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Warum ist Entscheidung so konfliktreich? Therapeut werden ja/nein?

 

Hallo an alle,

ich studiere Psychologie und will mal wieder ein Praktikum machen. Lange Zeit wollte ich immer eher in den wirtschaftlichen Bereich gehen, dann wurde mir das zu wenig "sinnhaft", ich suchte etwas neues. Fand nichts. Ueberlegte ob ich doch etwas therapeutisches machen sollte. Es hat mich dort nie so hingezogen, ich wollte damit eher nichts zu tun haben. Mich interessieren Themen, die mit der Gesellschaft zu tun haben. Warum wird nicht mehr in Bildung investiert, warum muessen viele soviel an Geld und Erfolg denken anstatt an Familie und Werte? Kein Wunder, dass viele Leute dem Druck heute nicht mehr standhalten. Dies sind Themen, die mich bewegen.

Hinzu kommt, dass ich selber mit meiner Vergangenheit noch etwas zu kaempfen habe. Ich habe als Jugendliche meine Mutter aufgrund von Krebs verloren, bei uns zu Hause wurde nie darueber gesprochen. Ich habe immer funktioniert. Mir ging es auch nach 1-2 Jahren wieder richtig gut, dachte ich. Krisen gibt es immer mal, ich denke das ist normal. Seit letztem Jahr habe ich aber eine grosse. War letzten Winter echt depressiv, hatte Angst vor Dingen, vor denen ich sonst keine hatte. Mir ging es echt schlecht. Es wurde mit der Zeit immer besser, aber es instabil fuehle ich mich immer noch. Es verunsichert mich sehr, dass ich keinen klaren Plan habe, was ich aus meinem Leben machen will/soll. Damit konnte ich schon immer schlecht umgehen. Irgendwie suche ich nach etwas Sinnhaftem. Aber letztlich muss es ja nur fuer mich Sinn machen, alles andere ist egal...

wie gesagt, oben genannte Themen interessieren mich, es regt mich auf, dass die Gesellschaft nahe Beziehungen, Naechstenliebe, Offenheit auch ueber seine Probleme zu sprechen, zu seiner Imperfektion zu stehen, quasi unmoeglich macht. Ok, das mag jetzt etwas uebertrieben klingen, aber von der Tendenz empfinde ich es so.

Nun bin ich wie gesagt am Ueberlegen, ob ich das Praktikum in einer psychosomatischen Klinik machen soll. hab mich schon beworben, ich koennte dorthin. Die Klinik liegt nett, das Team ist nett, alles super.
Nur, dass ich eben wirklich nicht weiss ob ich es will. Einerseits denke ich, es wuerde vielleicht einiges klaeren. Und ausserdem mir selbst gut tun. Wenn ich viele Menschen sehe, denen es schlecht geht, vielleicht wird es mir dann leichter fallen an mir selbst zu akzeptieren, dass nicht immer alles perfekt an mir ist, dass ich auch wirklich grosse Probleme hatte zwischendurch. Aber irgendetwas haelt mich davon ab. Ich habe Angst, dass es mir zuviel wird. Ich rede gerne mit Menschen, ich mag es wenn ich ihnen weiterhelfen kann. Auch oder gerade gefuehlsmaessig. Das ist ein gutes Gefuehl fuer mich. Ich mag es wenn man sich so unterhaelt, dass man wirklich in Kontakt ist. Andererseits habe ich das Gefuehl, es gibt da in mir eine Grenze. Wenn es zu "abnormal" wird, habe ich Angst, dass es mir zu viel wird. Manchmal will ich das alles einfach gar nicht wissen, was die Menschen alles fuer Probleme haben, wie kompliziert vieles fuer sie ist, wie sehr sie kaempfen. Vielleicht habe ich nur Angst zu sehr auf meine eignen Probleme hingewiesen zu werden, vielleicht habe ich Angst, dass ich eines Tages vollkommen die Kontrolle verliere. Versteht mich nicht falsch, mir geht es jetzt soweit gut, ich habe tolle Freunde, einen super Freund, mir geht es mit mir selbst wieder gut. Aber irgendwo in mir nagt - vermutlich dadurch, dass ich noch nicht meinen "Traumberuf" gefunden habe - doch diese Angst, dass mir irgendwann alles entgleitet.

Koennt ihr mir einen Rat geben? Was soll ich tun? Soll ich ueber meinen Schatten springen und das Praktikum einfach machen? Und was haltet ihr von diesem Gefuehl "ich will damit einfach nichts zu tun haben?"

