Der längst überfällige Geburtsbericht
Vor nunmehr einem Jahr wurde unsere wundervolle Tochter geboren. Die Ereignisse habe ich bisher nur in handschriftlichen Notizen und in meinem Kopf gespeichert. Nun möchte ich endlich einen kompletten Report verfassen und hier teilen.
Aber schon mal eine Vorwarnung, es könnte länger werden. 
Beginnen wir heute vor einem Jahr, am Samstag den 05.02.2011. Meine Eltern, meine Schwester&Freund, mein Partner und ich saßen bei meinen Eltern auf dem Sofa und überlegten uns, wie die nächsten Wochen wohl verlaufen könnten. Ich war immerhin in der 38.SSW und meine Schwester wollte in 4 Wochen 700km weit weg ziehen. Was also wenn das Baby später kommt? Würde ich ein paar Tage ganz allein zurecht kommen? ???
Nach allem was-wäre-wenn sind mein Freund und ich heim gefahren. Also alles in allem ein ganz normaler Abend. Wir schauten uns noch einen Film an (keine Ahnung mehr welchen
) und ich hatte schlimmes Sodbrennen. Ich verdrückte also mindestens eine Tüte Mandeln und trank brav meinen Stilltee. Wir gingen schlafen, wie immer. Und wie immer fragte mein Freund vorm Einschlafen, wann 'Baby' endlich rauskommt. *nerv* Und wie immer sagte ich ihm, dass sie das macht, wenn sie soweit ist. 
Um 2:57 Uhr wurde ich wach, weil ich (auch wie immer) leichte Schmerzen hatte und meine Blase drückte. Also ab ins Bad. Normalerweise ließen die Schmerzen nach dem nächtlichen Toilettengang nach. In dieser Nacht aber nicht. Ich wälzte mich im Bett rum, schaute im Minutentakt auf die Uhr, ging in die Küche und machte mir ein Kirschkernkissen warm, trank ne warme Milch, nichts half gegen diese Schmerzen. Sie waren nicht sehr stark, aber ließen mich aber eben auch nicht schlafen. Vor allem, weil sie schwallartig kamen und gingen. Da fiel dann sogar mir ein, dass das wohl Wehen sein könnten. Aber gleich im 5Minutentakt?! Kann das wirklich so schnell losgehen? Hmm?!?!? 
Da ich nach einer Stunde immernoch im 5 Minutentakt wehte und es mehr als unfair fand, dass mein Zukünftiger selig neben mir schlief, beschloss ich ihn zu wecken.
Ich: Mausi, werd mal bitte wach!
Er: Baby?
Ich: Ja, Baby!
Er: O_O und war hellwach. Ich schwöre, so schnell hab ich ihn noch nie aufstehen sehen. 
Er war soo süß! Hat mich erstmal in die Wanne gebracht. Er hatte ja im Internet gelesen, dass im warmen Wasser Senkwehen nachlassen. Taten sie aber nicht. Also rief er im Krankenhaus an. Die Hebamme dort sagte Also, wenn sie noch reden kann, dann sind es keine echten Wehen! HaHa Aber wir sollten vorbei kommen, wenn uns dann wohler ist.
Gesagt, getan!
Die Autofahrt hat genau 4min. gedauert. Normalerweise braucht man mindestens 10min.! 
Gegen 5:30Uhr morgens war ich dann im Krankenhaus aufgenommen und lag erstmal am CTG. Und was tut ein werdender Vater und liebender Partner währenddessen??? Natürlich er guckt auf den Ausdruck des CTGs und kündigt jede Wehe vorher an! Danke Schatz! Sonst hätte ich gar nicht gemerkt, dass eine kommt!!!
Die Hebamme sah nach dem Muttermund, der schon 1cm offen war. Da ich ja erst ET-19 war, beschloss sie, dass wir erstmal abwarten wie die nächsten Stunden verlaufen. Vielleicht hören die Wehen ja auf.
Ich bekam also ein tragbares CTG um und wir zogen in ein Entspannungszimmer.
Nach 2 Stunden wurde erneut der MuMu untersucht - 3cm offen!
Hebamme: Ok, dann bekommen Sie wohl heute ihr Baby!
Mein Freund: 
Ich: heul
Mir wurde ein Einlauf angeboten, den ich natürlich machen ließ. Das war zwar ein merkwüdiges Gefühl, aber danach fühlte man sich ein wenig lockerer und der Wehenschmerz war auch etwas weniger.
Danach ging's zum Früchstücksbuffet. Ich hatte gar keinen Appetit und trank nur einen Kakao und nahm mir 2 Schokoriegel für später mit.
Die Wehen wurden stärker. Ich veratmete, wie ich's gelernt hatte. Wir kuschelten im Entspannungszimmer und schauten TV (Babyspezial aus dem Leipziger Zoo!!!).
So vergingen die Stunden. Und ich dachte die ganze Zeit an mein Baby, und ob es ihm gut geht.
Um 10:00Uhr rief mein Freund die werdenden Omas an, die beide Tränen vergossen. Ich verschickte eine SMS mit dem Inhalt Heut' kommt die Süße! Mein kleines Engelein!
an alle meine Freunde und Schwester.
Endlich 12:00Uhr! Endlich 10cm! Bei der Kontrolle vom MuMu platze dann auch die Fruchtblase, was einen Moment Erleichterung verschaffte. Also ab in den Kreißsaal. Ich musste ordentlich veratmen und der Druck wurde immer stärker. Am wohlsten fühlte ich mich im Stehen, vorn über gebeugt über den Rand vom Kreißbett. Die Hebamme machte freundlicherweise Musik an. Dido!
