiler) Humor und stilistisch durchaus abwechslungsreich !


 

Genial

einfach nur gut geschrieben. Tolle Audrucksform, kurzweilig und spannend. Glückwunsch.


 

Du bist echt crazy........und ich hatte mich schon so schön reingesteigert..


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