Schwierige frage... jetzt wirds lang...
von:immerwiederregen
... anfangs hatte sie in einer längeren schweren phase kaum mehr zeit für mich, wenn ich sie nach zwei-sechs wochen sehen wollte musste ich mich als erster melden.
es ging mir nicht darum sie ständig um mich zu haben.
sie verließ deutschland für ein jahr und ich begann mein studium. wir hatten einen großen streit und eine brüchige versöhnung vor unserem abschied. ich habe ihr einen abschiedsbrief geschrieben. ich hatte kein vertrauen mehr, dass sie für mich da sein würde. und ich wollte nicht mehr derjenige sein, der sich immer als erster um kontakt bemüht.
das jahr hatten wir beide keinen kontakt. wir haben beide sehr darunter gelitten. mich hat die trennung schwer belastet - sie hat mir erzählt, dass es ihr genauso ging. und ich bin mir sicher, dass es so war. wir kennen uns seit wir 16. bzw. 15 sind. wobei es für uns beide vielleicht am schwersten war, den jeweils engsten und nähesten freund zu verlieren.
nach ihrer rückkehr trafen wir uns um uns auszusprechen. ich sagte ihr, dass ich irgendwann wieder mit ihr zusammensein wolle. sie sagte, dass sie mit mir als partner nicht glücklich werden würde.
ein weiterer kontakt wäre wohl ähnlich verlaufen wie früher: ich melde mich, wenn ich in meiner heimatstadt bin. sie hätte ihr neues leben und mir davon einen guten teil verschwiegen. hätte sich an versprechen nicht gehalten - soetwas nehme ich seit zwei jahren immer mehr persönlich. auch in meinem leben hätte sie nicht mehr den platz, den ich mit ihr hätte teilen wollen.
ihr vorschlag: kontakt, ähnlich wie früher. reden, telefonieren, besuchen. das halte ich nicht aus, denn darunter leide ich sehr. ich wäre für sie immer da, weiß und wusste, dass sie es nicht ist. sie hätte mich nicht besucht.
Ende: ich sagte ihr eines morgens nach einer durchwachten nacht, dass ich mir mit ihr keinen realistischen kontakt mehr vorstellen kann. sie meinte, dass sie sich damit arrangieren müsse - auch wenn es ihr schwerfiele mich zu verlieren.
im november schrieb sie mir dennoch eine mail, dass sie mit mir reden müsse.
unser treffen anfang dezember... ich rief sie an dem verabredeten tag an, nachdem ich drei tage beinahe ohne schlaf auf einer veranstaltung gearbeitet hatte - auch um rechtzeitig fertig zu werden. ICH rief an.
sie hatte geschrieben, auf jeden fall schon viel früher zuhause zu sein. war es aber nicht, sondern noch weit weg auf der autobahn. und wollte unser treffen verschieben. ich wohne nicht in meiner heimatstadt, es hat sich also länger verschoben.
genau das ist MEIN problem mit ihr: nicht gehaltene absprachen und das gefühl, dass ich jeweils den entscheidenen impuls geben muss.
um weihnachten schließlich unser treffen: ich wollte mich eigentlich nicht mehr damit belasten. erst geplänkel, dann sagte sie, dass sie einen freund hätte.
was soll ich sagen: ich möchte mich nicht einmischen. der gedanke daran stört mich auch nicht. ein neutraler gedanke für mich.
er wird sie noch lange nicht so gut kennen wie ich sie kenne. wenn er zu ihr passt ist das in ordnung. wenn er nicht zu ihr passt ist mir das gleichgültig. ihre entscheidung, mit mir hat das nichts mehr zu tun.
das habe ich ihr gesagt. auch, dass mich ihr verhalten anfang dezember sehr verletzt hat und ich kaum vertrauen mehr zu ihr habe. keine möglichkeit sehe, wie wir unproblematischen umgang haben könnten.
und: dass ich ihr nichts mehr zu sagen habe. eben das war mein letzter satz. ich bin gegangen. jedes weitere wort wäre überflüssig gewesen. ich konnte auch nicht mehr. die art und weise hat mich sehr umgetrieben, auch wenn ich es nicht bereue. es hat den bitteren geschmack von respektlosigkeit; dafür erwarte ich kein verzeihen.
IHRE gründe gegen mich:ich weiß es nicht sicher. vielleicht ihre musik. ich selbst habe eine ausgeprägte liebe zum gesprochenen wort. ihre musik gefällt mir, aber ich kann darin nicht versinken. das stört mich nicht. es geht ja nicht um mich, sondern um sie. es gab meist deswegen streit - ein guter teil ihres lebens besteht aus auftritten, ihrer eigenen band, festivals. sie hat aber irgendwann begonnen, mich für ihre musik aufzugeben. ich war zu manchen zeiten sehr fordernd. ich beschäftige mich nicht mit "wissenschaft" weil ich daraus unbedingt einen nutzen ziehen möchte. wissen und erkenntnis an sich ist für mich etwas lebenserfüllendes. als drittes meine schweren phasen. ich erwarte allerdings nicht, dass andere mir meine probleme abnehmen.
das war aber auch nur ein teil unserer beziehung, denn insgesamt würde ich immer noch sagen, dass wir sehr ähnlich sind. das wir nicht gescheitert sind, weil wir nicht zueinander passen - sondern weil wir uns verrannt haben. aber auch das ist jetzt in ordnung so wie es ist.
ich schätze sie immer noch sehr. und muss mit dem verlust zurecht kommen. für mich fühlt es sich wie nach dem tod meiner oma an. sie lebt zwar noch, aber nicht mehr in meinem leben.
puh, dass war jetzt lang
:
und du hast recht: eigentlich wollte ich deinen satz wirklich nicht hören. so offen hätte es mir in meiner umgebung aber keiner mehr gesagt. die bezeichnen es als trauma...