Ich will schon einen Job, bei dem es um Menschen und ihre Gefuehel und ihr Erleben geht, ich studiere ja nicht umsonst Psychologie. Aber irgendwie muss ich das Positive sehen, es muss etwas sein, wo ich das Potenziel und die Kapazitaeten der Menschen sehe, sehe wie sie sich gut entwickeln. Klar, dass ist ja das Ziel was nach jeder Krise steht und hoffentlich mehr oder weniger erreicht wird. Aber meint ihr ich kann es aushalten all das zu sehen und sehe genug Positives darin? Oder meint ihr die Probleme all der Leute wachsen mir ueber den Kopf?

Wisst ihr wenn jetzt gute Freunde kommen und mir von ihren Problem erzaehlen wird mir das nie zuviel. Aber ich hatte auch mal eine Mitbewohnerin, die jahrelang in Therapie war und immer (auch wenn man gerade gar keinen Bock hatte) kam und von ihren Problemen erzaehlt hat. Das war mir damals dann oft zu viel. Oder ich hab eine Bekannte, die auch seit 10 Jahren in Therapie ist und einfach wirklich die Kurve nicht kriegt, die ist so furchtbar anstrengend...
klar ist es im Therapeutenjob sicher etwas anderes, da gibt es klare Grenzen und so... aber wie gesagt, ich weiss gerade nicht was richtig fuer mich ist...


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Mach es!


Hallo numberone,

Praktika sind ja gerade dazu da, um mal den Alltag in einem Bereich besser kennen zu lernen. Lieber ein befristetes Praktikum, welches dir bei der berufllichen Entscheidung weiter
hilft, als ein theorielastiges Studium, das die Praxis ausklammert
bzw. womöglich noch zu einem - eventuell um Jahre verzögerten -
Studiumsabbruch führt.

Nimm das Praktikum als Erfahrung.Ich würde dir sogar noch weitere empfehlen, z.B. in der Sozialarbeit (Streetworker etc.)
und im Jugendamt/Jugendhilfebereich. Du erhälst so die
CHANCE für dich feststellen zu können, was dir liegt und
was eher nicht.

Im übrigen solltest du dir im Klaren darüber sein, dass eine
der wichtigsten Aufgaben eines Therapeuten ist, sich von den Problemen seiner Patienten abgrenzen zu können. Das ist eine Frage von Selbstschutz und Professionalität. Wer das nicht kann, geht auf Dauer in diesem Job kaputt.

Und du solltest auch trennen lernen zwischen Emphatie
("Zuhören können", sich einfühlen in Probleme anderer)
im privaten Bereich und in Bezug auf fremde Menschen.
Du hast im Rahmen eines Praktikums auch die Gelegenheit
die betreffenden Menschen danach zu fragen, wie sie sich
abgrenzen, ob sie zum Beispiel regelmässig Supervision
machen/erhalten oder nicht usw.. WO und WANN sonst
hast du schon mal diese Möglichkeit, Menschen vor Ort
und live fragen zu können?

Betrachte das Praktikum als sinnvolle Erfahrung,
die dir bei deiner Berufsfindung sehr wertvoll sein
kann. Schließlich willst du ja wahrscheinlich mal
in einem Bereich bleiben und auch glücklich bzw.
zufrieden sein - und nicht frustriert zum Jobhopper
zu werden bzw. dich von einer (abgebrochenen/unge-
liebten) Ausbildung zur nächsten zu hangeln, oder?!!



Alles Gute!


lg


 

Vielen Dank

von:numberone

fuer die Antwort.

Den Gedanken hatte ich auch schon, es einfach auszuprobieren, als Erfahrung. Aber ich werde trotzdem das schlechte Gefuehl nicht los irgendwie. Und wenn ich mich dazu zwingen muss und innerlich doch keine Lust dazu hab dann bringt das ja auch nichts. Ich wuerde nur gerne besser verstehen, warum das Thema fuer mich so ambivalent ist!

Und Sachen auszuprobieren hab ich ja auch in anderen Bereichen die Moeglichkeit, mit Psychologie kann man ja viel machen.

Und manchmal denk ich dann, dass ich eigentlich schon weiss, dass der therapeutische Bereich fuer mich nichts ist, aber dass ich's jetzt trotzdem mal machen muss um damit fuer mich abzuschliessen. Und denk ich wieder: ah, ich will das nicht, dann kann ich's ja gleich lassen.

Ich kann meine Gefuehle gerade einfach nicht verstehen...


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