Ich hatte einen so schönen Entbindungsoundtrack zusammengestellt, aber ich hatte weder eine Ahnung wo die CD war, noch interessierte es mich sonderlich. (Dido lief übrigens in Endlosschleife bis zum Schluß!)
Wo war ich. Ach ja Kreißsaal. Ab dem Punkt verschwimmen meine Erinnerungen, weil es einfach nur noch wehtat. Die Eröffnungsphase war weniger schlimm als gedacht, aber das danach... WOW
Den Geburtsvorbereitungskurs haben wir leider nicht zu Ende machen können. Mit dieser Art Schmerz hatte ich nicht gerechnet und das veratmen half plötzlich auch nicht mehr. Hilfe! Und meine Beine versagten langsam ihren Dienst.
Irgendwann lag ich dann auf dem Kreißbett. Auf der Seite liegend wurde mir schlecht, auf dem Rücken waren die Schmerzen kaum auszuhalten. In den Vierfüßler durfte ich nicht, weil sich das Baby sonst nicht richtig ins Becken gedreht hätte. Ich jammerte nur noch.
Meine Kraft wurde immer weniger und reichte gerade noch so zum Atmen. Die Hebamme sagte mir wie ich Atmen und dass ich Pressen soll. Mein Freund wiederholte alles freundlicherweise für mich und spornte mich an.
Ich presste so gut ich konnte, aber es reichte nicht. Das Köpfchen ist schon fast da, sagte die Hebamme dauernd. Und ich antwortete darauf nur genervt JAJA Wenn Sie es nicht glauben, dann fassen sie es doch mal an! Und das tat ich dann auch. Ich werde niemals vergessen, wie sie sich angefühlt hat. Auf meinen Fingerspitzen hab ich noch immer das Gefühl ihrer warmen, feuchten, haarigen Kopfhaut.
Aber leider half auch das als Motivation nicht. Der Kopf rutschte immer wieder zurück. Eine weitere Hebamme wurde gerufen.
Diese Hebamme breitete ein grünes Tuch aus, auf dem allerlei Gerätschaften lagen. Wir werden jetzt einen Dammschnitt machen. Und betäuben die Stelle vorher mal eben. Das klang schlimmer als es war. Ich hab's gar nicht gemerkt. Mein Freund hingegen fand das Geräusch beim Schneiden furchtbar.
Leider kam dann ein Schwall grünes Fruchtwasser und es wurde hektisch getuschelt. Und eine der Hebammen rannte zum Telefon. Es kamen dann noch eine Gynäkologin und ein Kinderarzt und noch eine Hebamme, glaube ich.
Da mein Pressen nicht reichte, warf sich eine der Hebammen auf meinen Bauch und drückte nach unten. Nach 2 weiteren Presswehen war das Baby komplett da. Und lag als lila Etwas zwischen meinen Beinen. Der Papa schnitt die Nabelschnur durch. Der Kinderarzt warf ein Handtuch über sie. Schnappte sie und rannte davon. Dann noch eine Presswehe und die Nachgeburt plumpste in die Schüssel. Mein Freund war total erstaunt. Wie hat das alles in Deinen Bauch gepasst? Die Plazenta wurde zur Untersuchung gebracht. Mein Freund ging hinterher und suchte unsere Tochter.
Ich stand völlig unter Schock!
Ich lag also da, nur mit einem Bustier bekleidet, breitbeinig und zitternd. Ich hatte mein Baby nur ein paar Sekunden gesehen und das war nicht der schönste Anblick! Die Gynäkologin packte die Steigbügel aus und begann mich zu nähen. Und ich konnte nur daran denken, dass ich mein Baby nicht süß fand! Bis mir einfiel, dass ich keinen Schrei gehört habe. Ich fing an zu weinen, für mehr hatte ich nicht die Kraft. Die Ärztin versuchte mich zu trösten, hatte ja aber selbst keine Ahnung. Keine Ahnung, wo die Hebammen dann hin waren. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Was war mit meinem Baby? Hab ich was falsch gemacht? (Das dachte ich wirklich) Und ich flehte alle Götter an!!! Gebt mir Kraft! Was auch immer passiert ist, gebt mir Kraft! Und lasst mir mein Baby!!! Bitte!!!
Sie hatte die Nabelschnur 3mal um den Hals, deswegen rutschte sie auch immer wieder rein. Das alles war zu viel für die Kleine. Sie atmete nicht und hatte auch sehr schlechte APGAR-Werte. Der Kinderarzt musste sie erstmal animieren und beatmen. Mein Freund erzählte mir das alles haargenau. Wie der Kinderarzt sie geknetet, gerubbelt und abgesaugt hat.
Nach mehr als einer Stunde kam der stolzeste Papa der Welt mit einem Bündel im Arm zurück. Dann endlich konnte ich sie in den Arm nehmen. Sie war wunderschön, ganz weich, mit braunen Haaren und blauen Augen.
Unser Krümel erblickte am 06.02.2011 um 14:11Uhr mit 3370g, 49cm groß und 34cm Kopfumfang das Licht der Welt!
Nach drei Tagen musste sie zwar nochmal wegen Neugeborenengelbsucht auf die Neointensiv zur Phototherapie, aber ansonsten ist sie ein kerngesundes, wundervolles Anfängerbaby gewesen bis heute.
Sie ist die Liebe meines Lebens, mein Herz und meine Seele! Sie ist das Beste, was ich je im Leben zustande gebracht habe. Ich bin keine perfekte Mama, aber für meine Süße gebe ich mir jeden Tag Mühe eine zu werden. 
Bin gerade etwas rührseelig und auch ein bisschen wehmütig, denn ab morgen ist mein Baby kein Baby mehr.
Danke fürs Lesen!
LG Nadine & Rübchen